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Trump demontiert Minister : Justizminister Sessions will im Amt bleiben

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Donald Trump hat ihn öffentlich demontiert – doch Jeff Sessions will sei Amt nicht aufgeben. Bild: AFP

In einem Interview hat sich Donald Trump mit deutlichen Worten von seinem Justizminister distanziert. Der Präsident kritisierte Sessions’ Verhalten in der Russland-Affäre als „extrem unfair“. Doch der Minister denkt nicht an einen Rücktritt.

          In beispielloser Weise hat der amerikanische Präsident Donald Trump seinen Justizminister Jeff Sessions abgekanzelt. In einem am Mittwoch (Ortszeit) erschienenen Interview mit der „New York Times“ warf Trump seinem Minister „extrem unfaires“ Verhalten vor. Dieser erklärte am Donnerstag dennoch, er wolle im Amt bleiben. Auch dem von ihm entlassenen FBI-Chef James Comey machte Trump schwere Vorwürfe.

          „Wie kann man einen Job übernehmen, wenn man sich selbst für befangen erklärt?“, sagte Trump über seinen Justizminister. Wenn Sessions dies schon vor seiner Ernennung zum Minister getan hätte, „hätte ich gesagt, ‚Danke, Jeff, aber ich werde Dich nicht nehmen‘“, fügte Trump hinzu. Sessions’ Verhalten sei „extrem unfair – und das ist ein mildes Wort – gegenüber dem Präsidenten“.

          Der Minister reagierte am Donnerstag, indem er seinen Wunsch bekräftige, im Amt zu bleiben. Die Ausübung dieses Postens sei eine große Ehre für ihn, sagte er vor Journalisten in Washington. „Ich habe die Absicht, dies so lange zu tun, wie es angemessen ist.“

          Sessions hatte sich im vergangenen Jahr als damaliger Senator und Wahlkampfberater Trumps mehrmals mit dem russischen Botschafter Sergej Kisljak getroffen. Dass er dies während seines Nominierungsverfahrens im Senat verschwieg, erregte Argwohn. Erst nach der Enthüllung dieser Treffen durch die Presse gab Sessions die Gespräche zu. Anschließend erklärte er sich für befangen und vollzog damit seinen Rückzug aus den Ermittlungen zur Russland-Affäre des ihm unterstehenden FBI.

          Trump steht wegen der Russland-Kontakte seines Wahlkampfteams unter massivem Druck. In der Affäre ermitteln derzeit außer dem FBI mehrere Kongressausschüsse und der vom Justizministerium eingesetzte Sonderermittler Robert Mueller. Sie gehen dem Verdacht möglicher Absprachen zwischen Trump-Mitarbeitern und der Führung in Moskau während des Präsidentschaftswahlkampfes zuungunsten von Trumps Rivalin Hillary Clinton nach.

          Trump: Sessions gab „schlechte Antworten“

          Sessions war im Wahlkampf einer der treuesten Unterstützer von Trump. Sein Auftritt während seines Nominierungsverfahrens im amerikanischen Senat überzeugte Trump nicht. Der Justizminister habe dort „schlechte Antworten“ gegeben. „Er antwortete auf einfache Fragen und seine Antworten hätten einfach sein müssen, aber das waren sie nicht“, sagte Trump der „New York Times“.

          Auch dem entlassenen FBI-Chef Comey machte Trump in dem Interview schwere Vorwürfe. Comey habe versucht, ihn mit angeblich kompromittierendem Material unter Druck zu setzen und so seinen Verbleib an der Spitze des FBI zu erzwingen, sagte Trump in dem Interview. Dieses Material, in dem es um angebliche Treffen mit Prostituierten gehe, sei „erfundener Quatsch“.

          Am Mittwoch kommender Woche sollen nun Trumps ältester Sohn und sein früherer Wahlkampfleiter Paul Manafort vor dem Justizausschuss des Senats aussagen, wie das Gremium mitteilte. Dabei soll es um das Treffen von Trump junior und Manafort mit der russischen Anwältin Natalia Weselnizkaja im Juni 2016 gehen.

          Der Sohn des amerikanischen Präsidenten hatte zugegeben, sich in der Erwartung mit der russischen Anwältin getroffen zu haben, belastendes Material über die damalige Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton zu erhalten. Auch der Schwiegersohn und Berater des Präsidenten, Jared Kushner, hatte an dem Treffen teilgenommen. Er soll bereits am Montag vom Geheimdienstausschuss des Senats befragt werden, wie sein Anwalt dem Sender CNN sagte.

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