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Amerikas Justizminister : Jeff Sessions gibt nicht auf

  • -Aktualisiert am

Hält aus: Jeff Sessions Bild: Reuters

Donald Trump greift immer wieder seinen Justizminister an. Doch Jeff Sessions wird sein Amt nicht freiwillig aufgeben. Hier hat er die politische Macht, die er sich lange gewünscht hat.

          Einen „Verräter“ nennt Donald Trump seinen Justizminister Jeff Sessions angeblich gern. So steht es in dem neuen Enthüllungsbuch des Watergate-Journalisten Bob Woodward. Titel: „Fear“, Angst oder Furcht also. Es beschreibt ein regelmäßig ins Chaos gleitende Weiße Haus, in dem hohe Mitarbeiter den Präsidenten untereinander hemmungslos beschimpfen und fortwährend damit beschäftigt sind, den Schaden seiner Aktionen zu begrenzen. Eine von Woodwards Quellen ist Rob Porter, ehemaliger Mitarbeiter im Weißen Haus. Porter hatte wegen Vorwürfen häuslicher Gewalt im Frühjahr seinen Posten geräumt. Für sein Buch sprach Woodward mit mehreren Mitarbeitern Trumps und Dutzenden Personen aus dessen Umfeld.

          Im Buch ist auch zu erfahren, dass sich Trump angeblich gern über Sessions‘ Südstaaten-Akzent und seine Herkunft mokiert – auch den mentalen Zustand eines seiner wichtigsten Minister zieht er in Zweifel: „Dieser Kerl ist geistig zurückgeblieben. Er ist ein dummer Südstaatler. Er könnte da unten in Alabama nicht mal eine Ein-Mann-Anwaltskanzlei am Laufen halten“, zitiert Woodward den Präsidenten. Das kam auch bei Republikanern nicht gut an, die sich sonst mit Kritik an Trump zurückhalten. „Wir sind ein ziemlich schlauer Haufen. Wir haben den Bürgerkrieg verloren, aber ich glaube, wir gewinnen den ökonomischen Krieg seitdem. Ich werde niemanden beschimpfen, weil ich nicht glaube, dass es erlaubt sein sollte, Leute zu beschimpfen – das gilt auch für den Präsidenten“, meinte Senator Johnny Isakson aus Georgia. Richard C. Shelby, Senator aus Alabama, erinnerte Trump: „Ohne den Süden wäre er nicht Präsident der Vereinigten Staaten.“

          Trump mobbt seinen Justizminister regelmäßig, nicht nur auf Twitter. Spätestens seit Sessions sich in der Russlandaffäre für befangen erklärte und die Aufsicht über die Untersuchung des Sonderermittlers Robert Mueller an seinen Stellvertreter abgab, ist das Verhältnis gestört. Trumps letzte Attacke kam am Montag, als er Sessions vorwarf, durch Anklagen zweier republikanischer Politiker den Wahlerfolg im November zu gefährden. „Zwei seit Langem laufende Untersuchungen aus der Obama-Ära, gegen zwei sehr populäre republikanische Kongressabgeordnete, wurden kurz vor den Zwischenwahlen durch das Jeff-Sessions-Justizministerium zu einer öffentlichkeitswirksamen Anklage gebracht. Zwei leichte Siege stehen nun in Zweifel, weil nicht mehr genug Zeit ist. Gut gemacht, Jeff...“, schrieb Trump.

          Die beiden angeklagten Politiker, die Trump meinen dürfte, sind Duncan Hunter aus Kalifornien und Chris Collins aus New York. Beide sind Abgeordnete im Repräsentantenhaus. Collins ist wegen Insiderhandels angeklagt. Ein Medikament gegen Multiple Sklerose, das die Pharmafirma Innate Immunotherapeutics produzierte, war bei allen Tests durchgefallen. Collins, der im Aufsichtsrat der Firma saß, soll seinen Sohn Cameron heimlich angewiesen haben, Anteile im Wert von 570.000 Dollar zu verkaufen. Collins zog seine Kandidatur zurück – er wäre bereits das vierte Mal angetreten. Sein Wahlkreis im Großraum der Stadt Buffalo ist einer der konservativsten Bezirke im Staat New York. Hier gewann Donald Trump bei der Präsidentenwahl 2016 mit fast 60 Prozent. Die Republikaner haben also nach wie vor gute Chancen, auch mit einem neuen Kandidaten. Duncan Hunter konnte seine Kandidatur in Kalifornien nicht zurückziehen – seine Wahlaussichten gelten ebenfalls nach wie vor als gut. Ihm wird vorgeworfen, Geld aus seiner Wahlkampfkasse für private Zwecke eingesetzt zu haben. Hunter und seine Frau sollen Mittel als Spenden für Veteranen deklariert und dann für private Reisen ausgegeben haben.

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