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Wahl in Amerika : Angst vor dem Morgen danach

Dabei fürchten selbst viele Republikaner, unter einem Präsidenten Trump könnte das Land in die Isolation stürzen – einem Mann, der entlang der Grenze zu Mexiko eine Mauer bauen will, um die „bad hombres“ fernzuhalten, der an das transatlantische Bündnis rühren könnte und schon im Wahlkampf  unter Beweis gestellt hat, dass er mitunter eher mit Hormonen denn mit dem Verstand zu re(a)giert.

„Wir haben dieses Mal nur die Wahl zwischen zwei Übeln“: Es ist diese Haltung, die man in Gesprächen mit Amerikanern in diesen Tagen fast am häufigsten hörte und mit denen viele auch in die Wahlkabine gehen dürften. Und viele von ihnen werden sich nicht für einen Kandidaten, sondern nur gegen das größere Übel entscheiden.

Amerika ist polarisiert wie kaum zuvor in seiner jüngeren Geschichte – und viele Amerikaner haben an diesem Wahltag große Sorgen, dass die Polarisierung nach der Wahl eher noch zunehmen könnte. So mancher, der am Montagabend in den Kneipen rund um den Times Square in New York saß und die Hubschrauber hörte, die immer wieder laut über der Stadt kreisten, fühlte schon seine schlimmsten Befürchtungen bestätigt. Eine Terrorwarnung sei der Grund, raunten einige, weshalb die Stadt am Dienstag von Tausenden Polizisten gleichsam abgeriegelt ist. Noch mehr als den Terror dürften manche aber fürchten, dass einige Trump-Anhänger ihre Drohungen sich gegen eine Präsidentin Clinton zur Wehr zu setzen, wahr machen könnten – und das auch körperlich.

Sie bedauere zutiefst, wie wütend und unversöhnlich der Tonfall im Wahlkampf geworden sei, sagte Hillary Clinton am Montagabend bei einer Wahlkampfveranstaltung vor rund 20.000 Anhängern in Philadelphia. Donald Trump habe „viele schlimme Dinge“ gesagt über Frauen, Muslime, Latinos und Afroamerikaner. Das Beängstigendste sei jedoch Trumps Warnung gewesen, dass er das Ergebnis der Wahl vielleicht nicht akzeptieren werde. „Lasst uns morgen zeigen, dass es keine Zweifel mehr am Ausgang der Wahl gibt“, rief Clinton ihren Anhängern zu – doch die Befürchtungen einiger, dass es selbst bei einem eindeutigen Ergebnis noch Verwerfungen geben könnte, konnte das kaum zerstreuen.

Vor ein paar Tagen besuchte der amerikanische Aktivist, CNN-Kolumnist und frühere umweltpolitischen Berater von Barack Obama, Van Jones, in der Bürgerkriegsstadt Gettysburg eine Familie von Trump-Anhängern. Er wollte mit ihnen reden, um ihre Argumente zu verstehen, ihre Ängste, ihre Wut auf Washington. Es war ein gutes Gespräch, auch wenn beide Seiten nicht zueinanderkamen, aber immerhin redeten sie miteinander. Denn das, sagte Van Jones am Ende, sei doch gerade das, was im Moment in Amerika geschehe: Die Menschen redeten nicht mehr miteinander, sondern fielen nur noch über die Gegenseite her. Er habe Angst, sagte Van Jones dann an einem der wichtigsten Schauplätze des amerikanischen Bürgerkriegs. Angst, dass ein neuer Bürgerkrieg bevorstehe. Schließlich antwortete ihm ein Mann aus der Familie. Er kenne Menschen, die sich mit Waffengewalt gegen Hillary Clinton als Präsidentin wehren wollten, sagte er. „Wenn sie gewählt wird, dann könnte es wirklich einen Bürgerkrieg geben.“

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