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Internationale Reaktionen : Von der Leyen begrüßt Trumps Afghanistan-Pläne

  • Aktualisiert am

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) bei einem Besuch der Division Schnelle Kräfte in Stadtallendorf Bild: EPA

Donald Trump will die amerikanischen Truppen in Afghanistan aufstocken und den Kampf gegen die Taliban intensivieren. Die Verteidigungsministerin hält das für richtig. Doch einer Forderung Trumps erteilt sie eine Absage.

          Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat begrüßt, dass die Vereinigten Staaten ihr Engagement in Afghanistan fortsetzen und nicht beenden. Es sei positiv, dass die Vereinigten Staaten jetzt lageabhängig ihre weiteren Schritte entscheiden und nicht nach dem Wahlkalender, sagte die Ministerin am Dienstag beim Besuch eines Marine-Ausbildungszentrums in Eckernförde. Positiv sei außerdem, in Afghanistan die Bereiche militärische Einsätze, Entwicklungshilfe und Diplomatie zu vernetzen und als ein Konzept zu betrachten.

          Langfristig müsse Afghanistan selbst die Verantwortung übernehmen, um die radikalislamischen Taliban zu bekämpfen und die Zukunft des Landes zu gestalten. Auf die Frage, ob Deutschland seine Truppen in Afghanistan aufstocken werde, verwies von der Leyen darauf, dass die Bundeswehr im vergangenen Jahr ihre Truppenstärke um 18 Prozent erhöht habe, während andere Länder Truppen abzogen hätten. Sie sehe daher die Bundeswehr nicht an erster Stelle für eine weitere Verstärkung. Auf die Nachfrage, ob sie dem amerikanischen Verteidigungsminister James Mattis irgendwelche Zusagen gemacht habe, sagte von der Leyen: „Es ist überhaupt nicht über Zahlen gesprochen worden.“

          Auch die Bundesregierung reagierte zustimmend auf die vom amerikanischen Präsidenten Donald Trump vorgestellte Afghanistan-Strategie. „Die Bundesregierung begrüßt die Bereitschaft der Vereinigten Staaten, sich weiterhin langfristig in Afghanistan zu engagieren“, sagte eine Regierungssprecherin. „Unser gemeinsames Ziel ist, dass von afghanischem Boden keine Terroranschläge ausgehen“, fügte sie hinzu.

          Trump hatte am Montag (Ortszeit) nach langer interner Diskussion seine Afghanistan-Strategie verkündet. Er rückte dabei von seiner früheren Kritik an dem Einsatz am Hindukusch ab. Ein übereilter Abzug der amerikanischen Truppen würde ein „Vakuum“ für „Terroristen“ hinterlassen, sagte der amerikanische Präsident. Trump machte vielmehr den Weg für eine Aufstockung der amerikanischen Truppen in Afghanistan frei.

          Auch die Bundesregierung betonte: „Auf dem Weg zur Stabilisierung des Landes ist unser Einsatz weiterhin notwendig. Es ist richtig und die Bundesregierung hat lange dafür geworben, dass ein Ende des Einsatzes an die Bedingungen vor Ort geknüpft wird.“

          Nato-Generalsekretär begrüßt Trumps Afghanistan-Pläne

          Auch Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg begrüßte das Bekenntnis Trumps zum Kampf gegen die radikalislamischen Taliban in Afghanistan. Das Bündnis stehe weiter uneingeschränkt zu dem Land, kommentierte Stoltenberg. Es bleibe das Ziel der Nato, dass Afghanistan nie wieder ein sicherer Rückzugsort für Terroristen werde, die Alliierte oder deren Partner angreifen wollten.

          Stoltenberg erinnerte zugleich daran, dass der Afghanistaneinsatz der Nato gestartet worden war, um die Vereinigten Staaten nach den Anschlägen im September 2001 im Kampf gegen den Terrorismus zu unterstützen. Zudem wies er darauf hin, dass sich in den vergangenen Wochen bereits mehr als 15 Länder dazu bereit erklärt hätten, die Zahl ihrer Truppen für den Afghanistan-Einsatz der Nato noch einmal aufzustocken.

          Nach Angaben der Nato sind derzeit etwa 12.400 Soldaten im Einsatz, um afghanische Sicherheitskräfte auszubilden und zu beraten. Angesichts der angespannten Sicherheitslage sollen es im kommenden Jahr eigentlich etwa 15.800 werden. Bis zuletzt war allerdings unklar, ob und in welchen Umfang sich die Vereinigten Staaten an der geplanten Aufstockung beteiligen. Auch Trump nannte in seiner Rede zur neuen Afghanistan-Strategie keine Zahlen.

          Stoltenberg erklärte, er werde nun mit dem amerikanischen Verteidigungsminister Mattis und den anderen internationalen Partnern klären, wie es weitergehe. Details nannte er nicht. Mattis deutete eine Truppenverstärkung indirekt an, indem er in einer Erklärung sagte, mehrere Verbündete hätten sich „ebenfalls“ zur Erhöhung ihrer Truppenstärke bekannt.

          Ghani bedankt sich für Engagement

          Auch der afghanische Staatschef Aschraf Ghani lobte Trumps Entscheidung. Seine Ankündigung sei ein Beleg für das „fortdauernde Engagement“ der Vereinigten Staaten als einer der wichtigsten Partner in dem Konflikt, schrieb Ghani am Dienstag in den sozialen Medien.

          „Ich bin Präsident Donald Trump und dem amerikanischen Volk dankbar für die Bestätigung ihrer Unterstützung für unsere Bemühungen, auf eigenen Beinen zu stehen“, erklärte der afghanische Präsident.

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