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Umfragen zum Mueller-Bericht : Viele Amerikaner sehen Trump nicht entlastet

  • -Aktualisiert am

Donald Trump am Donnerstag bei einer Kundgebung in Grand Rapids (Michigan). „Der Russland-Schwindel ist endgültig tot“, rief er seinen Anhängern zu. Bild: Reuters

Während Donald Trump den Tod des „Russlands-Schwindels“ feiert, konnte der Mueller-Bericht einer CNN-Umfrage zufolge die Zweifel vieler Amerikaner nicht tilgen. Eine Mehrheit will, dass der Kongress die Untersuchung fortsetzt.

          Vor tausenden jubelnden Anhängern hat Donald Trump am Donnerstag den endgültigen Tod des „Russland-Schwindels“ verkündet – des Vorwurfs der geheimen Absprache zwischen Trumps Wahlkampfteam und Russland mit dem Ziel, die Präsidentenwahl 2016 zu beeinflussen. Dieser Frage war eine Untersuchung des FBI-Sonderermittlers Robert Mueller nachgegangen, doch diese förderte keine Beweise für eine Verschwörung zwischen Trump und dem Kreml zutage. Das kostete der amerikanische Präsident auf einer Kundgebung in Michigan weidlich aus: „Der Sonderermittler hat keine Kollusion oder Justizbehinderung gefunden. Komplette Entlastung!“ Die „Kollusions-Ilusion“ sei damit beendet. „Das war nichts anderes als ein teuflischer Versuch, unseren historischen Wahlsieg 2016 zu untergraben und den Willen des amerikanischen Volks zu sabotieren“, sagte Trump.

          Laut CNN widerspricht ihm da die amerikanische Öffentlichkeit. Der amerikanische Sender ließ das Meinungsforschungsunternehmen SSRS eine Umfrage unter Amerikanern zu dem Mueller-Bericht durchführen. Mehr als die Hälfte der Befragten, 56 Prozent, glauben demnach nicht, dass der Präsident und sein Wahlkampfteam entlastet sind, auch wenn Mueller keine Beweise für geheime Absprachen mit Russland gefunden hat. Ungefähr der gleiche Anteil, nämlich 57 Prozent, will deshalb, dass der Kongress mittels Anhörungen die Ergebnisse des Berichts weiter untersucht.

          Die 43 Prozent, die den Präsidenten als entlastet betrachten, entsprechen jenen 42 Prozent, die in einer früheren CNN-Umfrage angaben, dass Trumps Wahlkampfteam sich nicht mit der russischen Regierung verschworen habe. Das legt für den Sender nahe, dass zumindest die Zusammenfassung des Mueller-Berichts durch Justizminister WIlliam Barr wenig dazu beitrug, die öffentliche Meinung zu ändern.

          Dafür finden sich auch in der aktuellen Umfrage Anzeichen: Jeder Zweite der Befragten sagte, er habe ungeachtet der Untersuchungsergebnisse geplant, 2020 gegen Trump zu stimmen und rücke davon auch nicht ab. Für fast ein Fünftel gilt der umgekehrte Fall: Es will Trump wählen, unbeeinflusst von dem Mueller-Bericht.

          Die Erhebung erfolgte online vom 25. bis zum 26. März. Es wurden mittels eines repräsentativen Auswahlverfahrens 701 Personen befragt. Diese schlüsseln CNN und SSRS nach Geschlecht, Ethnie und Parteizugehörigkeit auf. Dadurch wird sichtbar, dass sich fast ein Drittel der Befragten als Demokraten bezeichnen und nur 26 Prozent als Republikaner – 42 Prozent ordneten sich anderweitig zu. Das schlägt sich in der Umfrage nieder: Eine deutliche Mehrheit der Republikaner von 77 Prozent sehen den Präsidenten und sein Wahlkampfteam vom Mueller-Bericht entlastet, während derselbe Anteil der Demokraten dem widerspricht. 83 Prozent der letzteren verlangen zudem eine Fortführung der Untersuchung durch den Kongress.

          Ähnlich auffallend sind die ethnischen Unterschiede: Eine Mehrheit von fast zwei Dritteln der „non-whites“ (“Nicht-Weißen“) sieht den Präsidenten von den Vorwürfen nicht getilgt und sogar drei Viertel möchten, dass die Untersuchung weitergeht.

          Eine andere Umfrage der Sozialforschungsorganisation „National Opinion Research Center“ (NORC) weicht durch andere Fragestellungen teilweise von den CNN-Ergebnissen ab. Aus dieser gehe hervor, dass eine Mehrheit der Amerikaner zumindest mäßig zuversichtlich ist, dass Muellers Untersuchung fair und unparteiisch war. Ein Drittel sei sogar sehr zuversichtlich. Weniger als die Hälfte der Befragten glaube, dass der Präsident in seinen Beziehungen zu Russland etwas Illegales getan habe. Allerdings seien die meisten Amerikaner doch zumindest besorgt, dass Trumps Wahlkampagne womöglich unangemessene Verbindungen zum Kreml unterhielt. 45 Prozent seien deswegen gar extrem oder sehr besorgt.

          Trump hat kein Verbrechen begangen, ist zwar das Ergebnis des Mueller-Berichts. Doch spricht er ihn – der Zusammenfassung des Justizministers zufolge – auch nicht davon frei. Anders als Trump es in seiner Rede am Donnerstag darstellte, hatte der Sonderermittler in seinem Bericht darauf verzichtet, sich festzulegen, ob der amerikanische Präsident die Justiz behindert hat. Der ehemalige FBI-Direktor James Comey, der im Mai 2017 von Trump entlassen wurde, findet das in einem Interview mit NBC befremdlich. Zwar begrüßt er die Ermittlung, da sie belege, dass „die Russland-Sache kein Schwindel war und dass die Russen sich erheblich in die Wahl 2016 eingemischt haben“. Jedoch verwirre ihn der Teil über die Justizbehinderung und dass Mueller in der Hinsicht zu keinem Schluss kommt: „Die Vorstellung, dass ein Sonderermittler diese Frage gar nicht behandelt und sie stattdessen an die politische Führung überweist, ergibt keinen Sinn. Ich vorverurteile nicht, ich sage nur, dass es nicht direkt Sinn ergibt und ich dadurch viele Fragen habe“, sagte Comey. Um Transparenz herzustellen, müsse laut Comey der komplette Bericht veröffentlicht werden.

          Mit dieser Forderung hat er laut der CNN die breite Mehrheit der Amerikaner hinter sich: Einer dritten Umfrage zufolge denken fast neun von zehn Amerikanern, dass es einen vollständigen, öffentlichen Bericht zu den Untersuchungsergebnissen von Mueller geben sollte.

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