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Ukraine-Affäre : Trump und seine Komplizen

  • -Aktualisiert am

Präsident Trump, Vizepräsident Pence und Außenminister Pompeo (von links) Bild: EPA

EU-Botschafter Sondland hat in seiner Aussage das Naheliegende bestätigt: Trump handelte nicht allein. Außenminister Pompeo wusste Bescheid. Auch Vizepräsident Pence ist verstrickt.

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          In seiner Not bewirft Donald Trump die Zeugen mit Dreck, die im Repräsentantenhaus schildern, wie der Präsident die ukrainische Führung zu erpressen versuchte. Im Falle des amerikanischen EU-Botschafters Gordon Sondland, der am Mittwoch öffentlich einvernommen wurde, wird das aber noch schwieriger als bei den Diplomaten, Beamten und Offizieren, die bisher ausgesagt haben. Denn wie will Trump einen Spender, der ihn im Wahlkampf unterstützte und allein für seine Amtseinführung eine Million Dollar spendete, als „Never Trumper“ abkanzeln, der ihm aus Prinzip schaden wolle?

          Nein, Sondland ist wahrlich kein Vertreter eines „tiefen Staats“ aus Beamten und Karrierediplomaten, die sich verschworen hätten, einen vom Volk gewählten Präsidenten abzusägen. Sondland ist vielmehr ein Teil jenes korrupten Systems Trump, das er noch in seiner ersten, nichtöffentlichen Anhörung zu verteidigen trachtete. Damals gab er vor, an etwaige unlautere Forderungen gegenüber Kiew „keine Erinnerung“ zu haben.

          Das hat sich inzwischen als genauso gelogen erwiesen wie Trumps Behauptung, er kenne Sondland kaum: Die beiden telefonierten beispielsweise Ende Juli miteinander, so laut, dass ein Dritter dem Kongress Auskunft über das Gespräch geben konnte. Auch Sondland musste daher einsehen, dass die Beweise erdrückend sind: Trump hat Amerikas Außenpolitik bis hin zur Militärhilfe für die im Krieg gegen Russland stehenden ukrainischen Partner komplett seinen persönlichen, wahltaktischen Zwecken untergeordnet.

          Um seine eigene Haut zu retten, wollte der EU-Botschafter sich nun nicht mehr auf das Vortäuschen von Gedächtnislücken verlassen, sondern ging zum Gegenangriff über. Er habe sich in der Ukraine-Politik nicht aus freien Stücken, sondern widerwillig auf Trumps Weisung vor den Karren von dessen privatem Anwalt Rudy Giuliani spannen lassen. Den Außenminister Mike Pompeo habe er stets ins Bild gesetzt. Auch Mike Pence habe von ihm schon im August erfahren, dass Trump die Militärhilfe für Kiew offenbar an Ermittlungen knüpfte, die den Demokraten schaden sollten.

          Damit hinge auch der Vizepräsident so tief in der Sache drin, wie man es angesichts seines stets devoten Auftretens gegenüber Trump vermuten musste. Also der Mann, der Präsident würde, wenn der Kongress Trump tatsächlich des Amtes enthöbe.

          Andreas Ross

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online und stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Nachrichten.

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