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Hochschulpolitik in Amerika : Was wird aus Bernies schöner neuer Welt?

  • -Aktualisiert am

Das Problem wird nicht kleiner, ganz im Gegenteil: In der vergangenen zehn Jahren hat sich die Menge an Schulden, die Absolventen für ihre Ausbildung auf sich genommen haben, fast verdreifacht. Die Kosten für ein Studienjahr, Miete, Nebenkosten und Bücher mit eingerechnet, sind parallel dazu rapide angestiegen, von im Schnitt 15.300 Dollar im akademischen Jahr 2002-2003 auf 20.200 Dollar zwischen 2012-2013. An den teuersten, privaten Hochschulen zahlen Studenten inzwischen mehr als 65.000 Dollar pro Jahr. Wer acht Semester, beispielsweise an der New York University studiert, ohne Stipendium oder andere finanzielle Unterstützung, hat für ein Diplom schnell eine Viertel Millionen Dollar ausgegeben. Auch die Gebühren für öffentliche Universitäten, an denen Studenten aus demselben Bundesstaat Rabatt bekommen, liegen im fünfstelligen Bereich für ein Jahr.

„Es wird nicht besser“

Den vollen Preis an Studiengebühren zahlen zwar die wenigsten – rund zwei Drittel aller amerikanischen Studenten erhalten finanzielle Unterstützung vom Staat oder Stipendien für der Finanzierung ihrer Ausbildung – das heißt jedoch nicht, dass sie schuldenfrei ins Arbeitsleben starten.

Bisheriges Ergebnis

Bernie Sanders schenkte der Kosten-Epidemie an Universitäten in seinem Wahlkampf so viel Aufmerksamkeit wie es kein Präsidentschaftskandidat vor ihm getan hatte. Er machte den kostenlosen Zugang zu öffentlichen Hochschulen zu einem der zentralen Themen seiner Kampagne. „Das ist keine radikale Idee,“ schrieb der Senator aus Vermont dazu. Es sei „wahnsinnig“, dass Hunderttausende es sich nicht leisten können, zu studieren, und dass Millionen andere die Universität mit einem Schuldenberg, der sie für Dekaden belasten wird, verlassen.

„Keiner kann 60.000 Dollar im Jahr bezahlen“, sagt Jeremy Sheehan, 23 Jahre alt, der in Georgetown gerade seinen Master macht. „Die Hochschulkosten stiegen exponentiell an, aber gleichzeitig wird es immer wichtiger, einen Universitätsabschluss zu haben, um einen guten Job zu bekommen.“ Irgendwann werde die Situation untragbar werden, prognostiziert Sheehan, „aber ich bezweifle, dass wir in den nächsten Jahren irgendeine Veränderung sehen werden.“ „Die meisten gehen davon aus, dass es unter Trump schlimmer werden wird, oder allermindestens nicht besser,“ schließt sich ein Kommilitone an.

Chance auf günstige Kredite

„Das Problem wird nicht einfach verschwinden,“ sagt auch Adam Wagner, ebenfalls Student in Georgetown. Er selbst hat für seine Universitätsausbildung ein Teilstipendium erhalten, dennoch könne es sein, dass er nach dem Abschluss ein paar Schulden haben werde, sagt Wagner, der bereits im zweiten Jahr auf dem Weg zum Bachelor ist. Georgetown leiste generell gute Arbeit, wenn es darum geht, die Ausbildung für Studenten bezahlbar zu machen, sagt der 19 Jahre alte Student. Dennoch sei das Preisschild der Universitäten ein systematisches Problem. „Ich hoffe, dass es angesprochen wird, aber Trump hat es nicht gerade zur Priorität gemacht.“ Er selbst habe im Vorwahlkampf Bernie Sanders unterstützt, sagt er, dann am Dienstag für Clinton gewählt.

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