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Trump empfängt Xi : Ein Treffen zwischen Krieg und Frieden

  • -Aktualisiert am

Ort des Treffens: Trumps Resort Mar-a-Lago in Palm Beach, Florida Bild: dpa

Wenn die Präsidenten Amerikas und Chinas sich heute in Trumps Resort treffen, geht es um den Handelsstreit, aber auch um Nordkoreas Atomprogramm. Die Bedingungen für eine Annäherung sind günstig.

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          Sowohl in der amerikanischen als auch in der chinesischen Kultur ist die Einladung nach Hause ein wichtiges Zeichen des Respekts gegenüber dem Gast. Wo also könnte Donald Trump den chinesischen Präsidenten Xi Jinping besser empfangen, als an seinem Lieblings-Zuhause in Florida, dem luxuriös-familiären Privatclub Mar-a-Lago in Palm Beach? Bis auf ein paar Wärmegewitter ist für Donnerstag und Freitag bestes Sommerwetter vorhergesagt.

          Für die anderen Club-Mitglieder – Trump bewohnt sein „Southern White House“ schließlich nicht alleine – dürfte der zweitägige Besuch in jedem Fall ein spannender Wochenausklang werden. Als Japans Premierminister Shinzo Abe im Februar zu Besuch kam, wurde die gut gefüllte Restaurantterrasse binnen Sekunden zum politischen Lagezentrum, als nervöse Berater die beiden Politiker über einen nordkoreanischen Raketenstart informierten. Ein Gast, der ein paar Tische weiter saß, hielt die bizarre Szene mit seiner Kamera fest. Weltpolitik als Unterhaltungsprogramm beim Abendessen – dafür nimmt man ein paar zusätzliche Sicherheitskontrollen doch gerne in Kauf.

          Peking soll Pjöngjang in die Schranken weisen

          Nun also kommt mit Xi, der übrigens in einem Resort im Nachbarort Lantana nächtigen wird, der nächste ausländische Staatsmann nach Mar-a-Lago. Das Treffen der Präsidenten der beiden mächtigsten Nationen der Erde wird mit großer Spannung erwartet, denn das Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und China ist, da sind sich vor dem Besuch viele Beobachter einig, derzeit vor allem von Misstrauen geprägt.

          Kaum ein anderes Land hatte Trump im Wahlkampf dermaßen hart attackiert wie die Volksrepublik. „China tötet uns beim Handel“, lautete einer der Standardsätze des Republikaners, vor seinen Anhängern unzählige Male wiederholt. Unter anderem mit Hilfe von Währungsmanipulationen behandelte Peking die Vereinigten Staaten „äußerst unfair“, so Trump. Für das Treffen in Florida sagte er daher auch „schwierige“ Verhandlungen voraus. Es sei an der Zeit, Stärke zu demonstrieren.

          Und doch wird es während des insgesamt etwa 25-stündigen Zusammentreffens in Mar-a-Lago um mehr als „nur“ um Handelsbilanzen, mögliche Strafzölle und andere Wirtschaftsthemen gehen, nämlich auch um Geo- und Sicherheitspolitik. Im Mittelpunkt gleich mehrerer Gesprächsrunden dürfte Nordkorea stehen. Das Regime von Machthaber Kim Jong-un provoziert seit Monaten mit Raketentests. Berichte über Fortschritte im nordkoreanischen Atomprogramm beunruhigen die Amerikaner in großem Maße. Washington will nicht warten, bis Pjöngjang über eine nuklearfähige Interkontinentalrakete verfügt, die die Westküste der Vereinigten Staaten erreichen könnte.

          Die Erwartungen, die Amerika mit Blick auf die Nordkorea-Krise an China hat, haben Trump und seine Regierung zuletzt klar formuliert: Peking müsse seinen großen Einfluss auf Pjöngjang geltend machen und den Sanktionen der internationalen Gemeinschaft mehr Kraft verleihen. Wenn China das Problem der atomaren Aufrüstung Nordkoreas nicht löse, „dann werden wir es tun“, ließ Amerikas Präsident zu Wochenbeginn in einem bemerkenswerten Interview mit der „Financial Times“ wissen. Das war nicht weniger als die Drohung eines militärischen Präventivschlages. „Alle Optionen liegen auf dem Tisch“, hatte Mitte März auch schon Außenminister Rex Tillerson bei einem Besuch in der Region gesagt. Unter den Palmen Südfloridas geht es zwischen Xi und Trump also um kaum weniger als um die Frage von Krieg und Frieden.

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