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Unsummen im Wahlkampf : Das Weiße Haus des Geldes

  • -Aktualisiert am

Pete Buttigieg setzt auf online

Als besonders bemerkenswert gelten die Fundraising-Erfolge von Pete Buttigieg, bislang Bürgermeister von South Bend in Indiana. Buttigieg, der im Januar 38 Jahre alt wird, gelangte in einer Umfrage in Iowa kürzlich auf den ersten Platz – von der Spitze des Bewerberfeldes trennen ihn in anderen Bundesstaaten wie South Carolina allerdings zweistellige Werte. Nach Steyer, Sanders und Warren konnte er im dritten Quartal 19,2 Millionen Dollar Spenden einsammeln und lag damit noch vor Joe Biden. Buttigieg gibt viel Geld für Online-Werbung aus. Im dritten Quartal zahlte er 4,7 Millionen Dollar an Facebook, Google und andere Anbieter. Buttigieg gewann auch die Unterstützung von liberalen Wall-Street-Bankern und vielen Prominenten, die ihm die maximale Summe von 2800 Dollar gaben – darunter Galeriebetreiber Larry Gagosian oder Designer Wes Gordon.

Wo Buttigieg sehr erfolgreich Geld einsammelt, aber mit einem Durchschnitt von 9 Prozent eher das Umfrage-Mittelfeld bildet, kann Biden seine Umfrageerfolge von um die 30 Prozent nicht recht in Geld verwandeln – bislang. Denn kürzlich änderte der ehemalige Vizepräsident ein entscheidendes Element seiner Fundraising-Strategie: So wird er in Zukunft nicht mehr auf Spenden von PACs verzichten, die auch größere Summen einwerben können. Der ehemalige Vizepräsident machte in dieser Hinsicht eine Kehrtwende. Biden erhofft sich nun einen Durchbruch beim Geldsammeln, nachdem Ende November das Super PAC „Unite the Country“ für ihn an den Start ging. Die Gruppe kündigte an, sie könne in kürzester Zeit große Summen organisieren und ausdauernd Fernsehwerbung in Iowa schalten. In dem Bundesstaat, wo Anfang Februar der erste Vorwahl-„Caucus“ stattfindet, kaufte die Biden-Kampagne bereits für vier Millionen Dollar Sendezeit. Trumps Team hatte dort für 500.000 Dollar Spots verbreitet, die Biden direkt für die Geschäfte seines Sohnes Hunter mit dem ukrainischen Gasversorger Burisma angriffen. Eine Sprecherin der Biden-Kampagne sagte gegenüber der „New York Times“, es sei Trump, der entschieden habe, dass der allgemeine Wahlkampf bereits jetzt beginne. Biden sei nach wie vor dafür, den Einfluss des großen Geldes auf politische Kampagnen einzudämmen – doch nichts könne sich ändern, „bevor wir nicht Donald Trump besiegt haben“, so die Rechtfertigung für die PAC-Kehrtwende.

Sanders sammelt die meisten Einzelspenden – aus Prinzip

Das sehen besonders die Unterstützer von Bernie Sanders anders. Sanders wich nie von seinem Prinzip ab, keine Großspenden über PAC's anzunehmen. Bei der Pro-Kopf-Grenze von 2800 Dollar pro Wahlturnus ist bei ihm Schluss. Auf diese Weise sammelte Sanders mit vier Millionen Einzelspenden die weitaus meisten ein. Als die „New York Times“ Anfang August eine Grafik veröffentlichte, um die geographische Verteilung von Spenden für einzelne Kandidaten zu zeigen, wäre die mit Sanders zu unübersichtlich geworden – daher gab es eine Gesamtübersicht, auf der andere Kandidaten aber kaum sichtbar waren, sowie eine Karte mit „den meisten individuellen Spenden, wenn Sanders nicht berücksichtigt ist“. Die meisten der Sanders-Geldgeber, die oft mehrfach spenden, geben als Beruf „Lehrer“ an. Bei den Zuwendungen von Festangestellten wird auch nach dem Arbeitgeber gefragt. Die Menschen, die dem linken Senator aus Vermont ihr Geld geben, arbeiten am häufigsten bei Starbucks, Amazon und Walmart. Die durchschnittliche Spendensumme für Sanders liegt bei 18,07 Dollar. Laut dem Magazin „Politico“ hat von den wichtigsten Kandidaten nur Warren einen vergleichbaren Anteil an Kleinspenden wie Sanders – wenn auch nicht annähernd so viele einzelne Geldgeber. Der Anteil von Spenden unter 200 Dollar beträgt bei der Senatorin aus Massachusetts sechzig Prozent. Ihre Spender kommen eher als die von Sanders aus dem Akademiker-Milieu.

Die kleinen Spenden kommen besonders oft über Online-Kampagnen zusammen. Das Internet-Portal der Demokraten, „Act Blue“ wollen die Republikaner mit dem im Sommer gegründeten „WinRed“ nun möglichst in den Schatten stellen. Die Demokraten hatten für die Midterm-Kongresswahlen im November 2018 die Rekordsumme von 1,5 Milliarden Dollar eingesammelt. Laut der Partei nutzten 64 Prozent der Spender dabei „Act Blue“ für die Online-Zahlung und über die Hälfte gaben Geld über ein mobiles Endgerät. Trump bezeichnete das Portal der Demokraten beim Start von „WinRed“ als „Geldmaschine“, mit der man nun mithalten werde. Biden, Sanders, Warren und Klobuchar forderten in dieser Woche unterdessen, Präsidentschaftswahlkämpfe öffentlich zu finanzieren.

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