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Hochschulpolitik in Amerika : Was wird aus Bernies schöner neuer Welt?

  • -Aktualisiert am

Auch die Präsidentschaftskandidatin der Demokraten, obwohl sie sich in der Vorwahlen knapp gegen Sanders durchgesetzt hat, war durch die breite Unterstützung für dessen Ideen gezwungen, eine bezahlbare Universitätsausbildung in ihr Wahlkampfprogramm aufzunehmen. Ihr Plan war weniger radikal – hätte aber Abhilfe geschafft im kaputten Hochschulsystem Amerikas. Für Kinder aus Familien, deren jährliches Einkommen unter 125.000 Dollar liegt, wollte sie öffentliche Universitäten kostenlos anbieten, darüber hinaus sollte kein einziger Student mit einem Schuldenberg ins Arbeitsleben starten. Denjenigen, die ihre Ausbildung bereits abgeschlossen haben und mit ihren Schulden im Gepäck versuchen, in der Arbeitswelt Fuß zu fassen, wollte sie die Chance geben, ihre Kredite zu günstigeren Raten zu refinanzieren.

Auch Trump hat in einer seiner seltenen Ansprachen, in denen es um Bildung ging, versprochen, den bereits verschuldeten Absolventen Abhilfe zu leisten, mit einem Plan der Clintons ähnelt. Kredite für Studenten will er darüber hinaus privatisieren lassen. Die Verantwortung, Studiengebühren zu senken, überlasse er dagegen den Universitäten selbst. Sie sollten ihre „endowments“ – das sind Einnahmen wie Spenden und Stiftungen, Studiengebühren gehören nicht dazu – nutzen, um die Kosten zu reduzieren, so Trump. In Falle von Zuwiderhandlung seitens der Universitäten drohte er, „endowments“, die aktuell steuerfrei sind, zu versteuern.

„Trump ist ein schwarzes Loch“

Als Beispiel für die unglaubliche Masse an Spendengeldern wird oft die Elite-Universität Harvard herangezogen. Harvard nahm allein im akademischen Jahr 2015-2016 rund 35,7 Milliarden Dollar über die regulären Studiengebühren hinaus ein. Dicht danach folgten Yale, Stanford und Princeton, deren „endowments“ jeweils mehr als 20 Milliarden Dollar betrugen. Stanford, eine der besten Universitäten des Landes, hat aufgrund der Höhe an Spendengeldern bereits 2015 entschieden, Studenten, deren Familien unter 125.000 Dollar jährlich verdienen, die Studiengebühren zu ersparen — wie es auch Clintons Plan vorsah. Doch es sind die kleineren, öffentlichen Universitäten, deren Spendengelder für solche Gestern der Großzügigkeit nicht ausreichen. Ihnen wollte Bernie Sanders als Präsident mit Steuereinnahmen von Wall-Street-Transaktionen unter die Arme greifen.

„Eine relativ kleine Anzahl an Universitäten hat eine signifikante Menge an endowments“, sagt Patrick Callan, Präsident des „Policy and Higher Education“-Instituts. „Es scheint mir so, als ob Trump zu diesem Problem keinen ausgearbeiteten Lösungsvorschlag hat,“ so Callan. Republikaner hätten zwar in der Vergangenheit wichtige Schritte hin zu bezahlbaren Universitätsbildung gemacht — Präsident Nixon habe sich beispielsweise sehr für das finanzielle Hilfsprogramm für Studenten aus Familien mit geringem Einkommen eingesetzt. Dazu seien sowohl Obama als auch George W. Bush „großzügig“ mit der staatlichen finanziellen Unterstützung für Studenten gewesen.

Trump dagegen sei eine „schwarzes Loch“, sagt Callan. „Wir haben keine Ahnung, wie viele Gedanken er sich darüber gemacht hat.“ Eines jedoch stehe fest, sagt Callan: „Bezahlbare Hochschulbildung ist in diesem Land substanziell zurückgegangen. Und es ist wahrscheinlich, dass sich das nicht bessert, wenn wir nichts tun.“

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