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Vorwahlen in Amerika : Trump zieht Nato-Beistand in Zweifel

  • Aktualisiert am

Donald Trump ist zufrieden mit sich. Bild: dpa

Donald Trump bricht mit einer republikanischen Tradition: Nato-Partnern will er nur beistehen, wenn sie vorher einen ihm genügenden Beitrag zum Verteidigungsbündnis geleistet haben.

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          Donald Trump hat die Beistandsklausel der Nato in Zweifel gezogen. In einem Interview mit der „New York Times“ sagte der republikanische Präsidentschaftskandidat, dass er bei einem Angriff auf eines der Mitgliedsländer nicht automatisch zu dessen Hilfe eilen werde, sondern sich zuerst den Beitrag des Landes zu dem Verteidigungsbündnis anschauen wolle. Laut Nato-Vertrag sind die Mitgliedstaaten im Fall eines bewaffneten Angriffs gegen einen oder mehreren von ihnen zu gegenseitigem Beistand verpflichtet.

          Trump hatte schon in der Vergangenheit gesagt, dass er als Präsident darauf dringen werde, dass die anderen Länder einen höheren Beitrag leisten sollen. Nun sagte er, er würde bisherige Abmachungen gerne weiterführen, sei aber bereit, sofort auszusteigen, wenn sie auf Kosten Amerikas gingen. Die Vereinigten Staaten könnten sich das nicht länger leisten, so Trump. Er erkannte an, dass er damit mit einer Tradition der republikanischen Partei bricht, die seit dem Zweiten Weltkrieg ihre Rolle in der Welt als Garant des Friedens gesehen hat. Im Gegensatz dazu, will der Immobilienmogul amerikanische Truppen aus aller Welt abziehen. Eine vorgeschobene Position der Truppen sei nicht notwendig, auch nicht zur Verteidigung gegen mögliche Raketenangriffe aus Nordkorea. „Falls wir entscheiden, dass wir die Vereinigten Staaten verteidigen müssen, können wir unsere Truppen immer aus dem Heimatland entsenden“, so Trump. Das Gespräch machte deutlich, dass Trump sämtliche politischen Handlungen immer unter dem Gesichtspunkt der Wirtschaftlichkeit betrachtet. Die Stationierung von amerikanischen Truppen im Ausland sei viel zu teuer, sagte er der Zeitung.

          Mit seinen Äußerungen sagt Trump auch etwas anderes als Mike Pence, sein Kandidat für den Posten der Vizepräsidentschaft. Der hatte in seiner Rede auf dem Parteitag in Cleveland hervorgehoben, dass Amerika seine Alliierten und Freunde nicht im Stich lassen werde. Die Zeit der „Führung aus dem Hintergrund“, wie sie Barack Obama und Hillary Clinton praktiziert haben, sei vorbei. Amerika müsse „stark sein, damit die Welt sicher ist“, und Donald Trump werde mit Stärke führen. „Donald Trump wird unser Militär wieder aufbauen und unsere Alliierten unterstützen“, so Pence in seiner Rede. Trumps Kampagnenmanager Paul Manafort sagte laut CNN, das Blatt habe Trump falsch zitiert.

          Vizepräsidentschaftskandidat Mike Pence verlässt mit seiner Familie nach seiner Rede die Bühne in der Quicken Loans Arena in Cleveland. Bilderstrecke

          Außerdem brach Trump in dem Gespräch auch mit einer anderen Tradition der republikanischen Partei, die das eigene Land im Gegensatz zum Rest der Welt immer als überlegen eingestuft hat. Trump hingegen sagt, Amerika habe nicht das Recht, andere Staaten „zu belehren“. Man müsse sich nur anschauen, was im eigenen Land passiere. „Wie können wir andere belehren, wenn Polizisten kaltblütig erschossen werden?“ Deshalb fände er es falsch, zum Beispiel den türkischen Präsidenten Erdogan zur Einhaltung von Recht und Ordnung aufzurufen. „Wenn die Welt sieht, wie schlimm es in den Vereinigten Staaten zugeht und wir anfangen über bürgerliche Freiheiten zu reden, glaube ich nicht, dass wir ein besonders gutes Vorbild sind“, so Trump. Im Gegenteil lobt er den türkischen Präsidenten. „Ich halte ihm zugute, dass er das wieder unter Kontrolle bekommen hat“, zitiert die Zeitung Trump.

          Wie die Zeitung schreibt, ist das Argument der Lage in Amerika nicht neu. Es werde immer wieder von Autokraten herangezogen, die amerikanische Kritik am Vorgehen in ihren Ländern damit zurückweisen.

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