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Vorwahlen in New Hampshire : Wie 2016 – nur schlimmer

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Perfekt einstudierte Gesten: Buttigieg während einer Wahlkampfveranstaltung in Salem Bild: Reuters

Die Vorwahl in New Hampshire ist quasi ein Heimspiel für Bernie Sanders. Doch kann Pete Buttigieg sich als moderate Alternative zu dem Linken etablieren? Amerikas Demokraten sind nervös.

          6 Min.

          Auf diese Vorlage hat Pete Buttigieg gewartet. Er steht auf der Bühne der Elm Street Middle School in Nashua, hat seine perfekt einstudierte Rede mit den perfekt einstudierten Gesten vorgetragen. Er hat an den richtigen Stellen Kunstpausen eingelegt und immer wieder seine Krawatte über dem weißen Hemd zurechtgerückt. Alles sitzt. Nach seinem Erfolg bei der Vorwahl der Demokraten in Iowa ist der Jungstar am Sonntagmorgen in dem sonnigen, verschneiten Ort im südlichen New Hampshire nun dabei, Fragen zu beantworten. Und jene nach den Milliardären, die seine Kampagne unterstützten, kommt ihm gerade recht.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          „Sind irgendwelche Milliardäre unter uns?“, fragt Buttigieg ironisch. Die Menge in der Sporthalle lacht. Dann meldet sich einer, aber das soll wohl eher ein Scherz sein. Er habe nichts dagegen, Milliardären zu erklären, warum sie stärker zur Verantwortung gezogen werden müssten, sagt der 38 Jahre alte Präsidentschaftsbewerber. Und wenn diese dann trotzdem für ihn spendeten, dann habe er auch nichts dagegen. Applaus. Buttigieg fügt noch die Botschaft hinzu, dass im Durchschnitt vierzig Dollar für ihn gespendet würden. So kontert er eine Attacke Bernie Sanders’. Kurz zuvor war er noch deutlicher geworden. In einem Interview im Frühstücksfernsehen hatte er über seinen linken Konkurrenten gesagt: „Bernie ist ziemlich reich.“ Spenden des erfolgreichen Buchautors würde er trotzdem annehmen. Von allen Präsidentschaftsbewerbern im Hauptfeld der Demokraten sei er der einzige, der kein Millionär sei.

          Die Bewerber krempeln die Ärmel hoch

          Kurz vor der Vorwahl in New Hampshire am Dienstag krempeln die Bewerber im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur ihre Ärmel hoch. Der parteiinterne Wahlkampf wird härter. Sanders, der selbsterklärte Sozialist, hatte Buttigieg tags zuvor den „Liebling der Milliardäre“ genannt. In einem Gewerkschaftshaus in Concord war er vor Anhängern aufgetreten und hatte seine eigene Kampagne – gemessen an der Zahl der Einzelspender – zur erfolgreichsten in der amerikanischen Geschichte erklärt. Andere hingen von Milliardären ab, er stütze sich auf die arbeitende Bevölkerung, sagte er auf der eher kleinen Versammlung in der Hauptstadt des Bundesstaates. Sanders erschien und redete eine halbe Stunde zu seinen Anhängern, bevor diese ausströmten, um an Haustüren zu klopfen. Der Bewerber wiederum reiste weiter zum nächsten Termin. Wie in Iowa ist Sanders’ Organisation in der Fläche die stärkste. Viele der Helfer waren schon 2016 für ihn auf der Straße, als der Senator aus dem benachbarten Vermont klar gegen Hillary Clinton gewann.

          Buttigieg redet in der Schule in Nashua hingegen vor 1800 Leuten. Der Erfolg in Iowa hat das Interesse an dem Kandidaten noch einmal vergrößert. Viele in der Sporthalle können am Dienstag gar nicht abstimmen. Sie sind an diesem Morgen aus Massachusetts oder Connecticut hochgefahren, um den früheren Bürgermeister aus South Bend einmal persönlich in Augenschein zu nehmen. Joe Biden, der bisherige Favorit der moderaten Demokraten, hat erkennbar Probleme. Könnte Buttigieg da eine zentristische Alternative sein? Mary Turner stapft nach der Kundgebung mit einem seligen Lächeln durch den Schnee. „Meine Wahl steht fest“, sagt die Frau, die nächste Woche 70 Jahre alt wird. „Pete ist erfrischend. Der hat etwas vor mit dem Land. Das gefällt mir.“

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