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Wahl in Amerika : Trump, der bettelarme Milliardär

Kein Geld in der Wahlkampfkasse? Dann bezahlt er seine Kampagne einfach selber, sagt Trump. Bild: Reuters

Der Republikaner tut sich schwer damit, Spender zu umgarnen. Sie fürchten, er bringe sich um den Sieg. Und er wolle sich ihr Geld in seine Tasche stecken. Nicht unberechtigt, wie seine finanziellen Unterlagen zeigen.

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          Allein im Mai hat Donald Trumps Kampagne für 901.864 Dollar Kappen, T-Shirts, Tassen und andere Werbeartikel mit dem Aufdruck „Make America Great Again“ herstellen lassen. Der Verkauf von Werbeprodukten gehört zum politischen Geschäft. Bemerkenswert ist der Ausgabenposten des Republikaners nur, weil er sein größter des Monats war.

          Andreas Ross

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online und stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Nachrichten.

          Die Demokratin Hillary Clinton gab im Mai allein 2,4 Millionen Dollar für Gehälter aus. Sie beschäftigt rund 700 Mitarbeiter. Die meisten sitzen nicht etwa in Brooklyn am Schreibtisch, sondern treiben sich in der Nähe der Wähler herum. Für Trumps Kampagne arbeiten keine siebzig Leute. Präsenz in der Fläche des Landes zeigen sie kaum. Und während Clinton im Mai für 1,3 Millionen Dollar Werbespots schaltete, hat der Republikaner seit seinem faktischen Vorwahlsieg auf Reklame verzichtet. Seine Kampagne meldete der Aufsichtsbehörde einen Kontostand von 1,3 Millionen Dollar zum 1. Juni. Clinton hatte gut 42 Millionen Dollar in der Kasse.

          Wie liquide ist Trump wirklich?

          Trump erklärte, er werde, wie schon in den Vorwahlen, beweisen, dass man mit einer schlanken Organisation Großes erreichen könne. So werde er auch das Land regieren. „Und wenn nötig“, so Trump, werde er sein Privatvermögen heranziehen. „Dann hätten wir unbegrenzt Geld zur Verfügung.“ Noch vor Wochen hatte Trump gesagt, er wolle sich fortan über Spenden finanzieren und nicht „zwei meiner Gebäude verkaufen“.

          Es ist unklar, wie liquide Trump ist. Seine Behauptung, er besitze an die zehn Milliarden Dollar, wird von Fachleuten angezweifelt. Am Dienstag bat Trump in einer Mail um Spenden und versprach, die binnen 48 Stunden erreichte Summe aus eigener Tasche zu verdoppeln – bis maximal zwei Millionen Dollar. Hillary Clinton und ihre Unterstützergruppen haben vor, sich den Wahlkampf bis zu eine Milliarde Dollar kosten zu lassen.

          In der Republikanischen Partei herrscht Panik. Trump gefährde nicht nur seine eigenen Aussichten, sondern auch die unzähliger Kandidaten für den Kongress, für Gouverneursposten und andere Ämter. Die Partei hat zwar knapp 500 Mitarbeiter zur Wählermobilisierung in wichtige Bundesstaaten geschickt und sich dafür verschuldet. Doch sie ist darauf angewiesen, dass der Präsidentschaftskandidat auch Spender motiviert. Trump ziere sich, die üblichen Gönner zu umschmeicheln, sagen Eingeweihte. Er sei es eben gewohnt, selbst umworben zu werden.

          Ein Versager beim Spendensammeln

          Sollte Trumps Ego zu groß zum Spendensammeln sein und er sich wirklich auf eigenes Geld verlassen, dann wären zig Republikaner-Kandidaten in ihren Bundesstaaten aufgeschmissen. Denn die Demokraten, die sich eng mit Clinton abstimmen, werden auch in diesem Jahr wieder mit Zehntausenden Fußsoldaten dafür sorgen, dass ihre Sympathisanten auch tatsächlich eine Stimme abgeben. Bei den Republikanern dagegen fehlt nicht nur bezahltes Personal. Viele der üblichen Freiwilligen fremdeln mit dem Kandidaten ihrer Partei.

          „Trump schaut jetzt in den Abgrund“, sagte selbst Ed Rollins. Dieser setzt sich als Ko-Chef der zu den „Super-Pacs“ gehörenden Unterstützergruppe „Great America“ für den Kandidaten ein. Trump müsse Spendern endlich das Gefühl geben, dass er sie ernst nehme. „Großspender geben einfach kein Geld, wenn sie nicht Gelegenheit hatten, mit dem Kandidaten zu sprechen“, sagte Rollins der Zeitung „Washington Post“. Freilich hat der Kandidat versprochen, dass er niemandem hörig sein werde. „Sein Fundraising ist ein Versagen von A bis Z“, urteilte Rollins.

          Das Geld fließt im Kreis

          Konservative Multimillionäre halten sich nicht nur wegen Trumps Entgleisungen zurück, mit denen er seine Chancen und damit ihren Einsatz gefährde. Einige Spender fürchten auch, Trump wolle seine private Kasse auffüllen. Denn der Baulöwe hat seiner Kampagne bisher knapp 46 Millionen Dollar geliehen, aber fast nichts gespendet. Er könnte sich diese Darlehen aus anderer Leute Spenden zurückzahlen.

          Schon jetzt fließt Geld im Kreis. Viele Unternehmen, deren Dienste die Trump-Kampagne beansprucht, gehören dem Kandidaten. Knapp eine halbe Million Dollar überwies die Kampagne im Mai an sein Golfhotel Mar-a-Lago in Florida, wo er Pressekonferenzen abhielt. Trumps Privat-Fluggesellschaft bekam 350.000 Dollar. Die Miete im Trump Tower, wo ein paar Dutzend Mitarbeiter auf einer spärlich möblierten Büroetage arbeiten, schlug mit 170.000 Dollar zu Buche. Essen lieferten die „Trump Restaurants“ für 125.000 Dollar.

          Hillary Clinton verspottete ihren Gegner auf Twitter: „Wofür gibt Trump seine mageren Kampagnenressourcen aus? Na, für sich selbst natürlich.“ Am gleichen Tag warb ihre Kampagne in einer alarmistischen Mail um Kleinspenden.

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