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Vorwahlen der Demokraten : Biden-Triumph in Krisenzeiten

Der demokratische Präsidentschaftsbewerber Joe Biden Bild: AFP

Bernie Sanders strauchelt, Joe Biden siegt. Vor allem in Michigan feiert der frühere Vizepräsident einen wichtigen Erfolg. Seine Siegesparty wird aus Angst vor dem Coronavirus abgesagt.

  • -Aktualisiert am
          5 Min.

          Es sind Auftritte, auf die Politiker ungern verzichten. Man steht vor jubelnden Anhängern auf der Bühne, hält eine kraftvolle Rede und versucht die eigene Basis mit der richtigen Mischung aus Worten und Gesten bereits auf die nächste Wahl einzustimmen. Joe Biden wollte sich am Ende dieses für ihn äußerst erfolgreich verlaufenden Wahltages eigentlich in Cleveland im Bundesstaat Ohio, wo kommende Woche abgestimmt wird, feiern lassen. Dann machte ihm das auch in den Vereinigten Staaten grassierende Coronavirus einen Strich durch die Rechnung. Auf Anraten des Gouverneurs von Ohio habe man sich entschieden, die Veranstaltung abzusagen.

          „Später in dieser Woche werde ich euch sagen, was die Nation meiner Meinung nach tun soll, um dieses Virus zu bekämpfen“, sagt der frühere Vizepräsident in Philadelphia, wo er sich in der Nähe seiner nationalen Wahlkampfzentrale um kurz vor elf Uhr Ortszeit schließlich doch noch zu Wort meldet. An diesem Abend wolle er aber vor allem über seinen Wahlkampf reden. „Diese Kampagne hebt jetzt ab und wir werden weiter sehr erfolgreich sein.“ Biden spricht mit ruhiger Stimme. Viele Beobachter werden den Auftritt später als „präsidial“ bezeichnen.

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          Der Abend beginnt für Biden mit zwei Erfolgsmeldungen. Sowohl in Mississippi als auch in Missouri ist sofort nach Schließung der Wahllokale klar, dass er in beiden Staaten ungefährdete Wahlsiege erzielen wird. In Missouri ist der Vorsprung auf Konkurrent Bernie Sanders mit mehr als 25 Prozentpunkten deutlich, in Mississippi, wo besonders viele Afroamerikaner, Bidens treueste Unterstützergruppe, abstimmen, mit mehr als 65 Prozent Abstand sogar überwältigend. Der Abstand zwischen den Bewerbern ist wichtig ist, da bei den Demokraten die meisten Delegierten proportional zum Wahlergebnis vergeben werden. Wer in einem Staat einen größeren Anteil der Wählerschaft holt, bekommt entsprechend mehr Delegierte zugewiesen. Deren Mehrheit wiederum entscheidet dann im Sommer auf dem Nominierungsparteitag über die Präsidentschaftskandidatur der Partei.

          Der Sieg mit der größten Bedeutung

          Dann kommt Michigan. Der dritte Bundesstaat an diesem Abend, der mit dem Buchstaben M beginnt, ist für Biden der Sieg mit der bei weitem größten Bedeutung. Nicht nur werden in dem bevölkerungsreichen Bundesstaat im Norden des Landes mit 125 die meisten Delegiertenstimmen des Tages vergeben. Der Erfolg in Michigan, wo Biden mehr als die Hälfte der Wählerstimmen holt, ist auch abseits der bloßen Zahlen ein wichtiges Ausrufezeichen. Bei der Vorwahl 2016 hatte Bernie Sanders hier noch überraschend gegen Hillary Clinton gewonnen. Dabei hatte er vor allem die Bevölkerungsgruppe der weißen Männer ohne Hochschulabschluss von sich überzeugen können – genau die Menschen also, die bei der Präsidentschaftswahl später überwiegend Donald Trump ihre Stimme gaben und dafür sorgten, dass Trump den Demokraten Michigan abjagen und schließlich ins Weiße Haus einziehen konnte.

          Dass Biden im Arbeiterstaat Michigan über Sanders triumphiert, wird im Lager des früheren Vizepräsidenten nicht nur als Beleg dafür gesehen, dass man im innerparteilichen Wettstreit die besseren Botschaften habe. Nein, auch in einem Präsidentschaftsduell gegen Trump hätte man gute Karten. „Wir sind unserem Ziel, im Weißen Haus Anstand, Würde und Ehre wiederherzustellen, einen Schritt näher gekommen,“ sagt Biden.

          So gelöst und souverän wie an diesem Abend hatte er zuletzt nicht immer gewirkt. Bei einem hitzigen Streit über seine Waffenbesitz-Pläne war er noch am Dienstagmorgen einer Gruppe potentieller Wähler gegenüber ausfällig geworden. Videos der Szene, in der Biden einen Mann regelrecht anschreit, hatten sich im Internet schnell verbreitet. Die emotionale Achterbahnfahrt rund um seine Kampagne ist offenbar auch am Präsidentschaftsbewerber selbst nicht spurlos vorübergegangen.

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