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Vorwahlkampf der Republikaner : #NeverTrump: Die große Zerreißprobe

  • -Aktualisiert am

„Ich beherrsche das Spiel besser“ - Donald Trump zeigt sich vor einigen Tagen auf CNN siegessicher. Den Republikanern droht jedoch eine Zerreißprobe. Bild: dpa

Chaos bei den Republikanern: Sollte Donald Trump Präsidentschaftskandidat werden, wollen ihm Teile der Partei die Gefolgschaft verweigern. Der Milliardär reagiert wütend – und twittert ein Mussolini-Zitat.

          „Besser einen Tag als Löwe leben als hundert Jahre als Schaf“. Was genau sich Donald Trump  gedacht hat, als er diesen Satz von seinem offiziellen Twitter-Account absetzte, ist nicht bekannt. Glaubt man seinen Ausführungen wenig später im Fernsehen, dann habe er das Zitat des italienischen Diktators Benito Mussolini einfach „interessant“ gefunden.

          „Schau, Mussolini war Mussolini, ist doch ok“, so der republikanische Präsidentschaftsbewerber etwas fahrig in der Sendung „Meet the Press“. Ob er denn mit einem Faschisten in Verbindung gebracht werden wolle, fragte Moderator Chuck Todd. „Nein“, so Trumps gereizte Antwort. „Ich möchte mit interessanten Zitaten in Verbindung gebracht werden“. Aha.

          Man könnte das ganze als unglückliche Aktion eines unter großem medialem Druck stehenden Polit-Neulings abtun, aber der Aufruhr um Trumps Mussolini-Retweet ereignete sich ausgerechnet am selben Tag, an dem der umstrittene Milliardär, der bisher drei von vier Vorwahlen der Republikaner gewonnen hat, nicht willens war, sich entschieden genug von einem amerikanischen Rassisten und Antisemiten zu distanzieren.

          Trump und der KKK

          David Duke, einst führendes Mitglied des rassistischen Geheimbundes „Ku Klux Klan", hatte erklärt, dass jeder Amerikaner, der gegen Donald Trump stimmt, das nationale Erbe verraten würde. Im einem CNN-Interview darauf angesprochen, wäre es für Trump ein Leichtes gewesen zu sagen, dass er mit Leuten wie Duke nichts zu tun haben wolle. Aber er sagte es nicht, sondern flüchtete sich in die wenig glaubhafte Feststellung, er wisse gar nicht genau wer Duke bzw. was der Ku Klux Klan sei.

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          Ob es nun Geschichtsvergessenheit, Ignoranz oder eine kalkulierte Aktion war, um weiße Rassisten nicht als Wähler zu verlieren: Viele Republikaner reagierten geschockt. Der Kongressabgeordnete Pete T. King bezeichnete Trumps Worte als „unhaltbar“. Wenn Trump den Ku Klux Klan tatsächlich nicht kenne, sei er „wirklich dumm“. Wenn er gelogen habe, sei es „beschämend“. In jedem Fall, so King, sollte so ein Mann nicht für das Amt des Präsidenten kandidieren und die Vereinigten Staaten führen.

          Fest steht: Seitdem Trump, der als Präsident unter anderem eine Mauer zu Mexiko bauen und Moslems vorübergehend nicht in die Vereinigten Staaten einreisen lassen will, auf dem Vormarsch ist, brodelt es bei den Republikanern. Während viele registrierte Anhänger, die wütend auf Washington und ihre Parteispitze sind, den polarisierenden Immobilienmagnaten aus voller Überzeugung wählen, tut sich das republikanische Establishment, aber auch der gemäßigte Teil der republikanischen Basis schwer damit, den unberechenbaren Newcomer aus New York zu akzeptieren. „Wer als Republikaner für Trump stimmt, kauft sich ein Ticket für die Titanic“, so Lindsey Graham, Senator aus South Carolina.

          Zerreißprobe für die Republikaner

          Sollte Trump am morgigen „Super Tuesday“ die von Meinungsforschern vorausgesagten Siege erzielen und seine Präsidentschaftskandidatur damit noch wahrscheinlicher werden, droht der altehrwürdigen Partei eine Spaltung, mindestens aber eine große Zerreißprobe. Es dürfte zahlreiche Republikaner geben, die sich Denkern wie dem Vorzeige-Neokonservativen Robert Kagan anschließen werden. Der hatte zuletzt öffentlich angekündigt, im Falle einer Trump-Kandidatur für die Demokratin Hillary Clinton zu stimmen: „Die Partei kann nicht mehr gerettet werden, das Land schon.“

          Im Internet formieren sich Trump-Gegner schon länger unter #NeverTrump, am Wochenende explodierte der Hashtag förmlich. Was zunächst als Sammelbecken für linksliberale Trump-Gegner begann, zieht inzwischen auch immer mehr Konservative an. Hier tauschen sie sich über die Gründe aus, warum man auf keinen Fall einen Kandidaten Trump akzeptieren könne. Prominentester Hashtag-Nutzer ist Trump-Rivale Marco Rubio: „Donald Trump wird niemals der Kandidat in der Partei von Lincoln und Reagan“, so der Senator aus Florida.

          „Ich beherrsche das Spiel viel besser“

          Trumps wütende Reaktion auf alle Gegner in den Reihen der Republikaner: „Wenn sie das Spiel spielen wollen, sollen sie. Ich beherrsche das Spiel aber viel besser als sie.“ Obwohl er bekanntlich mit dem Republikanischen Nationalkomitee eine Loyalitätsvereinbarung geschlossen hat, schließt Trump damit offenbar weiterhin eine parteilose Präsidentschaftskandidatur nicht aus, sollte er nicht in seinem Sinne behandelt werden.

          Mit einem solchen Schritt hätte er das Establishment der Republikaner dann vollends in den Wahnsinn getrieben.

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