https://www.faz.net/-gpf-8mdb0

Wahl in Amerika : Trumps Anhänger drohen mit Revolution

  • -Aktualisiert am

Trump-Unterstützer machen auf einer Wahlkampfveranstaltung sehr deutlich, was sie von den Medienvertretern halten. Bild: Reuters

Donald Trump spricht bereits von einer „gestohlenen Wahl“ und warnt vor Betrügereien im großen Stil. Seine aufgepeitschten Anhänger sind begeistert, Wegbegleiter peinlich berührt.

          In dieser Woche bekam der republikanische Vize-Präsidentschaftskandidat Mike Pence die Wut und Sorgen einiger Wähler und Wählerinnen mal wieder so richtig zu spüren. Bei einem Auftritt in Newton im Bundesstaat Iowa etwa meldete sich eine Frau mit goldener Schirmmütze, die sich mit dem Namen Rhonda vorstellte, zu Wort. Sie informiere sich täglich ganz genau im Internet, sagte Rhonda mit bebender Stimme, und „eine Sache, vor der viele von uns Angst haben“ sei „der Wahlbetrug“. Wenn Hillary Clinton es tatsächlich ins Weiße Haus schaffe, so die aufgebrachte Frau, „dann bin ich bereit für eine Revolution“.

          „Hm, ja, nein, sag das nicht“, stotterte der sonst bei öffentlichen Auftritten so souverän wirkende Pence sichtlich unwohl vor sich hin. Und auch mit Rhondas Ankündigung, dass sie und viele Gleichgesinnte am Wahltag allesamt rote Kleidung tragen würden, schien der Gouverneur nichts anzufangen zu können. Dass auf diese Weise viele Wähler der Republikaner am 8. November verhindern wollen, „von den Medien übersehen“ zu werden, um so einer angeblich groß angelegten Wahlmanipulation zuvorzukommen, dürfte Pence zwar mitbekommen haben, aber möglicherweise war es ihm einfach zu peinlich, zu einer solchen Aktion Stellung zu beziehen. Zumal er ganz genau wissen dürfte, dass es sein Wahlkampf-Partner Donald Trump war, der diese zu verantworten hat.

          Verschwörungstheorien zum Thema Wahlbetrug sind das eine, ein Politiker, der selbst Vorwürfe und Gerüchte streut, um Begründungen für seine eigene mögliche Wahlniederlage zu liefern, das andere. Seit Ausbruch des Amerikanischen Bürgerkrieges im 19. Jahrhundert habe das Land bis zu diesem Wahlkampf keinen bedeutenden Präsidentschaftskandidaten mehr erlebt, der den ganzen demokratischen Prozess derart in Frage stellte, sagt der Historiker Douglas Brinkley. „Trump versucht unseren gesamten Staat als korrupt und das ganze System als manipuliert darzustellen“, so Brinkley gegenüber der „New York Times“. Dahinter verberge sich „ein sezessionistischer und revolutionärer Leitgedanke“.

          Trump spaltet die Gesellschaft weiter

          Auch wenn man Trump wohl nicht unbedingt revolutionäre Motive unterstellen muss, sind sich viele Beobachter einig, dass seine zuletzt immer schriller vorgetragenen Warnungen vor angeblichen Wahlfälschungen die amerikanische Demokratie schwer beschädigen könnten. Hatte der republikanische Überraschungskandidat zum Ende der ersten Fernsehdebatte gegen Hillary Clinton noch erklärt, er werde das Wahlergebnis am 8. November auf jeden Fall akzeptieren („Wenn sie gewinnt, werde ich sie unbedingt unterstützen“), hörte sich das nur wenige Tage später, als Trump vor allem wegen Berichten über seine Steuertricksereien unter Druck geriet, bereits ganz anders an: „Wir müssen schauen, was passiert.“

          Umfragen

          Nun, in den Tagen nach der zweiten Fernsehdebatte, in denen Trumps Umfragewerte wegen immer neuer Enthüllungen und Anschuldigungen weiter abstürzen und der Kandidat immer verzweifelter auf parteiinterne Kritiker schimpft, nehmen auch seine Verschwörungsvorwürfe wieder an Fahrt auf. „Ich höre diese Horrorgeschichten und wir müssen sichergehen, dass die Wahl uns nicht gestohlen wird“, sagte Trump am Montag in Pennsylvania und warnte dabei vor einem nahezu ausschließlich weißen Publikum wortwörtlich vor „anderen Gemeinschaften“, auf die es aufzupassen gelte. Gemeint waren vor allem die von afroamerikanischen Wählern dominierten Wahlkreise im Großraum Philadelphia, wo Trump den ganz großen Betrug wittert.

          Weitere Themen

          In Putins Interesse?

          Trump und die Nato : In Putins Interesse?

          Donald Trump soll einen Nato-Austritt der Vereinigten Staaten erwogen und Aufzeichnungen von Gesprächen mit Putin verhindert haben. Kritiker sehen das als Indiz für Nähe zu Russland – aber Trump hat auch andere Gründe.

          Wer kommt überhaupt nach Davos? Video-Seite öffnen

          Trump streicht Reise : Wer kommt überhaupt nach Davos?

          Wegen des Shutdowns hat Trump die geplante Reise des Finanzministers Steven Mnuchin sowie des Außenministers Mike Pompeo zum Weltwirtschaftsforum nach Davos abgesagt. Es werden aber nicht nur die Amerikaner beim Forum fehlen.

          Topmeldungen

          Streitbare Runde: Carolin Roth, Alexander Gauland, Heiko Maas, Maybrit Illner, Ulrike Guérot (v.h.), Wolfgang Sobotka

          TV-Kritik „Maybrit Illner“ : Sorge oder politisches Kalkül?

          Die britische Debatte über den Brexit ist immer noch von Maximalpositionen dominiert. Es stellt sich allerdings die Frage, wie eigentlich die Europäer zur Kompromissbildung beitragen wollen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.