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Unruhen in Amerika : Polizist in Las Vegas lebensgefährlich verletzt

  • Aktualisiert am

Bei der „Black lives matter“-Demonstration am Montag in Las Vegas Bild: AFP

Im Schatten der Proteste gegen Rassismus werden in mehreren Städten Polizisten angeschossen. In Las Vegas wird ein bewaffneter Angreifer getötet, in St. Louis in Missouri sind vier Beamte mit Schusswunden im Krankenhaus.

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          Die Unruhen in den Vereinigten Staaten dauern an und nehmen stellenweise an Schärfe zu. In mehreren Bundesstaaten sind Polizisten in der Nacht zum Dienstag angeschossen worden. In Las Vegas schwebt ein Beamter in Lebensgefahr, nachdem ein Angreifer ihm in den Kopf geschossen hat. Die Polizisten seien bei dem Vorfall nahe dem Circus-Hotel und -Kasino auf der berühmten Ausgehmeile Las Vegas Strip aus der Menge heraus mit Flaschen und Steinen beworfen worden, sagte Sheriff Joseph Lombardo in einer nächtlichen Pressekonferenz. Als sie Festnahmen durchführen wollten, sei der Schuss gefallen und der Polizist zu Boden gegangen. Der Schütze sei festgenommen worden.

          Bei einem zweiten Vorfall auf dem Las Vegas Boulevard haben vor dem Bundesgerichtsgebäude stationierte Polizisten einen Angreifer erschossen. Der Mann soll mehrere Waffen und eine kugelsichere Weste getragen haben. Nach Angaben der Polizei schossen die Beamten auf ihn, als er eine Waffe ziehen wollte. Er wurde im Krankenhaus für tot erklärt. „Eine Tragödie führt zu einer weiteren“, sagte Sheriff Lombardo. Die Demonstration in Las Vegas hatte am Trump Tower begonnen und war zunächst friedlich verlaufen. Zum Ende hin geriet die Lage außer Kontrolle, die Polizei setzte Gummigeschosse und Tränengas ein.

          „Gott sei dank leben sie noch“

          In St. Louis, der größten Stadt im Bundesstaat Missouri, wurden vier Beamte mit Schusswunden in Armen, Beinen und Füßen ins Krankenhaus gebracht. Nach Angaben der Polizei hatten in der Stadt einige tausend Menschen gegen Rassismus und Polizeigewalt demonstriert. Eine Gruppe von etwa 200 Menschen habe jedoch gar nicht die Absicht gehabt zu protestieren, sagte der Polizeichef von St. Louis, John Hayden, in der Nacht. Sie hätten Geschäfte geplündert, Polizisten mit Steinen und Feuerwerkskörpern beworfen. Hayden sprach von „Kindern“, die „verrückt“ geworden seien. In diesem Tumult seien die Polizisten unter Beschuss geraten. „Ich denke, irgend ein Feigling hat wahllos geschossen“, sagte Hayden. Die Polizisten hätten „außerordentliche Zurückhaltung“ an den Tag gelegt. „Sie standen nur da, sie taten nichts.“

          „Während wir hier sprechen, versuchen wir, die Kontrolle über die Stadt zu gewinnen“, sagte Hayden weiter. „Gott sei dank leben (die Polizisten) noch.“ Alle Beamte sind bei Bewusstsein, niemand ist lebensgefährlich verletzt worden.

          Der Polizeichef war in der kurzen Presseunterrichtung sichtlich aufgewühlt und kämpfte zeitweise mit Tränen. Der Tod des Schwarzen George Floyd, der die tagelangen Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt ausgelöst hatte, sei tragisch, sagte Hayden, selbst ein Afroamerikaner. Aber er verstehe diese Gewalt nicht. „Können wir irgendeinen Sinn darin finden?“, fragte Hayden. Einige Menschen hätten sich dazu entschlossen zu stehlen. „Ich verstehe nicht, was das mit dem Tod von George Floyd zu tun hat.“

          Bei Protesten gegen Polizeigewalt in Cicero, einem Vorort von Chicago, kamen Medienberichten zufolge zwei Menschen ums Leben. Mindestens 60 wurden festgenommen, wie die Fernsehsender NBC und CBS unter Berufung auf örtliche Behörden berichteten. Einer bislang unbestätigten Meldung einer Journalistin zufolge sind auch in Richmond in Virginia zwei Polizisten und ein Verdächtiger mit Schussverletzungen ins Krankenhaus gebracht worden.

          Das ganze Land ist in Aufruhr, seit der unbewaffnete Schwarze George Floyd von einem weißen Polizisten in Minneapolis minutenlang zu Boden gedrückt wurde und verstarb. Alle Bitten des Afroamerikaners, ihn atmen zu lassen, ignorierte der Polizist. Floyds vermutlich letzte Worte „Ich kann nicht atmen“ sind nun Schlachtruf der Demonstranten. Präsident Donald Trump hatte am Montag (Ortszeit) angekündigt, das Militär einzusetzen, um die Lage im Land zu befrieden – notfalls auch gegen den Willen der in den Bundesstaaten regierenden Gouverneure. Über die Hauptstadt Washington flogen in der Nacht Militärhubschrauber vom Typ Black Hawk mit Suchscheinwerfern. Im Tiefflug wirbelten die Helikopter Sand und Steine auf. Videos davon wurden auf Twitter verbreitet.

          Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell verurteilte den Tod Floyds durch einen gewaltsamen Polizeieinsatz am Dienstag scharf. „Dies ist ein Machtmissbrauch, der angeprangert und bekämpft werden muss“, sagte Borrell in Brüssel. Er verlangte eine Aufklärung des Falls und sprach von einem „exzessiven Einsatz von Gewalt“ durch Sicherheitskräfte.

          George Floyds Bruder Terrence Floyd forderte die Demonstranten am Montag (Ortszeit) dazu auf, friedlich zu bleiben. Bei einer Mahnwache in Minneapolis sagte er, sein Bruder hätte keine Gewalt gewollt. Statt dessen empfahl Terrence Floyd allen Anwesenden, sich politisch zu informieren und an Wahlen teilzunehmen. In den Vereinigten Staaten wird im November ein neuer Präsident gewählt.

          „BLM“ – „Black Lives Matter“ steht auf dieser amerikanischen Flagge bei Protesten in Denver, Colorado. Bilderstrecke

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