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Hochschulpolitik in Amerika : Was wird aus Bernies schöner neuer Welt?

  • -Aktualisiert am

Bernie Sanders hatte besonders viele Anhänger unter gut ausgebildeten jungen Menschen. Bild: AP

Bernie Sanders versprach seinen Anhängern den kostenlosen Zugang zur Universität. Doch für Donald Trump hat das Thema kaum Priorität. Studenten und Professoren sind niedergeschlagen.

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          Auf dem Campus der Georgetown Universität in Washington herrscht eine seltsame Stimmung – irgendwo zwischen Fassungslosigkeit und Trauer. Vor einem Jahr war hier Bernie Sanders zu Gast, hatte von einer schönen, neuen Welt gesprochen, einer besseren Welt nannte er es, in der Bildung kostenlos und für jeden zugänglich ist. Sieben Monate später war der Präsidentschaftswahlkampf für Sanders endgültig zu Ende, Hillary Clinton übernahm das Spielfeld für die Demokraten gegen den republikanischen Kandidaten Donald Trump.

          Seit Mittwoch heißt es nicht mehr Präsidentschaftskandidat Trump sondern gewählter Präsident Trump. In der Hauptstadt aber haben 93 Prozent am Dienstag bei Clinton ihr Kreuz gemacht, und obwohl Studenten schwer zu erfassen sind, weil viele nicht in der Stadt ihrer Universität sondern in ihrem Heimatbundesstaat wählen, haben auch die „Millennials“ überwiegend demokratisch gewählt, zu 54 Prozent, um genau zu sein. Trump dagegen schaffte es bei den Wählern zwischen 18 und 29 Jahren nur auf 37 Prozent, berichtete der Sender CNN – genau der selbe Anteil, den Mitt Romney in dieser Wählergruppe 2012 für sich verbuchen konnte.

          Für die jungen Wähler, die sich mehrheitlich erst hinter Bernie Sanders und dann hinter Clinton gestellt haben, ist es somit ein besonders bitteres Ergebnis. Denn all das, was ihnen von demokratischer Seite im die letzten 18 Monate versprochen wurde, erst von Sanders der kostenlose Universitätszugang, dann unter Clinton zumindest eine schuldenfreie Hochschulausbildung, hängt nun am seidenen Faden. Trump hat die Unterstützung der republikanischen Mehrheiten in beiden Kammern des Kongresses, und bezahlbare Bildung war kein Schwerpunkt seiner Kampagne.

          Das Problem wird nicht kleiner

          Auf die Frage, was von Sanders` Agenda unter Präsident Trump übrig bleiben wird, antwortet Douglas Reed mit einem ernüchternden „nichts, absolut nichts“. Reed ist Professor an der Georgetown Universität, unterrichtet Politikwissenschaft mit einem Schwerpunkt auf Bildung. „Nur, wenn die Republikaner anfangen würden, dem Klassenproblem mehr Aufmerksamkeit zu verleihen“ würde sich etwas tun, so Reed, „aber danach sieht es nicht aus.“ Republikaner seien prinzipiell eher ablehnend gegenüber Universitäten eingestellt, sagt Reed, weil die Bildungsstätten in den Rängen der Partei oft als liberale Nährböden wahrgenommen werden würden. Dazu käme das „Problem mit der Wissenschaft, wie zum Beispiel Klimawandel“ – ein Phänomen, das Trump in der Vergangenheit auf Twitter als „Schwindel, erfunden von den Chinesen“ abtat. „Die Hochschulbildung kann sich für die nächsten vier Jahre auf eine holprige Fahrt einstellen,“ sagt Reed.

          An der Uni Georgetown herrscht eine merkwürdige Stimmung.

          Mehr als 1,28 Billionen Dollar Schulden, also rund 1,18 Billionen Euro, müssen Absolventen in den Vereinigten Staaten aktuell für ihre Universitätsausbildung zurückzahlen. Die ausstehenden Rückzahlungen für Bildung sind damit höher als für die Kreditkartenschulden aller Amerikaner. Im Jahr 2012 nahmen rund 71 Prozent aller Studenten mit ihrem Bachelor-Abschluss gleichzeitig einen Schuldenberg entgegen, der im Durchschnitt 29.400 Dollar betrug (rund 27.100 Euro).

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