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Amerikas Medien zu Trump : „Mal sehen, ob der Präsident auch unter Eid lügt“

  • -Aktualisiert am

Donald Trump, Präsident der Vereinigten Staaten Bild: dpa

Geht es für den Präsidenten nun bergab oder prallt auch nach der Verurteilung Manaforts und dem Schuldgeständnis Cohens jegliche Kritik an ihm ab? Die amerikanischen Medien sind gespalten. Auch Trump selbst äußert sich.

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          Am Tag danach, weiß der Volksmund, sieht die Welt nach jedem noch so großen Ereignis schon wieder anders aus. Nicht so in Washington, zumindest nicht am Tag eins nach dem Urteil gegen Donald Trumps ehemaligen Wahlkampfmanager Paul Manafort und dem Schuldgeständnis seines ehemaligen Anwalts Michael Cohen, der den Präsidenten vor Gericht belastete.

          Wenn man den Kommentatoren in den eher liberalen Zeitungen des Landes glauben mag, könnte beides zusammengenommen zum endgültigen Wendepunkt in seiner Zeit im Weißen Haus werden. „Der moralische Verfall breitet sich aus“, titelte die Washington Post auf ihrer Meinungsseite und bescheinigte Trump in einem weiteren Artikel, „den schwärzesten Tag seiner bisherigen Amtszeit“ zu durchleben: „Das Manafort-Urteil ist ein niederschmetternder Tiefschlag für Trump, der Manafort wiederholt verteidigt und die Untersuchung von Sonderermittler Robert Mueller immer wieder als Hexenjagd bezeichnet hat“, schreibt die Kolumnistin Jennifer Rubin. „Nehmen Sie es, wie sie wollen, aber heute hat die Jury eine Hexe überführt.“

          Die „New York Times“, die Trump nicht müde wird, als Verbreiter von Fake news zu beschimpfen, schreibt in einer Kolumne über Michael Cohens Glaubwürdigkeit: „Cohens Urteilsverkündung wird nicht vor Dezember stattfinden. Dann muss er wahrscheinlich mit bis zu fünf Jahren Gefängnis rechnen. Wenn er gelogen hat, bleibt also noch genug Zeit, damit eventuelle Unwahrheiten an Licht kommen können. Man sollte sich aber fragen: Sieht er aus wie ein Mann, der so sein Strafmaß verdoppeln lassen will?“

          Auffallend ist, dass in den liberalen Medien einige der Kommentatoren, denen noch eher Nähe zu den Republikanern nachgesagt wird, am schärfsten urteilen. So wie Max Boot, der in Anspielung auf Russlands Einflussnahme und Cohens Zahlungen, um Trumps Mätressen zum Schweigen zu bringen, notiert: „Noch mehr als Nixon damals ist Trump jetzt ein illegitimer Präsident, dessen Wahl Betrug anhaftet.“ 

          Die konservative „National Review„ hält dagegen, dass „trotz der dramatischen juristischen Wende am Dienstag sich an den langfristigen Aussichten für Präsident Trump nicht sonderlich viel geändert hat“: „Nehmen wir mal an, dass der Kongress im Januar wie heute aussieht –– bescheidene Mehrheiten im Abgeordnetenhaus und im Senat für die Republikaner. Die Demokraten werden weiterhin auf ein Amtsenthebungsverfahren pochen. Aber ohne unstrittige Beweise für schwerwiegende Straftaten und eine sich zum Großteil abwendende Republikanische Basis wird dieses Verfahren im Nichts verlaufen.“

          Für den Fall, dass die Zwischenwahlen im November zugunsten der Demokraten ausgehen sollten, schreibt die National Review weiter, bräuchten die Demokraten immer noch eine Zweidrittelmehrheit im Senat, um Präsident Trump abzusetzen: „Es lässt sich nur schwer ausmalen, dass 15 bis 17 Republikanische Senatoren dafür stimmen würden, Trump des Amtes zu entheben.“

          Das unter den politischen Kommentatoren am Tag nach der Hiobsbotschaft wohl am häufigsten diskutierte Schlagwort geistert auch über die weiten Flure im Kongress. Nur schienen sich die demokratischen Abgeordneten am Mittwoch noch nicht einig zu sein, welche Strategie sie als Partei fahren wollen. „Ein Amtsenthebungsverfahren hat für uns keine Priorität“, sagte Nancy Pelosi, Demokratische Oppositionsführerin im Abgeordnetenhaus, zugeschaltet im Frühstücksfernsehen des Senders MSNBC. „Wenn sich keine anderen Umstände ergeben, ist das erst einmal nicht unser Hauptanliegen. Ein Amtsenthebungsverfahren sollte sich aus anderen Umständen ergeben.“

          Trump arbeitet sich wie ein Eisbrecher vor

          Nicht unweit von Pelosi steht später ihr Demokratischer Kollege Richard Blumenthal vor seinem Büro und stellt sich der Presse: „Der Präsident wird mit kriminellen Machenschaften in Verbindung gebracht. Nicht mit irgendeiner kriminellen Machenschaft, sondern mit etwas, das den Ausgang der Präsidentschaftswahl beeinflusst hat. Ich wüsste keine schwerwiegendere Anschuldigung für den Präsidenten der Vereinigten Staaten als das. Alle Mittel sollten jetzt zulänglich sein, selbst eine Anklage des Präsidenten“, sagt der Senator für Connecticut. Auch ein Amtsenthebungsverfahren? „Alle Mittel sollten jetzt zulänglich sein“, wiederholt Blumenthal noch einmal.

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