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Vorwahlkampf der Demokraten : Veteran Pete

  • -Aktualisiert am

Veteran, dafür unerfahren: Pete Buttigieg will Präsidentschaftskandidat der Demokraten werden. Bild: AFP

Anders als alle anderen aussichtsreichen Präsidentschaftsbewerber der Demokraten hat Pete Buttigieg im Militär gedient. Im Wahlkampf versucht er, dieses Alleinstellungsmerkmal zu nutzen.

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          Sind ehemalige Soldaten die besseren Präsidenten? „Nicht unbedingt, aber man lernt im Krieg schon sehr schnell, was wichtig im Leben ist“, sagt Donald Lanoue, ein ruhiger Mann mit einem großen grauen Schnurrbart im Gesicht. Als Veteran wisse er genau, wovon er rede. Auf der blauen Kappe über seiner Stirn steht, in welchem Land er selbst einmal kämpfen musste: Vietnam.

          Eine der wichtigsten Aufgaben eines amerikanischen Präsidenten, dem auch die Befehls- und Kommandogewalt über die Streitkräfte obliegt, führt Donald Lanoue fort, sei „genau abzuwägen, ob man andere Menschen überhaupt in einen Krieg schicken“ müsse. „Und ja, die Menschen, die selbst schon einmal Soldat waren, dürften diese so wichtige Abwägung gewissenhafter vornehmen als andere.“ Deswegen habe er großes Vertrauen in Pete Buttigieg, den 38 Jahre alten Präsidentschaftsbewerber der Demokraten. Buttigieg ist Afghanistan-Veteran.

          Viele frühere Soldaten sind an diesem Tag trotz Schneetreibens und rutschiger Straßen ins Städtchen Merrimack gekommen, um den Mann reden zu hören, der nach seinem Auftakterfolg in Iowa hier in dem kleinen Bundesstaat New Hampshire für die nächste Vorwahl-Überraschung sorgen will. Der Raum im Obergeschoss des kleinen Gebäudes der „American Legion“, einer Wohltätigkeitsorganisation, die sich in den Vereinigten Staaten für die Interessen von Veteranen einsetzt, ist gut gefüllt.

          „Die wollten nur wissen, ob ich meinen Job gut mache“

          „Danke, dass ihr hier seid und danke für euren Dienst“, ruft Pete Buttigieg in Richtung seines Publikums, das ihn mit Schildern begrüßt, auf denen „Veteranen für Pete“ geschrieben steht. Dann folgt der bemerkenswerte Versuch eines Politikers, die Erfahrungen eines sieben Monate dauernden Auslandseinsatzes bestmöglich als Argument für die eigene Präsidentschaftskandidatur zu nutzen. Neben der inzwischen weitgehend chancenlosen Tulsi Gabbard ist Buttigieg der einzig verbliebene Bewerber im Feld der Demokraten, der in der Armee gedient hat.

          Buttigieg im Afghanistaneinsatz – herausgegeben von seinem Wahlkampfteam

          „Als ich in Kabul mit meinen Kameraden ins Fahrzeug gestiegen bin, haben die sich nicht im Geringsten dafür interessiert, ob ich Republikaner oder Demokrat bin oder ob zuhause eine Freundin oder ein Freund auf mich wartet. Es war ihnen auch völlig egal, aus welchem Land mein Vater nach Amerika emigriert ist oder ob der bei seiner Einreise die richtigen Papiere vorgelegt hat. Die wollten nur wissen, ob ich meinen Job gut mache, damit uns nichts passiert. Genauso habe ich auch immer auf meine Kameraden geblickt.“

          Gleich zwei Erkenntnisse, die Buttigieg für seine Eignung als Präsident als entscheidend erachtet, stecken in dieser Erzählung. So komme es nicht darauf an, in was für eine Schublade man von anderen gesteckt werde. Das Wichtige sei vielmehr, dass sich die Menschen, für die man arbeitet, auf einen verlassen können. Das ist die eine Botschaft.

          Die andere ist, dass man, wenn man amerikanischer Präsident werden will, auf Amerikaner aus allen Schichten zugehen müsse. „Wir haben gelernt, uns gegenseitig zu vertrauen“, sagt Buttigieg mit Blick auf sich und seine Kameraden, „obwohl wir alle ganz unterschiedliche Hintergründe hatten“. Damit meine er nicht nur Einkommensunterschiede, verschiedene geographische Herkunft oder ethnische Zugehörigkeit, sondern „vor allem unterschiedliche politische Ansichten“.

          Mit Heldengeschichten gab Buttigieg nie an

          In der gespaltenen amerikanischen Gesellschaft, „in der alle in ihren kleinen Blasen leben, mit ihren eigenen Informationsquellen, ihren eigenen Medien“, sei es daher umso entscheidender „endlich zusammenzukommen“ und sich wieder besser zu verstehen. Das habe er als Soldat gelernt. „Jeder, der gedient hat, weiß: Die Flagge der Vereinigten Staaten und die Liebe für unser Land gehören keiner politischen Partei.“

          Solche Sätze mögen pathetisch klingen, und es gibt durchaus zahlreiche Beobachter, die Buttigieg eine übertriebene Inszenierung seiner militärischen Vergangenheit vorwerfen. Aber immerhin habe er, das erkennen sogar Kritiker an, nie irgendwelche Heldengeschichten verbreitet oder einen Hehl daraus gemacht, dass er in Afghanistan weder selbst geschossen hat, noch direkt unter Feuer geraten ist.

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