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Wahl in Amerika : Konservative müssen Clinton unterstützen

  • -Aktualisiert am

Protestler vor dem Trump Tower in New York machen ihre Abneigung gegen den republikanischen Präsidentschaftskandidaten öffentlich. Bild: AFP

Dass Hillary Clinton größere Eignung für das Präsidentenamt besitzt als Donald Trump, sollte vor der dritten Fernsehdebatte eigentlich jedem klar sein. Konservative, die Trump ablehnen, müssen das endlich verstehen. Ein Gastbeitrag.

          Die amerikanische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton stellt nicht die Pressefreiheit in Frage und droht ihren politischen Gegnern auch nicht mit Gefängnis. Sie ruft nicht dazu auf, den Mitgliedern einer ganzen Religion die Einreise zu verweigern, die Familien von Terroristen zu töten oder andere eklatante Verstöße gegen die Verfassung zu begehen. Senator Marco Rubio aus Florida, der Clintons republikanischem Rivalen Trump inzwischen seine Unterstützung zugesichert hat, sagte zuvor über ihn, er sei eine „unberechenbare Persönlichkeit“, der man die Entscheidung über den Einsatz von Atomwaffen nicht anvertrauen dürfe.

          Was immer man über Clinton denken mag, dass sie aus purer Verärgerung einen Atomschlag gegen ein anderes Land befähle, kann man sich nur schwer vorstellen. Damit reduzieren sich die Argumente für Clinton auf die Wertschätzung jener demokratischen Werte, die zu vertreten von allen gewählten Amtsträgern auf allen Ebenen des politischen Systems erwartet wird. Clinton achtet diese Prinzipien, Trump dagegen nicht. Die Argumente für Clinton bewegen sich jenseits der Ideologien, denn Trumps stärkste Überzeugungen haben nichts mit den üblichen politischen Grundsätzen zu tun, dafür aber alles mit purer Selbstverherrlichung. Am wichtigsten für Trump ist Trump selbst.

          Viele konservative Autoren und Intellektuelle haben das erkannt, weshalb denn auch so viele von ihnen, ebenso wie ehemalige Mitglieder republikanischer Regierungen, Clinton unterstützen, wenn auch oft nur widerwillig. Dennoch weigern sich viele Konservative und Republikaner, die erkannt haben, wie schrecklich Trump ist, darunter auch viele Anhänger der amorphen „#NeverTrump“-Bewegung, die einzige Kandidatin zu unterstützen, die wirklich in der Lage ist, Trump zu schlagen: Hillary Clinton. In der irrigen Annahme, Trump und Clinton seien gleich schlechte Optionen, weigern sich einige konservative Trump-Gegner, zur Wahl zu gehen, oder rufen dazu auf, den Kandidaten einer dritten Partei zu wählen.

          Umfragen

          So sehr einige der „NeverTrump“-Anhänger dies auch leugnen möchten, ist #NeverTrump (wie die daraus hervorgegangene unabhängig-konservative Bewegung Evan McMullins) in Wirklichkeit für Clinton, da die Bewegung Stimmen abzieht, die unter normalen Umständen an den Kandidaten der Republikanischen Partei gingen. Aber letztlich ist eine Haltung nach Art von #NeverTrump, die nicht eingesteht, dass Clinton die bessere Alternative darstellt, nur eine faule Ausrede, und das gilt vor allem für Leute, die im Bereich der Politik arbeiten oder darüber schreiben. Am 8. November wird entweder Clinton oder Trump ins Präsidentenamt gewählt werden, und wer sich auf dem Gebiet der politischen Meinungsbildung betätigt, hat die Aufgabe, den Menschen zu sagen, welche der beiden Möglichkeiten die bessere ist.

          Das manche dies nicht können, beweist nur, wie vergiftet das politische Meinungsklima in unserem Land ist, und zwar so sehr, dass selbst Konservative, die Trumps fehlende Eignung zugeben, sich nicht zu dem Eingeständnis durchzuringen vermögen, dass Clinton immerhin ein wenig besser ist.

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