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Amerikaner in Deutschland : „Ein absoluter Bullshit-Kandidat“

2012 hat es geklappt: Die Democrats Abroad freuten sich bei der Wahlparty im English Theatre in Frankfurt am Main über den Sieg Barack Obamas. Bild: Jonas Wresch

Schon einmal haben die im Ausland lebenden Amerikaner eine Wahl entschieden. Auch diesmal sind ihre Stimmen von enormer Bedeutung. Die Meinungen der Deutsch-Amerikaner zu Trump und Clinton sind jedenfalls eindeutig.

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          „Ich habe keine Fingernägel mehr“, sagt Quaide Williams und lacht. Er ist nervös, wie immer vor Wahlen, „weil so viel von anderen Menschen abhängig ist“. Doch jetzt, kurz vor den amerikanischen Präsidentschaftswahlen, ist Williams nicht nur aufgeregt, sondern auch ein bisschen erschöpft. Als Vorsitzender der deutschen Abteilung der Democrats Abroad hat er in den vergangenen Wochen Wahlkampf für Hillary Clinton und die demokratische Partei gemacht. Nicht in den Vereinigten Staaten, sondern in Deutschland.

          Anna-Lena Ripperger

          Redakteurin in der Politik.

          Die Organisation Democrats Abroad vertritt seit den sechziger Jahren die im Ausland lebenden Mitglieder der demokratischen Partei. Eines ihrer wichtigsten Ziele: die Wahlbeteiligung bei den Auslandsamerikanern steigern. Denn die ist chronisch niedrig. Nur zwölf Prozent der sogenannten Oversea Voters gaben bei den amerikanischen Präsidentenwahlen 2012 ihre Stimme ab.

          „Wir haben noch nie so viel Arbeit geleistet wie in diesem Wahlkampf“, sagt Williams. E-Mails, Facebook-Nachrichten, Infostände, Wahlveranstaltungen – den Democrats Abroad sei es gelungen, ihre Mitgliederzahlen zu verdoppeln, in Deutschland und auch weltweit. „Obwohl niemand so verliebt in Hillary ist wie damals in Obama“, sagt der Deutschland-Vorsitzende der Democrats Abroad. Williams ist einer von mehr als 110.000 amerikanischen Staatsbürgern, die nach Informationen des Bundesamtes für Statistik in Deutschland leben.

          Einige hundert von ihnen sind Mitglied bei der deutschen Abteilung der Democrats Abroad – und erhielten in den vergangenen Wochen einen Anruf von Williams und seinen Helfern. „Und zwar nicht nur einmal, sondern bis wir sie erreicht haben“, sagt Williams nicht ohne Stolz. Phonebanking heißt diese Methode, die in den Vereinigten Staaten bei Wahlen üblich ist. Durch ihren Anruf wollen die Mitglieder der Democrats Abroad die im Ausland lebenden Amerikaner daran erinnern, wählen zu gehen.

          In Deutschland leben über 110.000 amerikanische Staatsbürger.

          Dafür müssen die sich vorher registrieren lassen, in dem Bundesstaat, in dem sie ihren letzten Wohnsitz hatten. Ein Verfahren, das als umständlich gilt, auch weil die Regeln und Fristen in jedem Bundesstaat unterschiedlich sind. Williams widerspricht: Mittlerweile sei es nicht mehr kompliziert, als Auslandsamerikaner an Wahlen teilzunehmen. Es gebe verschiedene Internetseiten, auf denen man sich in wenigen Schritten registrieren könne. „Das wollten wir den Leuten klarmachen“, sagt er.

          Dass die Stimmen der im Ausland lebenden Amerikaner wichtig sind, hat sich im Jahr 2000 gezeigt. Damals verhalfen die Auslandsamerikaner George W. Bush in Florida zum Sieg über Al Gore. „Ich hoffe nicht, dass wir auch bei diesen Wahlen den Unterschied machen müssen“, sagt Williams. Aber wenn doch, dann solle der zugunsten von Hillary Clinton ausfallen. „Ich glaube, die Vereinigten Staaten brauchen diese Frau.“

          Deshalb war Quaide in den vergangenen Wochen und Monaten unermüdlich im Einsatz. „Wir nennen das GOTV, Get Out The Vote“, sagt Williams. Beim Mobilisieren von Wählern seien die Demokraten unschlagbar gut – auch die Demokraten in Deutschland. Anders als die Konkurrenz, die Republicans Overseas, sagt Williams. Die seien in Deutschland fast unsichtbar. „Wir finden die nur online, nicht im echten Leben.“

          „Wir machen einfach weniger Lärm um unsere Aktivitäten als die Demokraten“, sagte Thomas Leiser, Vorsitzender der Republicans Overseas. Auch die Auslandsorganisation der republikanischen Partei habe im Wahlkampf tausende Telefonanrufe gemacht und E-Mails verschickt. „Aber wir sind einfach bescheidener und melden das nicht gleich der Presse wie die Demokraten.“ Leiser lacht.

          Umfragen

          Die Republicans Overseas haben in Deutschland ungefähr 200 aktive Mitglieder, aber mehr als 1000 Interessierte in ihrem E-Mail-Verteiler. Dass sie in der deutschen Öffentlichkeit nicht so präsent sind, hat für Leiser auch mit dem gesellschaftlichen Klima zu tun: Die Deutschen würden Amerikaner, die sich offen als Anhänger der republikanischen Partei zu erkennen gäben, für „a bit doof“ halten.

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