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Unsummen im Wahlkampf : Das Weiße Haus des Geldes

Die durchschnittliche Spendensumme für Bernie Sanders liegt bei 18,07 Dollar. Bild: dpa

Wer keine Fernsehspots kaufen kann, hat das Nachsehen beim Kampf um die Aufmerksamkeit der demokratischen Wähler. Die Konkurrenz der Milliardäre macht es noch schwerer – aber manche Kandidaten sind davon unbeeindruckt.

  • -Aktualisiert am
          5 Min.

          Der Frust war Amy Klobuchar anzumerken, als sie in einem Fernsehinterview kürzlich sagte, sie könne nicht mit Milliardären konkurrieren und auch nicht für 30 Millionen Dollar Fernsehwerbung schalten. Die Senatorin aus Minnesota gehört je nach Umfrageinstitut zum Mittelfeld oder zu den Underdogs des Vorwahlkampfes der Demokraten. Ihr Durchschnitts-Zustimmungswert bei „Real Clear Politics“ liegt bei 2,6 Prozent und mit rund 17,4 Millionen Dollar in der Wahlkampfkasse muss sie sparsam haushalten. Geld ist wieder einmal zu einem beherrschenden Thema der innerparteilichen Auseinandersetzung geworden, spätestens, seit mit Tom Steyer und Michael Bloomberg zwei Milliardäre ins Rennen einsteigen. Doch es hat auch bei den letzten Wahlen stets eine entscheidende Rolle gespielt. Immer teurer wurden die Wahlkämpfe, bei denen die Kandidaten monatelang die Fernsehkanäle mit Videospots fluten und durchs Land reisen.

          Den letzten Rekord gab es beim Wahlkampf von Barack Obama gegen Mitt Romney 2012. Laut der Bundeswahlkommission hatten alle Kandidaten am Ende zusammen fast 1,4 Milliarden Dollar eingesammelt. Doch mitten im Vorwahlkampf, im Dezember 2011, hatten alle Bewerber erst 280,9 Millionen Dollar Spenden erhalten. Diesmal kamen schon bis September bei allen Kandidaten einschließlich Donald Trump 653 Millionen Dollar an. Davon hatten sie 445,2 Millionen Dollar Ende September bereits für Werbespots, Flyer und herumreisende Wahlkämpfer ausgegeben.

          Der Präsident sammelt Spendendollars über mehrere Super-PACs (Political Action Commitees). Er nahm in den ersten drei Quartalen 2019 bereits 165,7 Millionen Dollar ein, seine innerparteilichen Herausforderer kamen auf vergleichsweise magere 12,3 Millionen. Die Demokraten sammelten mit ihrem Versprechen, Trump abzulösen, bisher mehr Geld ein. Gemeinsam kamen sie nach der Bilanz des dritten Quartals auf 475,6 Millionen Dollar.

          Der bislang unangefochtene Fundraising-Gewinner ist Bernie Sanders. Mit 74,5 Millionen gespendeten Dollar setzte er sich deutlich von Elizabeth Warrens 60,3 und Pete Buttigiegs 51,5 Millionen ab. Joe Biden, der in den Umfragen zwar nach wie vor führt, hatte bislang ein Problem beim Spendensammeln. Seine 37,8 Millionen Dollar reichen nach Ansicht vieler Fachleute nicht, um große Fernseh-Kampagnen zu starten und gleichzeitig überall Wahlkampf in der Fläche zu machen. Bidens Bilanz im dritten Quartal war vor allem im Vergleich zu seinen wichtigsten Konkurrentinnen schwach. So konnte er zwischen Juni und September nur 15,7 Millionen Dollar Spenden sammeln, während etwa Warren allein im dritten Quartal 24,7 Millionen einnahm.

          Im dritten Quartal wurde allerdings auch deutlich, dass die Milliardäre der Kampagne alle anderen Bewerber in den Schatten stellen werden, wenn es ums Geld geht. Tom Steyer hatte nämlich mit 49,6 Millionen Dollar mehr Einnahmen für seine Wahlkampfkasse als alle anderen Kandidaten. Nur zwei Millionen davon waren Spenden, 47,6 Millionen Dollar kamen aus Steyers Privatvermögen. Damit setzte der Unternehmer sich an die Spitze, zumindest was die reinen Einnahmen anging.

          35 Millionen Dollar Sendezeit für Bloomberg

          Michael Bloomberg wird ihm diesen Rang locker ablaufen, wenn die Zahlen aus dem vierten Quartal veröffentlicht werden. Als er Ende November in das Rennen um die Präsidentschaftskandidatur einstieg, kaufte er allein für 35 Millionen Dollar Sendezeit für TV-Wahlspots. Inzwischen wuchsen seine Ausgaben dafür laut dem „Wall Street Journal“ schon auf 85 Millionen Dollar an. Mehrere Medien spekulierten inzwischen darüber, ob der ehemalige New Yorker Bürgermeister wirklich Präsident werden wolle, oder ob es ihm darum gehe, alle Kanäle mit Anti-Trump-Botschaften dominieren zu können.

          Für Präsidentschaftskandidaten gelten in den meisten regionalen TV-Märkten niedrigere Preise als etwa für PAC's, so dass Bloomberg mehr Sendezeit kaufen könnte, spekulierte etwa „Business Insider“. Bloombergs Kritiker fragen sich dennoch, warum er sein Geld nicht nutzte, um einen Kandidaten zu unterstützen. Der Milliardär, dessen Vermögen auf mindestens 52 Milliarden Dollar geschätzt wird, kann in seiner Kampagne ganz ohne Spenden auskommen, was ihm von Sanders und anderen den Vorwurf einbrachte, er wolle die Präsidentschaft kaufen. An der letzten Fernseh-Debatte des Jahres wird Bloomberg am 19. Dezember wohl nicht teilnehmen, weil er sich nicht qualifizieren konnte.

          Pete Buttigieg setzt auf online

          Als besonders bemerkenswert gelten die Fundraising-Erfolge von Pete Buttigieg, bislang Bürgermeister von South Bend in Indiana. Buttigieg, der im Januar 38 Jahre alt wird, gelangte in einer Umfrage in Iowa kürzlich auf den ersten Platz – von der Spitze des Bewerberfeldes trennen ihn in anderen Bundesstaaten wie South Carolina allerdings zweistellige Werte. Nach Steyer, Sanders und Warren konnte er im dritten Quartal 19,2 Millionen Dollar Spenden einsammeln und lag damit noch vor Joe Biden. Buttigieg gibt viel Geld für Online-Werbung aus. Im dritten Quartal zahlte er 4,7 Millionen Dollar an Facebook, Google und andere Anbieter. Buttigieg gewann auch die Unterstützung von liberalen Wall-Street-Bankern und vielen Prominenten, die ihm die maximale Summe von 2800 Dollar gaben – darunter Galeriebetreiber Larry Gagosian oder Designer Wes Gordon.

          Wo Buttigieg sehr erfolgreich Geld einsammelt, aber mit einem Durchschnitt von 9 Prozent eher das Umfrage-Mittelfeld bildet, kann Biden seine Umfrageerfolge von um die 30 Prozent nicht recht in Geld verwandeln – bislang. Denn kürzlich änderte der ehemalige Vizepräsident ein entscheidendes Element seiner Fundraising-Strategie: So wird er in Zukunft nicht mehr auf Spenden von PACs verzichten, die auch größere Summen einwerben können. Der ehemalige Vizepräsident machte in dieser Hinsicht eine Kehrtwende. Biden erhofft sich nun einen Durchbruch beim Geldsammeln, nachdem Ende November das Super PAC „Unite the Country“ für ihn an den Start ging. Die Gruppe kündigte an, sie könne in kürzester Zeit große Summen organisieren und ausdauernd Fernsehwerbung in Iowa schalten. In dem Bundesstaat, wo Anfang Februar der erste Vorwahl-„Caucus“ stattfindet, kaufte die Biden-Kampagne bereits für vier Millionen Dollar Sendezeit. Trumps Team hatte dort für 500.000 Dollar Spots verbreitet, die Biden direkt für die Geschäfte seines Sohnes Hunter mit dem ukrainischen Gasversorger Burisma angriffen. Eine Sprecherin der Biden-Kampagne sagte gegenüber der „New York Times“, es sei Trump, der entschieden habe, dass der allgemeine Wahlkampf bereits jetzt beginne. Biden sei nach wie vor dafür, den Einfluss des großen Geldes auf politische Kampagnen einzudämmen – doch nichts könne sich ändern, „bevor wir nicht Donald Trump besiegt haben“, so die Rechtfertigung für die PAC-Kehrtwende.

          Sanders sammelt die meisten Einzelspenden – aus Prinzip

          Das sehen besonders die Unterstützer von Bernie Sanders anders. Sanders wich nie von seinem Prinzip ab, keine Großspenden über PAC's anzunehmen. Bei der Pro-Kopf-Grenze von 2800 Dollar pro Wahlturnus ist bei ihm Schluss. Auf diese Weise sammelte Sanders mit vier Millionen Einzelspenden die weitaus meisten ein. Als die „New York Times“ Anfang August eine Grafik veröffentlichte, um die geographische Verteilung von Spenden für einzelne Kandidaten zu zeigen, wäre die mit Sanders zu unübersichtlich geworden – daher gab es eine Gesamtübersicht, auf der andere Kandidaten aber kaum sichtbar waren, sowie eine Karte mit „den meisten individuellen Spenden, wenn Sanders nicht berücksichtigt ist“. Die meisten der Sanders-Geldgeber, die oft mehrfach spenden, geben als Beruf „Lehrer“ an. Bei den Zuwendungen von Festangestellten wird auch nach dem Arbeitgeber gefragt. Die Menschen, die dem linken Senator aus Vermont ihr Geld geben, arbeiten am häufigsten bei Starbucks, Amazon und Walmart. Die durchschnittliche Spendensumme für Sanders liegt bei 18,07 Dollar. Laut dem Magazin „Politico“ hat von den wichtigsten Kandidaten nur Warren einen vergleichbaren Anteil an Kleinspenden wie Sanders – wenn auch nicht annähernd so viele einzelne Geldgeber. Der Anteil von Spenden unter 200 Dollar beträgt bei der Senatorin aus Massachusetts sechzig Prozent. Ihre Spender kommen eher als die von Sanders aus dem Akademiker-Milieu.

          Die kleinen Spenden kommen besonders oft über Online-Kampagnen zusammen. Das Internet-Portal der Demokraten, „Act Blue“ wollen die Republikaner mit dem im Sommer gegründeten „WinRed“ nun möglichst in den Schatten stellen. Die Demokraten hatten für die Midterm-Kongresswahlen im November 2018 die Rekordsumme von 1,5 Milliarden Dollar eingesammelt. Laut der Partei nutzten 64 Prozent der Spender dabei „Act Blue“ für die Online-Zahlung und über die Hälfte gaben Geld über ein mobiles Endgerät. Trump bezeichnete das Portal der Demokraten beim Start von „WinRed“ als „Geldmaschine“, mit der man nun mithalten werde. Biden, Sanders, Warren und Klobuchar forderten in dieser Woche unterdessen, Präsidentschaftswahlkämpfe öffentlich zu finanzieren.

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