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Amerika : Trump-Regierung weicht Artenschutzgesetz auf

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Der Weißkopfseeadler, das Wappentier Amerikas, konnte nur durch diverse Schutzmaßnahmen vor dem Aussterben bewahrt werden. Bild: Reuters

Etliche bedrohte Tierbestände haben sich erholt, seit in Amerika unter Richard Nixon ein strengerer Artenschutz erlassen wurde. Donald Trump will das nun ändern – Umweltschützer sind entsetzt.

          Die Regierung des amerikanischen Präsidenten Donald Trump weicht gesetzliche Regelungen zum Artenschutz auf. Innenminister David Bernhardt stellte eine Reihe von geplanten Änderungen an einem Gesetz von 1973 zum Artenschutz vor.

          Naturschützer messen diesem Gesetz in seiner bisherigen Form fundamentale Bedeutung bei. Es ermöglichte etwa die Erholung der Bestände von Grauwölfen, Grizzlybären und Weißkopfseeadlern.

          Gestrichen werden soll nun eine Regelung, wonach die bedrohten Arten automatisch den gleichen Schutzstatus erhalten wie die gefährdeten Arten. Bei als gefährdet eingestuften Arten ist das Risiko des Aussterbens besonders hoch. Ferner sollen künftig wirtschaftliche Belange in die Bewertung des Schutzstatus von Wildtieren einbezogen werden dürfen.

          Der Präsident will es so

          Bernhardt bezeichnete die Änderungen als Verbesserungen. Sie würden für eine effiziente Umsetzung des Gesetzes sorgen, erklärte der frühere Öl- und Gaslobbyist. Handelsminister Wilbur Ross erklärte, die Novellen entsprächen der Vorgabe Trumps, die Regulierungen im Umweltbereich zu lockern und zugleich den Artenschutz zu gewährleisten.

          Umweltschützer reagierten entsetzt. Sie befürchten die graduelle Zerstörung des Lebensraums gefährdeter und bedrohter Arten. Die Umweltschutzorganisation Earthjustice bezeichnete die Änderungen als Geschenk an die Industrie und kündigte eine Klage an.

          Heftige Kritik kam auch von den Demokraten. Jahrzehntelang habe das Gesetz „unser am stärksten bedrohtes Tierleben vor dem Aussterben bewahrt“, schrieb der Präsidentschaftsbewerber Joe Biden auf Twitter. Nun wolle Trump „dies alles über Bord werfen“. Der frühe Vizepräsident warnte, angesichts der Bedrohung des Planeten durch den Klimawandel sollten Schutzmaßnahmen für die Natur gestärkt und nicht abgeschwächt werden.

          Präsident Donald Trump vor dem Weißen Haus in Washington

          Das vom einstigen Präsidenten Richard Nixon unterzeichnete Artenschutzgesetz wird von Naturschutzexperten als Erfolgsgeschichte bewertet. So erlebte etwa der Grauwolf in den vergangenen Jahrzehnten in Amerika ein beachtliches Comeback.

          Umweltschützer gegen Trump

          Anfang des 20. Jahrhunderts waren die Bestände dieser Wolfsart noch stark dezimiert. Heute dürfen die Grauwölfe in Teilen der Rocky Mountains wieder gejagt werden, weil es so viele davon gibt. Vom Weißkopfseeadler wiederum gab es nach offiziellen Zahlen im Jahr 1963 nur noch 417 nistende Paare. Heute sind es etwa 10.000. Der Weißkopfseeadler ist das Wappentier Amerikas.

          Trumps Regierung hat bereits eine ganze Serie von Vorschriften zum Umweltschutz zurückgeschraubt. Umweltschützer haben ihrerseits dagegen wiederholt mit Klagen angekämpft.

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