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Vorwahlen in Iowa : Mit Gott für Trump

Die Farm, die Mission, die Kampagne: Mitchell (links) und Denver Bontrager sammeln Stimmen für Cruz.

Eindringlich ermahnt die frühere Anwältin alle Gäste, dass es beim Caucus auf jede einzelne Stimme ankomme. Die Leute im Saal erzählen einander, wie oft sie Hillary Clinton oder ihrem Mann Bill schon die Hand geschüttelt haben. In Iowa kennt man die politische Prominenz eben aus der Nähe. Diesmal ist aber die Kandidatin nicht selbst da. Vier demokratische Senatorinnen sind aus Washington gekommen und verbreiten Frauenpower. Damit stehen in der kleinen Bücherei jetzt immerhin ein Fünftel aller amtierenden Senatorinnen, und neun Prozent aller Senatorinnen der amerikanischen Geschichte. „Jede von uns ist die erste Frau, die ihren Staat je im Senat vertritt“, sagt Tammy Baldwin aus Wisconsin. „Und dazu wäre es vielleicht nie gekommen, wenn nicht vor langer Zeit eine First Lady nach Peking gefahren wäre und verkündet hätte, dass Frauenrechte Menschenrechte sind!“ Hillary Clinton hatte das 1995 vor der UN-Frauenkonferenz gesagt.

Claire McCaskill aus Missouri blickt durch die Reihen und erzählt: „Meine Mutter nahm mich früher in genau solche Versammlungen mit, und ich fragte sie: ,Warum wird nie eine Frau Präsidentin?‘ Meine Mutter antwortete: ,Eines Tages, wenn eine Kandidatin schon Erfahrung als First Lady, Senatorin und Außenministerin gesammelt hat, dann wird es soweit sein.‘“

Mazie Hirono, die Hawaii im Senat vertritt und in Iowa schrecklich friert, zählt zur Parteilinken. Sie gibt gleich zu, dass ihr der erklärte Sozialist Bernie Sanders oft aus dem Herzen spreche. „Aber jetzt ist es Zeit für eine Frau!“ Im Lädchen gegenüber habe sie eben einen kleinen Hammer aus Glas gekauft, sagt die fröstelnde Senatorin. Sie spielt auf den berühmten Satz an, mit dem sich Clinton 2008 Obama geschlagen gab: „Auch wenn wir diesmal die höchste gläserne Decke nicht zertrümmern konnten, so hat sie jetzt doch rund 18 Millionen Risse bekommen.“

Unentschlossene Wahlberechtigte

Im Wahlkampf hatte Clinton damals stets beteuert, dass sie sich nicht „als Frau“ bewerbe. Diesmal ist das anders. Clinton bezeichnet sich als Feministin und tritt mit dem Chef des größten Abtreibungsanbieters „Planned Parenthood“ auf. Auch das kommt in Iowa gut an - jedenfalls in Orten wie Mount Vernon. „Gerade wir Babyboomer“, sagt Liz Sparks, „haben uns lange gesehnt, für eine so erfahrene Frau stimmen zu können.“

Auch die meisten Männer in der Bücherei sehen das so. „Nur muss einer der Kollegin aus Hawaii sagen“, lästert einer, „dass man einer gläsernen Decke am besten nicht mit einem gläsernen Hammer zu Leibe rückt.“ Liz Sparks will etwas erwidern, aber da sieht sie im Augenwinkel, wie ein anderer Gast den Raum verlässt. Mit beherztem Griff packt sie ihn am Arm. „Kann ich mich jetzt auf dich und Judy verlassen?“, fragt sie ohne Umschweife. „Auf Judy ja“, sagt der Mann und deutet auf seine Frau, „aber ich schwanke noch zwischen Hillary und Bernie.“

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