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Wahr oder unwahr? : Die Kandidaten im Lügenvergleich

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Der Wahrheit den Rücken gekehrt – Donald Trump und Hillary Clinton bei der zweiten Fernsehdebatte an der Washington University in St. Louis Bild: AP

Im amerikanischen Wahlkampf bleibt Trump der ungekrönte Lügenkönig. Doch auch Clinton hat nicht immer die Wahrheit gesagt. Ein Überblick über die Lügen, die von beiden Kandidaten bleiben werden.

          In einem waren sich die Rivalen Hillary Clinton und Donald Trump in den vergangenen Wochen einig: Beide warfen sich regelmäßig mit Inbrunst vor, nicht die Wahrheit zu sagen. Und wenn Trump vor lauter Skandalen und Skandälchen keinen Ausweg mehr sah, behauptete er einfach, die Medien würden lügen. Irgendwann wirkte selbst das Fact-Checking von Trumps Aussagen müßig. Denn ihn und seine Anhänger interessierte schlicht nicht, dass er mit seinen Behauptungen oft weit entfernt war von der Wahrheit. Ein Überblick über die Lügen, die von beiden Kandidaten bleiben.

          Obamas Herkunft

          Fünf Jahre lang hatte Donald Trump die Verschwörungstheorie zu Barack Obamas Herkunft weiterverbreitet, obwohl der amtierende amerikanische Präsident bereits 2011 seine Geburtsurkunde vorgelegt hatte. Als Trump in der ersten Fernsehdebatte im September von Moderator Lester Holt nach den Gründen für dieses Verhalten gefragt wurde, spielte er die Sache herunter: Niemand habe sich übermäßig dafür interessiert. Schlussendlich habe er den Amerikanern und auch dem Präsidenten einen Gefallen damit getan, die Urkunde einzufordern.

          Nicht mit einem Wort erwähnte Trump, dass er die sogenannte Birther-Theorie auch nach 2011 fleißig weiterverbreitet hatte. 2012 fragte er in einem Interview: „War es eine Geburtsurkunde?“, zwei Jahre später sagte er, Obama sei vielleicht in Kenia geboren. Im Januar dieses Jahres fragte er noch einmal: „Wer kennt sich aus bei Obama?“ Erst im September setzte Trump einen Schlusspunkt hinter seine Obama-Spekulationen. Er erklärte öffentlich: „Präsident Barack Obama wurde in den Vereinigten Staaten geboren.“

          Trump, der selbsternannte Hüter der Grenzen

          Trump stilisierte sich im Wahlkampf zum Hüter der amerikanischen Grenzen gegen „bad hombres“ aus dem Nachbarland Mexiko. Über Clintons Haltung zur Einwanderungsfrage sagte er:  „Sie will offene Grenzen. 600 Millionen Menschen könnten in unser Land kommen. Denken Sie darüber nach. Wenn man einmal solch offene Grenzen hat, dann gibt es keinen Staat mehr.“ Das alles könne unter Hillary Clinton innerhalb einer Woche passieren, sagte Trump.

          Umfragen

          Damit das passieren könnte, müsste die gesamte Bevölkerung aller mittel- und südamerikanischen Länder sowie ein Teil der Bevölkerung Kanadas mit einem Schlag in die Vereinigten Staaten einwandern, schreibt die Nachrichtenagentur Associated Press. Doch Trump brachte diese Zahlen immer wieder in Zusammenhang mit der von einer möglichen Präsidentin Clintons zu erwartenden Politik. Auch wenn Clinton in einer – geleakten – Rede vor Bankern von einem „gemeinsamen Markt, mit Freihandel und offenen Grenzen“ für den amerikanischen Kontinent gesprochen hatte, waren alle ihre politischen Vorschläge zur Einwanderung weit entfernt von den Szenarien, die Trump wiederholt präsentierte.

          „Das habe ich nie gesagt“

          Dass er es mit Zahlen und Fakten nicht so genau nimmt, hat Trump schon häufig bewiesen. Das Handelsdefizit der Vereinigten Staaten gab er regelmäßig um viele Milliarden zu hoch an: Im zweiten Fernsehduell sprach er von 800 Milliarden, in Wirklichkeit sind es circa 531 Milliarden.

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          Auch an seine eigenen Aussagen scheint sich Trump nicht gerne zu erinnern, selbst wenn sie aufgezeichnet wurden: Häufig behauptete er, so habe er dieses oder jenes nicht gesagt, wie etwas beim Klimawandel. In einem Tweet von 2012 schrieb er, das Konzept der Erderwärmung sei von den Chinesen erfunden worden, um der amerikanischen Wirtschaft zu schaden.

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