https://www.faz.net/-gpf-8lsz1

Wahl in Amerika : Clintons Sieg-Chancen steigen auf 88 Prozent

  • Aktualisiert am

Die Bühne in der Hofstra University in Hempstead ist bereitet. Bild: AP

Kurz vor dem ersten TV-Duell sind Hillary Clintons Chancen auf die Präsidentschaft gestiegen. Zur Fernsehdebatte haben die Konkurrenten derweil Gäste eingeladen, die den anderen irritieren sollen.

          Sechs Wochen vor der amerikanischen Präsidentschaftswahl fiebern Millionen Bürger der ersten von drei Fernseh-Debatten zwischen den Kandidaten Hillary Clinton und Donald Trump entgegen. In jüngsten Umfragen lagen die Demokratin und der Republikaner nahezu gleichauf. Trotzdem haben sich Clintons Chancen verbessert: Wie aus einer am Montag veröffentlichten Reuters/Ipsos-Erhebung hervorgeht, würde die ehemalige Außenministerin gegenwärtig 259 Stimmen im Wahlmännerkollegium sicher erhalten, ihr republikanischer Rivale Donald Trump dagegen nur 191. Den Berechnungen zufolge besteht demnach eine Wahrscheinlichkeit von 88 Prozent, dass Clinton auf die für einen Sieg erforderliche Zahl von 270 Stimmen kommt.

          Damit hat sie sich um 17 Prozentpunkte im Vergleich zu vorherigen Erhebung vom 16. September verbessert. Die Umfrage basiert auf einer wöchentlichen Online-Befragung von mehr als 15.000 Amerikanern. In den Vereinigten Staaten wird der Präsident nicht direkt vom Volk gewählt. Vielmehr werden entsprechend der Abstimmungsergebnisse in den einzelnen Bundesstaaten Vertreter ins sogenannte Wahlmännerkollegium entsandt. Wegen des Verteilungsschlüssels erhalten die Stimmen aus Bundesstaaten mit einer kleineren Bevölkerung dabei ein größeres Gewicht als es bei einer Direktwahl der Fall wäre.

          Gäste als Sticheleien

          Heute richten sich die Blicken jedoch auf das erste Fernsehduell der beiden Kontrahenten. Um den jeweils anderen vor und während der Debatte zu provozieren, haben beide Kandidaten besondere Gäste eingeladen. Wie der Republikaner-nahe Fernsehsender Fox News unter Berufung auf Parteiquellen berichtet, wird auf Wunsch von Trump Mark Geist im Publikum sitzen. Geist ist Überlebender der Terrorattacke auf das amerikanische Konsulat in Bengasi. Der Anschlag 2012 wird von Kritikern als Folge schwerer Fehler der damaligen amerikanischen Außenministerin betrachtet. Ihr Name: Hillary Clinton. Außerdem sitzen mit Mike Flynn und Keith Kellogg zwei ehemalige Generäle für Trump im Raum.

          Clinton bietet unter anderem Mike Cuban auf, ein milliardenschwerer Unternehmer und einer der führenden Figuren in der Anti-Trump-Bewegung.

          Daraufhin drohte der 70 Jahre alte Trump damit, eine ehemalige Geliebte von Clintons Ehemann Bill zum Fernsehduell einzuladen. Der frühere Präsident hatte als Gouverneur von Arkansas eine Affäre mit dem ehemaligen Model Gennifer Flowers. Nachdem der Trump-Kritiker und Milliardär Mark Cuban angekündigt hatte, am Montag bei der Fernsehdebatte in der ersten Reihe zu sitzen, twitterte Trump: „Wenn der dämliche Mark Cuban in der ersten Reihe sitzen will, werde ich vielleicht Gennifer Flowers direkt neben ihn setzen!“ Die Flowers-Gerüchte bestätigten sich jedoch nicht.

          Debatte ist Chance bei unentschiedenen Wählern

          Trump warb kurz vor dem Fernsehauftritt in der Nacht zum Dienstag (3 Uhr deutscher Zeit) um die Stimmen jüdischer Wähler und erboste damit die Palästinenser. Laut einer Umfrage für die „Washington Post“ und ABC News lagen beide Präsidentschaftskandidaten in der Gunst der registrierten Wähler bei jeweils 41 Prozent. In einer am Montag veröffentlichten Erhebung des Fernsehsenders CNN und des Meinungsforschungsinstituts ORC lagen die beim Wahlvolk gleichermaßen unbeliebten Kandidaten in den entscheidenden Bundesstaaten Pennsylvania und Colorado nur einen Prozentpunkt auseinander.

          Büßte ihren Vorsprung auf Trump in den letzten Wochen ein: die demokratische Kandidatin Hillary Clinton

          Die 90-minütige Fernseh-Debatte könnte bei noch unentschiedenen Wählern den Ausschlag geben und somit über den Ausgang der Wahl am 8. November entscheiden. Beobachter erwarten eine Rekord-Zuschauerzahl von etwa 90 Millionen.

          „Unteilbare Hauptstadt“

          Bei einem Treffen mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu kündigte Trump nach Angaben seines Wahlkampfteams am Sonntag an, im Falle seines Wahlsiegs werde er Jerusalem als „unteilbare Hauptstadt“ Israels anerkennen. Trump habe erklärt, dass „Jerusalem seit mehr als 3000 Jahren die ewige Hauptstadt des jüdischen Volkes ist“. Sollte er gewählt werden, werde er eine entsprechende, 1995 vom amerikanischen Kongress gefällte Entscheidung verwirklichen lassen.

          Israel hatte im Sechstagekrieg 1967 den palästinensischen Ostteil Jerusalems erobert und 1980 annektiert, seitdem bezeichnet es Jerusalem als seine unteilbare Hauptstadt. Die Vereinten Nationen und auch die Vereinigten Staaten erkennen die Annexion nicht an – Jerusalems endgültiger Status soll erst im Rahmen von Nahost-Friedensverhandlungen bestimmt werden.

          Lautsprecher, der bei vielen Amerikanern ankommt, die vom „Establishment“ frustriert sind: der Republikaner Donald Trump

          Netanjahu traf sich anlässlich der Generaldebatte der UN-Vollversammlung in New York auch mit Hillary Clinton. Die 68 Jahre alte Politikerin versprach bei dieser Gelegenheit, im Fall ihres Wahlsiegs Israel bei der Abwehr „terroristischer Bedrohungen“ zu helfen und auf eine Zwei-Staaten-Lösung hinzuwirken.

          Der Generalsekretär der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), Sajeb Erakat, kritisierte das Verhalten der beiden Kandidaten: Trump warf er „Missachtung des Völkerrechts und der langjährigen amerikanischen Außenpolitik in Bezug auf den Status von Jerusalem“ vor, während Clinton aus seiner Sicht, Israel auf Kosten der Palästinenser bevorzuge.

          Trumps Verhältnis zu Mexiko

          Die Bürgerrechtsorganisation Avaaz rief derweil in Mexiko lebende amerikanische Bürger zur Teilnahme an der Präsidentschaftswahl auf, um so Trumps Einzug ins Weiße Haus zu verhindern. Bei einer von Avaaz organisierten Veranstaltung im Zentrum von Mexiko-Stadt kamen rund 200 amerikanische Stimmberechtigte zusammen, um sich für die Präsidentschaftswahl registrieren zu lassen.

          Trump hatte in der Vergangenheit immer wieder mit Äußerungen zu Mexiko für Schlagzeilen gesorgt. So schmähte er mexikanische Einwanderer pauschal als „Drogendealer“ und „Vergewaltiger“ und kündigte für den Fall seines Wahlsiegs den Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko an – wofür nach seinen Plänen zudem Mexiko zahlen solle.

          Weitere Themen

          In zwei Fliegern nach Amerika Video-Seite öffnen

          Kritik an Bundesregierung : In zwei Fliegern nach Amerika

          Bundskanzlerin Angela Merkel und Ministerin Annegret Kramp-Karrenbauer fliegen fast zeitgleich an die Ostküste der Vereinigten Staaten. Sie nutzen dabei jedoch zwei getrennte Flugzeuge.

          Topmeldungen

          An der Seite von Olaf Scholz: Die Brandenburger SPD-Politikerin Klara Geywitz bewirbt sich mit dem Finanzminister um den SPD-Vorsitz.

          Kritik an Geywitz : SPD-Harmonie mit Rissen

          Mit der ungewohnten Einigkeit, die die SPD derzeit ausstrahlt, ist es schon wieder vorbei. Kandidatin Geywitz wird heftig kritisiert. Getroffen werden soll aber eigentlich ein anderer.
          Günter Kunert (1929 - 2019).

          Im Alter von 90 Jahren : Dichter Günter Kunert gestorben

          Seine Familie wurde in der NS-Zeit verfolgt, zahlreiche Angehörige wurden ermordet. In DDR war er ein politischer Dissident. Geschrieben und gedacht hat er im Geiste Heinrich Heines. Nun ist der Dichter Günter Kunert im Alter von neunzig Jahren gerstorben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.