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Wahlkampf in Amerika : Jetzt wird es richtig schmutzig

  • -Aktualisiert am

Donald Trump und Hillary Clinton nach ihrem ersten Schlagabtausch Bild: Reuters

Amerika macht sich bereit für die nächste Fernsehdebatte von Donald Trump und Hillary Clinton. Sollte Trump seine Ankündigungen wahrmachen, droht am Sonntagabend eine gewaltige Schlammschlacht.

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          „Den muss er doch machen“, sagen Sportreporter gerne, wenn ein Fußballer allein vor dem leeren Tor steht, den Ball nur noch reinschieben muss und dann trotzdem vorbeibolzt. Glaubt man vielen politischen Beobachtern in den Vereinigten Staaten, dann hatte der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump in dieser Woche im Wahlkampf im übertragenden Sinne eine Großchance auf dem Fuß. Doch anstatt kühl zu verwandeln, vergab er hitzköpfig. Eine Szene, die viel aussagt, vor allem über den Stil des Kandidaten.

          Was war passiert? Bill Clinton, ehemaliger Präsident und Ehemann von Trumps demokratischer Rivalin Hillary Clinton, hatte in einer Rede in Michigan am Montag doch tatsächlich das unter Präsident Obama eingeführte Krankenversicherungssystem als „verrückteste Sache der Welt“ bezeichnet. Zwar habe die unter dem Schlagwort „Obamacare“ durchgeführte und von Hillary Clinton im Wahlkampf immer wieder gelobte Reform vielen Millionen Amerikanern Versicherungsschutz gebracht, aber, so Bill Clinton, gleichzeitig vielen Kleinunternehmern sehr viel höhere Kosten beschert. Es ist eine Kritik, die viele Republikaner schon lange üben, der führende Demokraten aber gerne auszuweichen versuchen.

          Die Reaktion von Trump auf das unverhoffte Wahlkampfgeschenk: Anstatt den unglücklich agierenden Bill Clinton sofort und sachlich als unfreiwilligen Kronzeugen für seine eigene Ablehnung von Obamacare zu vereinnahmen, wird er lieber zotig: „Ich wette, dass Bill dafür in der letzten Nacht durch die Hölle gegangen ist“, ätzt Trump bei einer Veranstaltung in Arizona. „Aber, mal ehrlich, er ist doch schon viele Nächte mit Hillary durch die Hölle gegangen.“ Es soll wohl eine Anspielung auf angebliche Eheprobleme im Hause Clinton sein, auf Bills Fremdgeh-Geschichten. „Ich kann nicht verstehen, warum er in so einer Situation so etwas sagt“, schüttelt John King, politischer Chefkorrespondent bei CNN, den Kopf. „Aber Trump ist Trump.“

          Umfragen

          Nach der von ihm gründlich vergeigten ersten Fernsehdebatte mit Hillary Clinton Ende September, fragen sich viele Amerikaner vor dem möglicherweise schon vorentscheidenden zweiten Duell in der Nacht von Sonntag auf Montag, welchen Trump sie dieses Mal wohl zu sehen bekommen werden. Nicht nur in Arizona, auch bei einem Wahlkampfauftritt in Pennsylvania vor wenigen Tagen gab dieser möglicherweise bereits einen Vorgeschmack: Unter dem Juchzen seiner Anhänger machte sich Trump über die jüngsten Gesundheitsprobleme seiner Kontrahentin lustig, äffte sie nach und spekulierte einmal mehr über den Zustand ihrer Ehe: „Ich glaube nicht, dass sie Bill treu ist.“

          Da ist er also wieder, der unberechenbare Trump, der unseriöse Trump, auf den sogar dessen eigenes Wahlkampfteam gerne verzichten würde. Der Politiker, der in Playboy-Clips auftaucht, aus gekränkter Eitelkeit nachts bei Twitter gegen eine ehemalige Schönheitskönigin wettert und über ein angebliches Sexvideo fabuliert. Der Kandidat, der zu Beginn seiner Kampagne Mexikaner als Vergewaltiger und Drogenschmuggler verhöhnte und sich über einen behinderten Reporter lustig machte. Nun also nimmt er sich Clintons Privatleben vor, beziehungsweise das ihres Mannes. Zum Ende der Auftaktdebatte, in der er sich immer wieder von Clinton provozieren ließ, deutete er bereits an, dass er Bills außereheliche Affären sowie die Rolle, die Hillary dabei spielte, jederzeit auf die Tagesordnung setzen könne. Allein aus Respekt vor Clintons Tochter Chelsea im Publikum habe er bisher, wie er gönnerhaft einräumte, darauf verzichtet.

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