https://www.faz.net/-gpf-9qf0r

Der Präsident und die Medien : Donald Trump und sein neuer Lieblingssender

  • -Aktualisiert am

Der amerikanische Präsident Donald Trump Bild: AP

Der amerikanische Präsident ist eigentlich ein großer Fan von Fox News. Doch selbst der rechte Fernsehsender ist ihm oft zu kritisch – lieber ist ihm in letzter Zeit ein kleiner Sender aus Kalifornien.

          Donald Trump und Fox News – das ist eigentlich eine lange, erfolgreiche Geschichte. Trump lässt sich häufig von seinen liebsten Talkshow-Gastgebern und Beratern, Sean Hannity und Tucker Carlson, inspirieren. Mehr als einmal konnten seine Äußerungen schon auf kurz davor gelaufene Fernsehbeiträge zurückverfolgt werden.

          Doch in den vergangenen Monaten ärgerte sich Trump immer wieder über den Sender, der zu negativ über seine Regierung berichte. Offenbar erwartet er, dass Fox wie eine Art Fernseh-PR-Abteilung für das Weiße Haus funktioniert. Trumps Vorstellungen erfüllt in letzter Zeit eher ein kleiner kalifornischer Fernsehsender, den der Präsident auch gern bekannter machen würde.

          One America News Network (OAN) kommt aus San Diego, gegründet hat es 2013 der Tech-Millionär Robert Herring. Sein Sohn Charles ist Präsident des Senders. Wie viele deutlich politisch gefärbte Medien behauptet OAN, man liefere neutrale Berichterstattung ab, während viele andere Journalisten zu parteiisch seien. Dabei erfüllt OAN mindestens so deutlich die Rolle eines Trump-Propagandasenders, wie das Fox News (Motto: „Fair und ausgewogen“) tut. Robert Herring lobt den Präsidenten regelmäßig bei Twitter – als Fox bei einem Wahlkampfauftritt Trumps die Übertragung unterbrach, verkündete er dort beispielsweise: „Wir werden nie abblenden!“

          Lieblingssender des Präsidenten

          Die Herrings arbeiten schon länger daran One America News zu einer rechten Fox-Alternative zu machen. Vater und Sohn hätten wohl gern einen ähnlichen Einfluss auf Trump wie Sean Hannity und andere, wenn sie versichern, OAN sei dabei, „der liebste Nachrichtensender des Präsidenten“ zu werden.

          Schon im Jahr 2015 interviewte Sarah Palin Trump als Gast-Moderatorin der OAN-Show „On Point“. Die ehemalige Gouverneurin von Alaska und Vizepräsidentschaftskandidatin 2008 war eine der wichtigsten Protagonistinnen der rechten „Tea Party“-Bewegung, deren Unterstützung Trump brauchte. Trump gibt OAN-Reportern inzwischen besonders gern die Gelegenheit zu Fragen bei seinen Pressekonferenzen und Auftritten.

          Als er sich im Juni 2018 mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un in Singapur traf, lobte er den Sender in der anschließenden Pressekonferenz als „wirklich schöne Sache“. Reporter Emerald Robinson huldigte zurück: „Danke für die nette Art, mit der Sie uns behandeln, wir wissen das sehr zu schätzen. Wirklich, das ist sehr gut. Es ist wirklich schön, was Sie tun.“

          Trump straft Fox ab

          Es gibt viele Medien, die Trump zugeneigt sind. Fox wird wohl auch in der Zukunft der mächtigste Fernsehsender in diesem Spektrum sein. Dass Trump OAN aber dermaßen viel Gratis-PR verschafft, zeigt vor allem, dass er auch nicht die kleinsten Versuche von Fox-Mitarbeitern duldet, ausgewogen zu berichten.

          Im Juni brachte Fox beispielsweise eine Meinungsumfrage, derzufolge Trump gegen fünf demokratische Präsidentschaftskandidaten die Wahl verlieren würde, so es eine direkte Abstimmung wäre. Trump schrieb verärgert: „Bei Fox geht etwas Seltsames vor sich.“ Und kürzlich twitterte er mit Bezug auf einen der Fox-Moderatoren: „Die Fake News auf CNN zu schauen, ist besser als Shepard Smith, die erfolgloseste Show bei @foxnews. Tatsächlich schalte ich, wann immer möglich, @OAN ein!“ twitterte Trump. In den vergangenen Monaten retweetete er immer öfter Links von One America News.

          Weitere Themen

          Hat Donald Trump die Verfassung gebrochen?

          Klage von Hoteliers : Hat Donald Trump die Verfassung gebrochen?

          Trump schädige ihr Geschäft, indem er Diplomaten nötige, in seinen Hotels abzusteigen, monieren Gaststättenbetreiber. Damit haben sie vor einem New Yorker Gericht einen Etappensieg errungen. Nun könnte der Supreme Court den Fall an sich ziehen.

          Topmeldungen

          Supercomputer Summit von IBM

          KI statt Simulation : Den Superrechnern geht die Luft aus

          Die Leistung von Supercomputern wächst kaum noch. Der Grund ist die fatale Fokussierung auf Künstliche Intelligenz. Numerische Verfahren gelten als „unsexy“.
          Das Faxgerät ist eine schnelle Alternative, wenn die E-Mail aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht genutzt werden kann

          In puncto Datensicherheit : Fax schlägt E-Mail

          Anwälte, Ärzte, Krankenversicherer weigern sich immer häufiger, E-Mails zu verschicken – aus Gründen des Datenschutzes. Das gute alte Faxgerät erlebt ein Comeback.

          Dortmunder Kampfansage : „Wir wollen Barcelona wehtun“

          Für das Champions-League-Duell mit dem FC Barcelona hat sich der BVB einiges vorgenommen. Die Borussia hofft dabei auf ein Fußball-Fest mit Happy End. Doch etwas dürfte die Dortmunder Vorfreude gehörig trüben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.