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Artikel in „New York Times“ : „Ich gehöre zum Widerstand in der Trump-Regierung“

  • Aktualisiert am

Allein unter Feinden? Donald Trump an seinem Schreibtisch im Oval Office Bild: dpa

Ein anonymer Regierungsmitarbeiter hat einen brisanten Gastbeitrag in der „New York Times“ verfasst. Demnach leisten er und andere aktiv Widerstand gegen den Präsidenten, um Schlimmeres zu verhindern. Wir haben den Beitrag ins Deutsche übersetzt.

          Die Zeitung „New York Times“ hat sich nach eigenen Angaben durchgerungen, den Artikel eines „hohen Mitarbeiters“ der Regierung von Donald Trump anonym abzudrucken, weil es nur so möglich sei, dem Leser einen „wichtigen Einblick“ zu gewähren – nämlich in die angebliche Übereinkunft wichtiger Regierungsleute, ihrer Meinung nach schädliche „Impulse“ des Präsidenten sowie Teile von dessen Agenda zu hintertreiben. Die für Meinungsbeiträge zuständige und von der restlichen Redaktion strikt getrennte Abteilung der Zeitung beteuert, sie kenne die Identität des Autors. Sie enthalte seinen Namen der Öffentlichkeit aber vor, weil er oder sie sonst vermutlich den Job verlöre.

          Die Zeitung weigerte sich am Donnerstag, den Begriff des „hohen Mitarbeiters“ (senior official) zu definieren. Es ist die Formulierung, die Journalisten nach Wunsch der Regierung benutzen sollen, wenn sie aus sogenannten Hintergrundgesprächen zitieren. In dem Zusammenhang werden nicht nur Minister, sondern auch Sprecher, Abteilungsleiter oder reine Sachbearbeiter zu „hohen Regierungsmitarbeitern“ erklärt; insofern kämen Dutzende, wenn nicht Hunderte Verfasser in Betracht.

          Allerdings darf man vermuten, dass sich die „New York Times“ darauf einstellt, dass die Identität des von Trump bereits des „Verrats“ geziehenen Autors eines Tages ans Licht kommt. Insofern spricht viel dafür, dass der Text von einer Person mindestens aus der sprichwörtlichen zweiten Reihe kommt, die, wenn nicht mit Trump, so doch mit dessen Stabschef oder anderen engen Beratern in regem Kontakt steht. Wir dokumentieren den Beitrag:

          „Präsident Trump wird in seiner Präsidentschaft herausgefordert wie kein anderer führender amerikanischer Politiker der Moderne. Es ist nicht nur so, dass der Sonderstaatsanwalt über allem dräut. Oder dass das Land über Trumps Führung bitter gespalten ist. Oder dass seine Partei die Mehrheit im Repräsentantenhaus an eine Opposition verlieren könnte, die wild entschlossen ist, ihn zu stürzen. Das Dilemma – das er nicht völlig begreift – besteht darin, dass viele der hohen Mitarbeiter in seiner eigenen Regierung von innen eifrig daran arbeiten, Teile seiner Agenda und seine schlechtesten Einfälle zu durchkreuzen. Ich muss es wissen. Ich bin einer von ihnen.

          Um es klar zu sagen: Wir gehören nicht zum ,Widerstand‘ der Linken. Wir wollen, dass die Regierung Erfolg hat, und wir denken, dass ihre Politik Amerika in vielen Fällen bereits sicherer und wohlhabender gemacht hat. Aber wir glauben, dass wir in erster Linie diesem Land verpflichtet sind, und dass sich der Präsident weiterhin in einer Weise verhält, die der Gesundheit unserer Republik abträglich ist. Deshalb haben viele von Trump ernannte Regierungsmitarbeiter gelobt zu tun, was wir können, um unsere demokratischen Institutionen zu bewahren und zugleich Trumps törichteren Impulsen entgegenzuwirken, bis er nicht mehr im Amt ist.

          Die Wurzel des Problems besteht darin, dass der Präsident keine Moral hat. Jeder, der mit ihm zusammenarbeitet, weiß, dass ihn keinerlei erkennbare Grundsätze binden, die ihn in seiner Entscheidungsfindung anleiten würden. Auch wenn er als Republikaner gewählt wurde, zeigt der Präsident kaum Affinität zu Idealen, die Konservative lange verinnerlicht hatten: freies Denken, freie Märkte und freie Menschen. Bestenfalls hat er sich darauf berufen, wenn er etwas ablas; schlimmstenfalls hat er diese Ideale gradheraus angegriffen. Neben seiner Massenvermarktung der Vorstellung, dass die Presse der ,Feind des Volks‘ sei, richten sich die Impulse Präsident Trumps gemeinhin gegen Handel und gegen die Demokratie.

          Verstehen Sie mich nicht falsch. Es gibt Lichtblicke, welche die schier endlose Negativberichterstattung über die Regierung nicht erfasst: wirksame Deregulierung, eine historische Steuerreform, ein robusteres Militär und mehr. Aber diese Erfolge wurden trotz – und nicht wegen – des Führungsstils des Präsidenten erreicht, welcher ungestüm und auf Konflikt ausgerichtet, kleinlich und ineffektiv ist. Vom Weißen Haus bis zu Ministerien und Behörden bekennen hohe Mitarbeiter im Vertrauen ihre tägliche Fassungslosigkeit über die Worte und Taten des Oberbefehlshabers. Die meisten versuchen, ihre Arbeit von seinen Launen abzuschirmen.

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