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Vorwahlen der Demokraten : Die texanischen Hoffnungen der Moderaten

  • -Aktualisiert am

Joe Biden und Pete Buttigieg am Montag in Dallas Bild: Reuters

Am „Super Tuesday“ hoffen die moderaten Demokraten, den Siegeszug des Linken Bernie Sanders zu stoppen. In den texanischen Vorstädten könnten sie dafür die wichtigen Stimmen sammeln.

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          „Wenn die Demokraten einen Demokraten wollen, müssen sie einen Demokraten wählen, einen lebenslangen Demokraten, einen stolzen Demokraten, einen Obama-Biden-Demokraten“, ruft der ehemalige Vizepräsident Joe Biden seinen Anhängern zu. Er ist nach Houston in die Texas Southern University (TSU) gekommen, eine der bedeutendsten historisch schwarzen Hochschulen. Biden hat nach der Vorwahl in South Carolina und dem Ausscheiden von Amy Klobuchar und Pete Buttigieg wieder Rückenwind. Hier in Texas sind 228 Delegierte zu vergeben, mehr steht nur in Kalifornien auf dem Spiel. „Sie haben unsere Kampagne schon für tot erklärt, aber ich bin sehr lebendig“, ruft Biden unter dem Jubel der Zuschauer.

          Larry Bratton ist unter den Applaudierenden. Er war eigentlich für „Mayor Pete“, doch nun ist er hierher gekommen, um sich hinter Biden zu stellen. Der könne seine Versprechen auch umsetzen, Dinge erledigt bekommen, das Land einen. Die anderen Kandidaten seien in ihren Vorschlägen oft zu radikal, findet Bratton. Als weißer Rentner gehört er zu einer Gruppe, auf die sich besonders moderate Demokraten verlassen können. Doch an diesem Nachmittag drängen sich alle, um mit Biden ein Selfie zu machen: Schwarze, Weiße, Latinos und Asiaten, Jung und Alt.

          Houston, die mit knapp 2,3 Millionen Einwohnern viertgrößte Stadt des Landes, ist eine Hochburg der Demokraten – eine „blaue“ Stadt in einem „roten“ Staat, sagen sie hier. Je weiter man in Texas aus der Stadt herausfährt, desto mehr Republikaner trifft man. Dennoch setzen die Demokraten ihre Hoffnung auf einen Wandel in den Vorstädten und vielleicht sogar draußen auf dem Lande. Die „Suburbs“ müsse man von Trump zurück erobern, gemäßigte oder unentschlossene Wähler überzeugen, sagen viele Parteistrategen.

          Politikwissenschaftler James Henson begegnet dem mit Skepsis. Er erforscht an der University of Texas das Wahlverhalten der Menschen im „Lone Star State“. Henson führt zusammen mit der Zeitung „Texas Tribune“ auch Umfragen durch. Die demokratische Partei sieht er immer noch in der Defensive, trotz der Gewinne auf lokaler Ebene in der letzten Zeit und trotz der beinahe siegreichen Kampagne des ehemaligen Kongressabgeordneten Beto O'Rourke gegen Senator Ted Cruz im vorletzten Jahr. Die Partei, die seit Jahrzehnten keine bundesstaatlichen Regierungsposten erobert habe, verfüge immer noch nicht über die Ressourcen, die für einen Durchbruch auf breiter Fläche erforderlich seien. Das Geld sitze in der Energiebranche, in Öl und Gas und im Produktionssektor, und da seien die Leute traditionell konservativ, erklärt Henson. Donald Trump gewann hier 2016 mit 52,6 Prozent – Hillary Clintons Hochburgen lagen besonders in den Städten.

          Die konservativen Republikaner in Texas sind gegen strengere Umweltschutzauflagen für die Industrien, die sie reich gemacht haben, sie kämpfen in Washington für niedrige Steuern und weniger Regulierungen. In ihrem Bundesstaat verfolgen sie eine Politik, die laut ihren Kritikern die öffentlichen Schulen finanziell ausblute, christlichen Extremismus fördere und Migranten das Leben schwer mache. Dass Harris County, der demokratische Kreis um Houston, im vorletzten Jahr neunzehn afroamerikanische Frauen in Richterinnenämter wählte, war eine nationale Nachricht. Da wäre es schon eine Sensation, wenn die texanische Kongress-Delegation demokratischer würde oder man einen Senator ablösen könnte – geschweige denn, wenn der Bundesstaat bei der Präsidentschaftswahl im November „blau“ wählte.

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