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Sieg der Republikaner : So könnte Trumps Kabinett aussehen

  • -Aktualisiert am

Mögliches Regierungsmitglied: Der Gouverneur von New Jersey, Chris Christie (r.), gemeinsam mit Donald Trump, aufgenommen im März 2016 Bild: AP

Wen Donald Trump als Regierungsmannschaft aufstellt, ist noch nebulös. Wahrscheinlich wird er sich auf enge Vertraute verlassen.

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          Kaum 24 Stunden ist es her, dass die Amerikaner den Republikaner Donald Trump zu ihrem Präsidenten gewählt haben, und schon wird über die Zusammensetzung seiner Regierung spekuliert. Die Namen, die in diesem Zusammenhang fallen, dürften — anders als der Wahlausgang selbst — wenige überraschen: Es sind vor allem diejenigen, die sich in den vergangenen Monaten bereits geschickt in der Nähe des Republikaners positioniert haben, die nun wohl für Spitzenpositionen in Trumps Kabinett in Frage kommen.

          Weit oben auf der Verdienstliste steht New Jerseys Gouverneur Chris Christie. Nur zwei Wochen nachdem er im Februar selbst im Rennen um die Präsidentenkandidatur der Republikaner ausschied, sprach Christie bereits seine Unterstützung für Trump aus. Seitdem war der Republikaner stets ein treuer Begleiter des nun gewählten Präsidenten, auch leitet er Trumps „transitioning team“, das Trump mit der Auswahl seiner Kabinettsmitglieder helfen soll. Christie selbst kann wohl auf eine wichtige Regierungsposition hoffen — obwohl er Ballast mitbringt. Denn noch ist nicht geklärt, wie viel Christie von der unrechtmäßige Sperrung der George-Washington-Brücke zwischen New Jersey und New York, die zwei seiner Top-Berater als politischen Racheakt angeordnet hatten, gewusst hat. Der Skandal hatte Christie wohl bereits den Posten als Vizepräsidentschaftskandidat gekostet, der letztlich an Mike Pence ging.

          Ebenfalls ein enger Kandidat für den Posten als Vizepräsident war damals Newt Gingrich, Paul Ryans Vorgänger als Mehrheitssprecher im Repräsentantenhaus. Auch er wird wohl auf eine Position in Trumps Kabinett hoffen dürfen. Dem Fernsehsender NBC zufolge, der sich auf Informationen von drei von Trumps Wahlkampfberatern beruft, war Gingrich bereits vor dem Wahltag als Außenminister im Gespräch. Dem Politmagazin „Politico“ zufolge würden allerdings auch der ehemalige UN-Botschafter John Bolton und Bob Corker, der den Ausschuss für auswärtige Beziehungen im Senat leitet, für die Position in Betracht gezogen werden.

          New Yorks ehemaliger Bürgermeister Rudy Giuliani, der in den Monaten vor der Wahl für Trump die Werbetrommel gerührt hat, soll ebenfalls für eine ranghohe Stelle in Trumps Regierung im Gespräch sein. NBC nannte den Republikaner als potentiellen Generalbundesanwalt, die Stelle, die im Moment noch Loretta Lynch besetzt ist. Giuliani sagte allerdings dem „Wall Street Journal“ am Mittwoch, dass er Trump „lieber helfen würde, jemand anders zu finden, der das machen kann.“ Er sei zufrieden damit, nicht Teil der Regierung zu sein, so Giuliani. Auch dementierte er Gerüchte, sich nur aus eigenem politischen Interesse für Trumps Wahlkampf eingesetzt zu haben.

          New Jerseys Gouverneur Chris Christie ist treuer Begleiter Trumps und kann deshalb auf eine wichtige Regierungsposition hoffen. Bilderstrecke

          Für wichtige Positionen im Verteidigungsministerium und im Pentagon würden der ehemalige General Michael Flynn, Alabamas Senator Jeff Sessions und Stephen Hadley, der bereits Präsident Bush als nationaler Sicherheitsberater gedient hat, in Betracht gezogen werden, berichtet „Politico“. Als Finanzminister sei dagegen Steven Mnuchin, der den Finanzausschuss von Trumps Wahlkampagne leitet und in der Vergangenheit mehrere Jahre für Goldman Sachs gearbeitet hat, im Gespräch, berichten NBC und „Politico“. Lew Eisenberg, der für die Finanzen des Republican National Committee zuständig ist, könnte den Berichten nach Wirtschaftsminister werden.

          Der Weg des geringsten Widerstands

          Von Trumps Familienmitgliedern wird zwar ein deutliches Mitspracherecht erwartet, jedoch sieht es aktuell nicht danach aus, als würden Sohn Eric, Tochter Ivanka und deren Ehemann Jared Kushner offizielle Regierungspositionen besetzen. Einzig Sohn Donald Trump Junior hatte in der Vergangenheit der „Washington Post“ zufolge verlauten lassen, er sei einer Position im Innenministerium nicht abgeneigt. „Politico“ nannte Trumps Sohn am Mittwoch gar als Kandidaten für den Posten des Innenministers. Auch im Gespräch für das Ministeramt seien dem Bericht zufolge Öl-Mogul Forrest Lucas und Sarah Palin, ehemalige Gouverneurin von Alaska und leidenschaftliche Trump-Unterstützerin. Letztere hat Interesse an einer Stelle in Trumps Regierungskabinett bereits verlauten lassen. Doch noch immer sind einige Republikaner der Überzeugung, dass es Palin war, die John McCain 2008 als Vizekandidatin die Präsidentschaft gekostet hat.

          Den bisherigen Berichten zufolge scheint Trump bei der Kabinettswahl den Weg des geringsten Widerstands gehen zu wollen und sich mit erfahrenem und vor allem ihm treuem Personal eindecken zu wollen, sowohl aus dem politischen als auch aus dem privaten Sektor. Viel Auswahl hat er da nicht, da sich mehrere hochkarätige Regierungsberater und Politiker bereits während des Wahlkampfs gegen ihn ausgesprochen hatten. Spannender wird demnach die Frage, wie Trump als Präsident den Gegnern in der eigenen Partei begegnen wird.

          Einen Fingerzeig darauf könnte die Beziehung zwischen Trump und Paul Ryan geben, die sich langsam zu entspannen scheint. Nachdem Ryan Trump in den vergangenen Monaten wiederholt kritisiert hatte – und dafür wiederum von Trump angegriffen wurde – wird sich der Sprecher des Repräsentantenhauses berichten zufolge am Donnerstag in Washington mit Vizepräsident Joe Biden und dessen Nachfolger Pence treffen. Auch gratulierte Ryan Trump bereits in einer öffentlichen Ansprache zu dessen Wahlsieg.

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