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Vorwahlen in Iowa : Mit Gott für Trump

Im Auftrag des Herrn: Kraig Moss vor dem Trump-Truck von Julian Raven Bild: Ross

Wie immer vor der Wahl eines neuen amerikanischen Präsidenten richten sich alle Blicke nach Iowa. Hier fangen alle Kandidaten ganz unten an.

          Marlin Bontrager hastet durch den Stall, um seinem Sohn Joshua beim Melken zu helfen. Mit Papiertüchern reibt er die Euter der Kühe ab. „Meine Tage sind jetzt dreigeteilt“, sagt er: „Die Farm, die Mission und die Kampagne.“ Die Farm, das sind vier Dutzend Holstein-Kühe, zwei Ställe voller Mastferkel und zweihundert Hektar Mais unter einer dünnen Schneeschicht im Osten Iowas. Die Mission, das sind monatelange Konzerttourneen, auf denen der baptistische Bauer, seine Frau Becky und seine Kinder Chelsy, Mitchell, Allison, Carson, Joshua, Denver, Taylor, Elizabeth, Hudson und Rebecca von Gott singen. Die Kampagne, das ist der Wahlkampf des Republikaners Ted Cruz. „Ich bin jetzt 48 Jahre alt“, sagt Marlin Bontrager, „aber ich habe noch nie einen Kandidaten für das Weiße Haus erlebt, der meine Werte vertritt wie Cruz.“

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

          Vor dem Melken ist der 18 Jahre alte Joshua wieder einmal von Hof zu Hof gefahren und hat die Nachbarn aufgefordert, am Montagabend in der Parteiversammlung ihres Bezirks für Cruz zu stimmen. Seine Brüder Mitchell und Denver sitzen seit Stunden unter einem ausgestopften Hirsch im Arbeitszimmer und rufen fremde Leute in ganz Iowa an. Die Nummern gibt ihnen eine App der Cruz-Kampagne vor. Vater Marlin spinnt derweil ein nationales Netz. Er hat die Gruppe „Homeschoolers for Cruz“ mitbegründet. Keines seiner Kinder hat je eine Schule besucht. Und auf ihren Tourneen haben die „Bontrager Family Singers“ Tausende Familien kennengelernt, die sich ebenfalls für Hausunterricht entschieden haben. Mit ihnen treten sie nun in Kontakt.

          Die ersten Entscheidungen fallen

          Wenn die Bontragers in einem ihrer Riesentraktoren oder in dem 14 Meter langen Tourbus den Hof verlassen, müssen sie Acht geben. Auf den Schotterstraßen sind Amische mit schmalen, schwarzen Pferdekutschen unterwegs. Seit 170 Jahren sind die strenggläubigen Reformierten in der Gegend heimisch. Washington und sein Hauptstadt-Zirkus scheinen hier weit, weit weg. Doch zu Beginn jedes Wahljahres verwandelt sich Iowa mit seinen zwanzig Millionen Schweinen, drei Millionen Menschen und zwei Millionen registrierten Wählern in das wichtigste Aufmarschgebiet der amerikanischen Politik.

          Wenn am Montagabend die ersten Entscheidungen im Vorwahlkampf fallen, dann wird der Republikaner Cruz in dem Staat bereits 150 Auftritte absolviert haben. Die Demokratin Hillary Clinton wird in mehr als hundert Privathäusern, Turnhallen oder Pizzerien von Iowa Hände geschüttelt und Selfies geknipst haben, ihr Rivale Bernie Sanders sogar fast hundertsechzigmal. Noch wichtiger ist nur das Heer von Freiwilligen. Ist es in allen 99 Landkreisen strategisch aufgestellt? Kann es in jedem der 1681 Stimmbezirke dafür bürgen, dass die richtigen Leute am Montagabend zum „Caucus“ gehen, wo die Stimmen abgegeben und gezählt werden?

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