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Whistleblower : Anonymer Informant arbeitet offenbar für die CIA

  • Aktualisiert am

Amerikas Präsident Donald Trump Bild: AP

Ein Whistleblower brachte die Ukraine-Affäre von Donald Trump ins Rollen. Nun sind laut einem Bericht Details über dessen Identität durchgesickert. Er habe „fast wie ein Spion“ gehandelt, klagt Trump.

          2 Min.

          Bei dem anonymen Informanten in der Ukraine-Affäre um Präsident Donald Trump handelt es sich nach Informationen der „New York Times“ um einen Mitarbeiter des Auslandsgeheimdienstes CIA. Die Zeitung berief sich am Donnerstag auf drei verschiedene Quellen, welchen die Identität des Informanten bekannt sei. Der Mann sei zeitweise ins Weiße Haus abgestellt gewesen, dann aber zur CIA zurückgekehrt.

          Die am Donnerstag veröffentlichte Beschwerde des Geheimdienstarbeiters über Trumps Telefonat mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj am 25. Juli deute darauf hin, dass der Informant ein ausgebildeter Geheimdienstanalyst sei, schrieb die Zeitung ferner. Diese Experten fügen Informationen aus verschiedenen Quellen zusammen, um etwa mögliche Sicherheitsbedrohungen für die Vereinigten Staaten zu erkennen.

          Anwälte warnen vor Identifizierung des Whistleblowers

          Laut „New York Times“ lässt sich aus dem Beschwerdetext auch ableiten, dass der Informant über weitreichende und detaillierte Kenntnisse der Osteuropapolitik der Vereinigten Staaten verfügt. Die Identität des Mannes ist durch amerikanische Gesetze geschützt, die Regierungsmitarbeiter dazu ermutigen sollen, über schweres Fehlverhalten ihrer Vorgesetzten zu berichten.

          Anwälte des Informanten wollten laut „New York Times“ nicht bestätigen, dass ihr Mandant für die CIA arbeitet. Sie warnten, die Veröffentlichung von Informationen, die zu dessen Identifizierung führen könnten, sei „höchst Besorgnis erregend und rücksichtslos“. Ihr Mandant könne dadurch „in Gefahr gebracht werden“, sagte Anwalt Andrew Bakaj.

          Trump verglich den Informanten mit einem Spion. Die Zeitung „Los Angeles Times“ veröffentlichte am Donnerstag eine Audiodatei mit Äußerungen des Präsidenten bei einem privaten Treffen mit amerikanischen Diplomaten. Trump sagt darin, der Informant habe nie „den Bericht“ und sein Telefonat mit dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj gesehen. Er habe lediglich „etwas gehört“ und „fast wie ein Spion“ gehandelt. Trump sagt zudem, er frage sich, wer dem Informanten die fraglichen Informationen zur Verfügung gestellt habe. Auch diese Person sei „fast ein Spion“.

          „Sie wissen, was wir früher gemacht haben, als wir noch schlau waren, richtig?“, fragt Trump dann. „Die Spione und Verrat, wir sind damit etwas anders umgegangen, als wir es heute tun.“ Die Zuhörer des Präsidenten lachen daraufhin. Spione
          wurden in der Vergangenheit in den Vereinigten Staaten zu langen Haftstrafen oder gar zum Tode verurteilt.

          Trump forderte Ermittlungen gegen Biden

          Der Geheimdienstmitarbeiter hatte mit seiner über offizielle Kanäle übermittelten Beschwerde die Ukraine-Affäre ins Rollen gebracht. Bis zur jetzigen Veröffentlichung seiner Beschwerde waren daraus allerdings keine Details bekannt gewesen.

          In dem Telefonat, um das es in der Beschwerde ging, hatte Trump von Selenskyj Ermittlungen gegen den früheren Vizepräsidenten Joe Biden, einen der Favoriten für die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten im Jahr 2020, sowie dessen Sohn Hunter Biden erbeten.

          Der Biden-Sohn arbeitete früher für ein ukrainisches Gasunternehmen, in dem es Korruptionsfälle gegeben haben soll. Trump behauptet ohne Präsentation irgendwelcher Belege, dass Biden als Vizepräsident auf die Absetzung des damaligen ukrainischen Generalstaatsanwalts hingewirkt habe, um seinen Sohn vor Korruptionsermittlungen zu schützen.

          In seiner Beschwerde teilte der anonyme Informant mit, mehrere ranghohe Mitarbeiter des Weißen Hauses hätten sich nach dem Telefonat bemüht, „alle Aufzeichnungen“ darüber unter Verschluss zu halten. Mehrere Regierungsmitarbeiter vertraten nach seinen Angaben die Ansicht, dass Trump „die Macht seines Amtes nutzt, um die Einmischung eines ausländischen Landes bei der Wahl 2020 zu erbitten“.

          Die Demokraten wollen den Informanten im Kongress befragen. Wegen der Ukraine-Affäre und anderer Vorwürfe des Machtmissbrauchs plant die Oppositionspartei eine parlamentarische Untersuchung zu einem möglichen Amtsenthebungsverfahren gegen Trump. Der Präsident bezeichnet dies als „Hexenjagd“.

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