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Wahl in Amerika : Angst vor dem Morgen danach

Darum geht es: Die Zukunft der Vereinigten Staaten von Amerika Bild: Reuters

Wofür werden die Vereinigten Staaten sich nach einem schmutzigen Wahlkampf entscheiden – für die erste Frau als Präsidentin oder den TV-Realitystar? Die Wahllokale sind geöffnet und das Bangen hat begonnen.

          Für die Unermüdlichen, die auch am Montag wieder vor dem Turm ihres Idols in New York ausharrten, war die Sache am Vortag der Wahl klar: Donald Trump wird gewinnen, gegen alle Widerstände, gegen das Establishment und die Schikanen des „Systems“. Und dann, ab Mittwoch, bricht in den Vereinigten Staaten endlich eine neue Zeit an, ein Zeitalter voller Offenheit und ohne political correctness, vor allem aber mit besseren „Deals“ für das Land, die von einem gewieften Geschäftsmann ausgehandelt werden, der klar im Ton und endlich auch hart in der Sache ist.

          Oliver Georgi

          Redakteur in der Politik.

          Etwa zur gleichen Zeit taten ein paar Dutzend Kilometer weiter nördlich ein paar Menschen noch einmal alles dafür, dass Amerika so bleibt, wie es ist – zumindest, was seine grundsätzliche Konstitution angeht. In Chappaqua, dem Wohnort der Clintons, warben ihre Anhänger ein letztes Mal für Stimmen, verteilten Wahlplakate – und übten sich ansonsten ebenfalls im Optimismus: Es werde schon reichen, versicherten sie, am Ende werde sich „das Gute“ durchsetzen. Doch besonders bei den Clinton-Leuten ist die Nervosität trotz dieser Durchhalteparolen mit Händen zu greifen: Was, wenn sich die letzten Umfragen, die die Demokratin landesweit teils mit bis zu sechs Prozentpunkten vor Trump sehen und auch in vielen der wichtigen Swing States, am Ende doch irren? Was, wenn am Dienstag plötzlich diejenigen Trump-Leute, die sich in den Umfragen nicht zu offenbaren wagten, jetzt doch ihr großes Protest-Kreuz bei „Make America Great Again“ machen?

          Es ist eine seltsame Stimmung, mit der die Vereinigten Staaten in diesen Wahltag gehen, nach einem bemerkenswert abstoßenden Wahlkampf, der das Land schon jetzt dramatisch verändert hat. Demokrat oder Republikaner – das bewegte die Amerikaner bei Wahlen schon immer. Doch dieses Mal geht ein Riss quer durch das Land, der breiter scheint als der Grand Canyon, und er verläuft entlang der Gretchenfrage, die allein nach einer monatelangen Schlammschlacht für viele übriggeblieben ist: Bist Du für Trump – oder gegen ihn?

          Wer gegen Trump sei, wer ihn noch verhindern wolle, das versuchten die Wahlkämpfer der Demokraten den Unschlüssigen bis zur letzten Minute einzutrichtern, der muss Hillary Clinton wählen. Doch selbst mancher eingefleischte Demokrat wird an diesem Dienstag in der Wahlkabine hinzufügen: wohl oder übel. So unbeliebt ist die frühere First Lady und Außenministerin selbst bei Wohlmeinenden – wegen ihrer E-Mail-Affäre, ihrer bestens bezahlten Redeauftritte ausgerechnet vor Wall-Street-Bankern, wegen ihres ganzen Werdegangs im Zentrum des Washingtoner Polit-Establishments, der alles Mögliche verheißen mag, nur keinen unverbrauchten Neuanfang.

          Umfragen

          Die Trump-Anhänger versuchten die Unentschlossenen, die diese Wahl womöglich entscheiden, denn auch bis zuletzt davon zu überzeugen, dass eine Clinton im Weißen Haus nur der Wegbereiter für Korruption, Vetternwirtschaft und eine abgehobene politische „Kaste“ sei, die sich vor allem um sich selbst und um das Volk einen feuchten Kehricht schere. „Hillary Clinton ist das Gesicht des Scheiterns“, rief Donald Trump am Montag seinen Anhängern auf einer seiner letzten Wahlveranstaltungen zu und prophezeite, er werde Clinton „fortblasen“.

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