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Trumps Mauerpläne : Lob und Kritik von amerikanischen Christen

  • Aktualisiert am

Pastor Robert Jeffress mit Präsident Donald Trump bei der Celebrate Freedom Rally in Washington D.C. Der Evangelikale gilt als treuer Unterstützer Trumps. Bild: Picture-Alliance

Die Christen in den Vereinigten Staaten beurteilen Trumps Ansprache zur illegalen Migration unterschiedlich. Ein evangelikaler Pastor verteidigt die Grenzmauer-Pläne des Präsidenten – und wählt dafür einen besonderen Vergleich.

          Die Pläne des amerikanischen Präsidenten Donald Trump zum Bau einer Grenzmauer zu Mexiko spalten die Christen in den Vereinigten Staaten. Vertreter zahlreicher katholischer Organisationen reagierten mit teils massiver Kritik auf Trumps Mauerrede aus dem Oval Office. Dagegen verteidigte ein führender evangelikaler Pastor das Vorhaben als moralisch gerechtfertigt.

          In seiner Rede an die Nation hatte Trump am Dienstagabend die Lage an der Südgrenze zu Mexiko als „humanitäre Krise“ bezeichnet. In sozialen Medien bezeichneten Kirchenvertreter und Ordensgemeinschaften diese Darstellung als „unehrlich und brisant“.

          Bischof will Kirchengrundstücke nicht für Bau freigeben

          Die Rede des Präsidenten sei abermals „in Unwahrheiten, Angst und Spaltung“ verwurzelt, erklärten die „Barmherzigen Schwestern“. „Täuschen Sie sich nicht: Es gibt eine humanitäre Krise an der Grenze, aber es ist eine von der Trump-Administration verursachte.“

          „Sind wir nicht in der Lage, sowohl die Schwachen zu schützen als auch gleichzeitig Gefährdungen abzuwehren?“, fragte Bischof Daniel Flores aus der texanischen Grenzstadt Brownsville. Er wehrt sich dagegen, Kirchengrundstücke für den Mauerbau freizugeben. Kongress und Regierung sollten sich darauf konzentrieren, die Fluchtursachen der Menschen aus Mittelamerika zu beenden, statt eine Mauer zu bauen, sagte der Exekutivdirektor des „Center for Migration Studies“, Donald Kerwin.

          Unterstützung für seine Mauerpläne erhielt Trump vom Pastor der First Baptist Dallas Church, Robert Jeffress. Der evangelikale Geistliche bezeichnete den Grenzwall unter Verweis auf Bibelstellen als moralisch gerechtfertigt. In der Fernsehsendung „Fox & Friends“ sagte er, die Schriften der Offenbarung deuteten darauf hin, dass sogar der Himmel von einer Mauer umgeben sei. „Nicht jeder wird reingelassen. Wenn also Mauern unmoralisch sind, dann ist Gott unmoralisch.“

          Christen sind laut Umfrage gespalten

          Die Bibel lehre, dass die Hauptverantwortung der Regierung darin bestehe, die Ordnung aufrechtzuerhalten, so Jeffress. „Es ist nichts falsch daran, dafür eine Mauer zu benutzen.“ Der Pastor behauptete, Gott habe Nehemia, einen jüdischen Führer aus dem fünften vorchristlichen Jahrhundert, zum Bau einer Mauer um Jerusalem angewiesen, um seine Bürger zu schützen.

          In Umfragen des „Public Religion Research Institute“ (PRRI) äußern amerikanische Christen gemischte Gefühle gegenüber der Mauer. Demnach neigen weiße Christen dazu, den Bau entlang der Grenze zu unterstützen, darunter 67 Prozent der weißen Evangelikalen, 52 Prozent der weißen Mainline-Protestanten und 56 Prozent der Katholiken.

          Dagegen sind 73 Prozent der hispanischen Katholiken, 66 Prozent der hispanischen Protestanten und 70 Prozent der schwarzen Protestanten gegen die Grenzmauer. Trump besucht an diesem Donnerstag die Grenze in Texas.

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