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Wie übersetzt man Trump? : Sind die Deutschen „böse“ oder „schlecht“?

  • Aktualisiert am

Präsident Donald Trump Bild: Reuters

Was meint Präsident Donald Trump, wenn er sagt: „The Germans are bad, very bad“? Vom Problem, eine treffende Übersetzung zu finden.

          2 Min.

          Wieder sorgt ein Zitat von Donald Trump für Irritationen: „The Germans are bad, very bad“, soll der Präsident in einer Diskussion über den deutschen Handelsüberschuss gegenüber Amerika gesagt haben. Wie übersetzt man das richtig ins Deutsche?

          Viele Medien machten aus dem Trump-Zitat: „Die Deutschen sind böse, sehr böse.“ EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker hält das für einen Übersetzungsfehler. Juncker – obgleich nach eigenem Bekunden „kein Spezialist im Englischen, wie man weiß“ – versuchte sich ebenfalls an einer Trump-Übersetzung: „,Bad‘ heißt nicht böse, schlecht reicht.“

          Nun kann man darüber streiten, ob die Aussage, die Deutschen seien „schlecht, sehr schlecht“ wirklich viel schmeichelhafter wäre. Dessen ungeachtet spricht viel dafür, dass „böse“ in dem Zusammenhang durchaus eine korrekte Übersetzung wäre, obwohl Trump nicht ausdrücklich „evil“ sagte, was die ganze Diskussion überflüssig gemacht hätte.

          „Böser (oder kranker) Typ“

          Trump ist ja offensichtlich der Meinung, dass die Deutschen auf dem Weltmarkt egoistisch, rücksichtslos und unfair agierten. „Schlecht“ klingt in diesem Zusammenhang schon fast zu zurückhaltend, treffender wäre wohl „bösartig“. Oder eben kurz: „böse“. Da gibt es durchaus eine Überschneidung zwischen dem amerikanischen „bad“ sowie „evil“ und „nasty“.

          Allenfalls könnte man noch zu „schlimm“ greifen. Da Trump allerdings die Deutschen bekanntermaßen auf dem Kieker hat, wäre auch das eigentlich noch zu milde. „Böse“ unterstreicht dagegen die Komponente der Absicht, also des absichtlichen Fehlverhaltens. Und das unterstellt der Präsident den Deutschen nun einmal.

          Es lohnt sich auch ein Blick in andere Trump-Zitate: Wen findet der Präsident noch alles „bad“? Da finden sich die Deutschen plötzlich in der Gesellschaft von Nordkorea (bedroht mit seiner Atombombe die ganze Welt) und mexikanischen Drogenbanden (schrecken auch vor Mord nicht zurück) wieder. Geht es überhaupt noch böser?

          Trump verwendete den Ausdruck „bad“ auch schon für Journalisten der „New York Times“, die er bekanntermaßen verachtet, ja hasst. Kritischen Medien unterstellt er, bewusst zu lügen und zu täuschen. Auch dahinter steckt seiner Meinung nach eine verwerfliche, niederträchtige Absicht. Seinen Amtsvorgänger Barack Obama bezeichnete Trump einst als „bad guy“ und schob noch – in Klammern – ein: „or sick“, also als „bösen (oder kranken) Typen“.

          Betrügerische Absicht?

          Die Übersetzung „schlecht“ passt allenfalls, wenn Trump etwa über Obamacare lästert und von einer „schlechten Gesundheitsfürsorge“ redet. Da fehlt dann die betrügerische Absicht dahinter. Es könnte auch gemeint sein, dass Obamas Gesundheitsreform einfach dysfunktional sei, übermäßig bürokratisch, ineffizient, teuer.

          „Bad“ im Sinne von „schlecht“ waren Trump zufolge auch die Einschaltquoten der TV-Show „The Apprentice“, seit Arnold Schwarzenegger die Sendung übernommen hat. Bekanntlich sagte Trump über seinen Nachfolger: „Er wurde wegen seiner schlechten (oder auch: armseligen) Einschaltquoten gefeuert.“ Das ist ein hartes Urteil, aber es kommt ohne jeden Verdacht daher, Schwarzenegger führe Böses im Schilde.

          Wenn Trump über die Deutschen und ihren Handelsüberschuss spricht, lässt sich das so leider nicht sagen.

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