https://www.faz.net/-gpf-9f6x9

Umstrittene Kavanaugh-Wahl : Das gespaltene Land

  • -Aktualisiert am

Wütender Protest: Donald Trump hat seinen Richterkandidaten Brett Kavanaugh dennoch durchgesetzt. Bild: AFP

Mit knapper Mehrheit hat der Senat Brett Kavanaugh als Richter am Supreme Court bestätigt, noch am Samstagabend ist er offiziell vereidigt worden. Der Riss, der durch die amerikanische Gesellschaft geht, wird immer größer.

          5 Min.

          Wären die alten Sandsteinmauern des amerikanischen Senats nicht so dick, hätten die versammelten Politiker wohl gehört, was 200 Meter von ihnen entfernt auf den Stufen des Supreme Court an diesem Samstagnachmittag aufgeführt wurde: Ein paar Tausend Demonstrantinnen hatten sich versammelt, die Schilder in den Himmel reckten und gegen Brett Kavanaugh skandierten: „Wir glauben den Opfern – Kavanaugh lügt – Schande, Schande, Schande“. Gegen kurz nach 15 Uhr Ortszeit, eine halbe Stunde vor der entscheidenden Wahl im Senat, ergriff eine junge Frau das Mikrofon und stimmte einen alten Klassiker von Sam Cooke an: „It’s been a long time coming, but I know a change is gonna come.“

          Um 16:04 Uhr bestätigte dann Vizepräsident Mike Pence im Senats höchstpersönlich, dass sich von nun an in der Tat etwas verändern würde. Der Protokollführer reichte ihm den Zettel mit dem amtlichen Endergebnis. „Gibt es noch irgendwelche anwesenden Senatoren, die noch wählen wollen oder ihre Wahl ändern möchten?“, fragte Donald Trumps Stellvertreter in den Saal. „Falls dem nicht so ist: In dieser Wahl haben wir 50 Ja-Stimmen, 48 Nein-Stimmen. Die Nominierung von Brett M. Kavanaugh aus Maryland als Richter am Supreme Court der Vereinigten Staaten ist damit bestätigt.“

          Es war der Satz, der alles amtlich und den Schwur nur noch zu einer Formalität machte: Die wochenlange Auseinandersetzung um Brett Kavanaugh hatte ihr plötzliches Ende gefunden – trotz wiederholter Vorwürfe wegen sexueller Belästigung hatte der Republikanische Teil des Senats sich nicht davon abbringen lassen, ihn in den Sitz am Supreme Court zu hieven.

          Es war mucksmäuschenstill im Saal

          Hieven deshalb, weil es am Ende ein Kraftakt der Konservativen war, der zu seiner knappen Bestätigung geführt hatte. Ohne die fünf, sechs Zwischenrufe aus den Besucherrängen („Schämt Euch!“, „Amerikas Frauen haben mehr verdient!“) war es beinah mucksmäuschenstill im Saal. Alle wollten hören, ob nicht doch ein Politiker ausscheren würde, um Kavanaugh zu kippen. Namentlich aufgerufen erhoben sich die Senatoren von ihren Sitzen und gaben ihre Antwort: Yea – Nay – Yea – Nay – Nay – Yea …

          Jedes weitere „Yea“ aus den Rängen der Republikaner klang wie ein Hammerschlag auf den Nagel, auf den sie einmal Kavanaughs Porträt in der Ahnengalerie der Supreme-Court-Richter hängen werden. Schlussendlich stimmten die Senatoren mehrheitlich nach Fraktionslinie ab: Die Demokraten wandten sich bis auf Senator Joe Manchin aus West Virginia alle gegen Kavanaugh. Die Republikanerin Lisa Murkowski aus Alaska enthielt sich. Weil Senator Steve Daines aus Montana am Nachmittag seine Tochter in Montana zum Traualtar führen musste, lautete das Endergebnis 50-48 Stimmen im 100 Politiker umfassenden Senat. Mike Pence, der an diesem Nachmittag den Senatsvorsitz übernahm, zählte zusammen und ließ den Hammer als Letzter fallen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Offensive in Nordsyrien : Erdogan verspottet Trump

          Der türkische Präsident verspottet nicht nur den deutschen Außenminister Maas, sondern auch den amerikanischen Präsidenten Trump für dessen Tweets. Verwirrung gab es über ein Treffen mit Vizepräsident Pence und Außenminister Pompeo in Ankara.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.