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Umstrittene Kavanaugh-Wahl : Das gespaltene Land

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Die einwöchige FBI-Untersuchung, die am vergangenen Mittwoch zu Ende ging, konnte nicht final klären, wer recht hat, nur dass Kavanaughs Schuld nicht erhärtet werden konnte. Für unzählige Demokraten war das nicht genug. Und so ist sein Sitz am Supreme Court nicht nur ein Umbruch, weil die konservative Ausrichtung des Gerichts auf Jahrzehnte hin gesichert sein könnte, sondern auch, weil die Zwischenwahlen am 6. November, die sogenannten midterm elections, durch Kavanaugh einen anderen Ausgang nehmen könnten.

Lange sah es nicht gut aus für die Republikaner. Jetzt könnte laut einer neuen Umfrage der Umgang mit Kavanaugh in den Medien viele konservative Wähler angestachelt haben, doch zur Wahl zu gehen und für republikanische Kandidaten zu stimmen. Könnten Trumps Parteikollegen in vier Wochen doch die Mehrheit im Abgeordnetenhaus gehalten, wonach es lange nicht aussah?

Daran glauben viele der Demonstrantinnen, die an diesem Samstag vorm Supreme Court gegen Kavanaughs Bestätigung protestieren, natürlich nicht. „Ich bin hier, um die Kultur unseres politischen Systems und unseres Rechtssystems zu verändern“, sagt Erin Whitney, die extra aus Texas angereist ist. „Ich habe nichts gegen sie, aber weißen Männern wird momentan zu viel Einfluss und Macht gegeben. Ich bin hier, um dieses Ungleichgewicht zu kippen.“

Whitney sagt, dass sie als Jugendliche auch Opfer von sexueller Belästigung wurde – wie die meisten Frauen, mit denen sie heute hier gesprochen habe, erzählt sie. So auch Candice, die neben ihr steht: „Ich habe damals meinem Lehrer davon erzählt. Was ich gesagt habe, wurde ignoriert.“ Als sie die Aussage von Blasey Ford am Fernsehen sah, habe sie wie ein Trigger gewirkt. „Als Opfer erinnert man sich vielleicht nicht an das genaue Datum oder die Uhrzeit, vielleicht auch nicht an den Namen. Aber du vergisst nie das Gesicht, was die Person dir angetan hat, und wie du dich gefühlt hast – du fühlst dich nämlich schmutzig.“

Dass die Frau, der sie glauben, jetzt noch einmal zum Opfer von Washingtons Parteipolitik geworden ist und ihr vermeintlicher Täter mit einem Posten als Richter auf Lebenszeit belohnt wird, macht diese Frauen wütend. Und trotzdem scheint es, als ob die Kampfzone im ohnehin schon wahnsinnig polarisierten Amerika noch einmal ausgeweitet wird: Die Unabhängigkeit eines Gerichts, zu dem ein Jurist wie Kavanaugh zählt, der wegen sexueller Belästigung angeschuldigt wurde, sehen sie nicht mehr.

„Der Kampf hat gerade erst begonnen“

„Es ist noch lange nicht vorbei, der Kampf hat gerade erst begonnen“, sagt Camille Mihalic, die aus Baltimore nach Washington angereist ist, um zu protestieren. „Jedes Mal, wenn Kavanaugh sich irgendwo äußert, ein Urteil spricht oder eine Begründung für einen Fall verfasst, werden wir uns mit Händen und Füßen dagegenstemmen.“

Während sich Trump, die vielen weißen Männer unter den Republikanern und Kavanaugh nach der Bestätigung durch den Senat als Sieger fühlen dürften, stehen Christine Blasey Ford und unzählige Frauen mit leeren Händen da. Vorerst. Wie es dazu kommen konnte, dass das Patriarchat mal wieder triumphierte, fasste wahrscheinlich am besten der Mann zusammen, der während der Abstimmung auf der Besuchertribüne im Senat saß. Auf seinem weißen T-Shirt schwang sich folgender Spruch über die breite Männerbrust: „Women for Kavanaugh.“

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