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Ukraine-Protokoll : Wie Trump und Selenskyj über Merkel lästern

Am Rande der UN-Generalversammlung treffen sich die Präsidenten Selenskyj und Trump zum persönlichen Gespräch. Bild: dpa

In ihrem Telefonat sprechen der amerikanische und der ukrainische Präsident auch über Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie kommt dabei nicht besonders gut weg.

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          In dem am Mittwoch veröffentlichten Telefonat Donald Trumps und Wolodymyr Selenskyjs sprechen die Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Ukraine auch über Deutschland und Bundeskanzlerin Angela Merkel – und zwar in abfälligem Ton. Sie rede zwar über die Ukraine, „aber sie tut nichts“, sagte Trump in dem am 25. Juli geführten Gespräch, dessen Protokoll das Weiße Haus nun freigab. Während Deutschland und die anderen Europäer fast nichts für die Ukraine täten, seien die Vereinigten Staaten „sehr sehr gut zur Ukraine“ gewesen, formulierte Trump. Selenskyj stimmt dem zu: „Ja, Sie haben absolut recht. Nicht nur zu hundert Prozent, sondern sogar zu tausend Prozent.“

          Reinhard Veser

          Redakteur in der Politik.

          Er habe sowohl Merkel als auch den französischen Präsidenten Emmanuel Macron getroffen, sagt Selenskyj, und er habe beiden gesagt, „dass sie nicht so viel tun, wie sie tun müssten in der Frage der Sanktionen“. Obwohl eigentlich „logischerweise“ die EU der wichtigste Partner der Ukraine sein solle, seien die Vereinigten Staaten ein „viel größerer Partner als die EU“, sagt der ukrainische Präsident. Selenskyj dankt Trump vor allem für die Unterstützung in der Verteidigung. Die Ukraine sei „fast bereit“, von den Vereinigten Staaten mehr Panzerabwehrraketen des Typs Javelin zu kaufen.

          Selenskyjs Äußerungen spiegeln das nicht ganz einfache Verhältnis zwischen der Ukraine und der EU sowie den europäischen Regierungen wider, das schon unter seinem Amtsvorgänger Petro Poroschenko herrschte. Tatsächlich hat sich Kiew oft mehr und deutlichere Unterstützung erhofft; mit besonderem Misstrauen blickt man in der Ukraine auf alle tatsächlichen und mutmaßlichen Wiederannäherungen zwischen europäischen Hauptstädten und Moskau. Vor allem die Unterstützung Berlins für die Gaspipeline Nord Stream 2 durch die Ostsee, mit der Russland die Ukraine als Gastransitland überflüssig machen will, wird in der Ukraine parteiübergreifend als unfreundlicher Akt verstanden. Gleichzeitig war sich die ukrainische Führung – bisher jedenfalls – immer bewusst, welch große Rolle Deutschland für das Land seit der Revolution auf dem Majdan gespielt hat. Bei aller Kritik in einzelnen Punkten wurde in Kiew immer gewürdigt, dass die EU wohl kaum so einig Sanktionen gegen Russland beschlossen und auch so lange aufrecht erhalten hätte, wenn Berlin die Gemeinschaft in dieser Frage nicht zusammen gehalten hätte. Auch dass Bundeskanzlerin Merkel im Februar 2015 bei den Gesprächen in Minsk dem russischen Präsidenten Wladimir Putin Kontra gegeben hat, als die Ukraine am Rande einer militärischen Niederlage stand.

          Ein Punkt, an dem die Vereinigten Staaten tatsächlich mehr als die Europäer für die Ukraine getan haben, ist die Verteidigung. Während die Europäer sich dabei mit dem Argument, Russland solle nicht weiter provoziert werden, sehr zurückgehalten haben, trugen die Vereinigten Staaten tatkräftig zum Neuaufbau der ukrainischen Armee bei. Bis hin zur Lieferung der Javelin-Raketen, von denen die Ukraine nun offenbar noch mehr möchte.

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