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TV-Kritik: Maischberger : Der große Vorteil der Ahnungslosigkeit

  • -Aktualisiert am

Sandra Maischberger und ihre Gäste in der Talkshow am Mittwochabend. Bild: ARD

Jeff Sessions muss gehen – doch in der Sendung von Sandra Maischberger interessiert sich niemand für die eigentliche Nachricht. Stattdessen folgt die immer gleiche Trump-Exegese. Eine Entertainerin zieht daraus ihre ganz eigenen Schlüsse.

          Manchmal haben Talkshows einfach Glück. Manchmal beißen sie nicht zum tausendsten Mal auf einer Thematik herum, an der sich das Land seit einer Woche satt gekaut hat. Der Mittwoch hätte so ein Tag des Glücks für Sandra Maischberger sein können. Jeff Sessions muss gehen, melden abends kurz vor neun die Nachrichtenseiten. Der amerikanische Justizminister, der sich wegen seines Interessenkonflikts nicht in die Ermittlungen des Sonderermittlers Müllers einmischt, wurde von Trump aufgefordert, seinen Posten zu räumen. Sessions reicht daraufhin seinen Rücktritt ein. Nachdem er schon zweimal fast zurückgetreten war, ist er diesmal wirklich ganz weg.

          Das ist das erste Indiz dafür, wie Trump nach den Kongresswahlen weitermachen will. Von Zusammenarbeit keine Spur. Stattdessen erhöht er den Druck auf den Sonderermittler Müller und Sessions‘ Vize Rod Rosenstein.

          Maischberger will kein Glück

          Doch Glück haben und eine Nachricht wirklich mal als erstes verarbeiten – nicht mit Maischberger. Nach einem Drittel der Sendung, die am Abend aufgezeichnet wurde, erwähnt Sandra Maischberger, dass Jeff Sessions entlassen wird. Der erste echte Anhaltspunkt für Trumps Strategie in den nächsten Monaten ist im Raum. Und nichts passiert. Nur nicht aus dem festgefahrenen Konzept bringen lassen.

          Denn was folgt, ist das immer gleiche Trump-Gerede. Julian Reichelt findet, man dürfe Trump nicht unterschätzen und verteidigt seine Errungenschaften, auch wenn er ihn selbst natürlich nicht gut findet. Klaus Brinkbäumer, ehemaliger Spiegel-Chefredakteur, spricht von einem „Staatsstreich von oben“ von Trump und hat die neueste Statistik der Washington Post zu Trumps Lügen ausgekramt. 6420 seien es inzwischen. Klaus von Dohnanyi, ehemaliger Hamburger Bürgermeister und SPD-Grande, hat die Trump-Exegese auch noch nicht satt und findet, Trump sei ein Autokrat. Die Entertainerin Gayle Tufts stellt sicher, dass jemand mit amerikanischem Akzent Deutsch spricht, freut sich über die hohe Wahlbeteiligung und das neue Gegengewicht in Washington.

          Aus New York zugeschaltet ist Helene von Damm. Die gebürtige Österreicherin war mal amerikanische Botschafterin in Wien und eine der engsten Mitarbeiterinnen von Reagan. Sie ist Republikanerin, sagt aber, dass sie sich inzwischen als „Independent“ fühlt. Seit der Präsidentschaftswahl 2016 liege sie mit ihren Freunden im Clinch. Denn schon damals habe sie für Hillary Clinton gestimmt. Jetzt habe sie wieder demokratisch gewählt, was ihre Freunde ihr übelnähmen. Trump habe doch die Steuern gesenkt und die Regeln für Unternehmen verbessert, sagen die Freunde. Der Stil passe denen zwar auch nicht, aber die Inhalte seien in Ordnung. Und für die Außenpolitik, sagt von Damm, interessierten sich die Amerikaner sowieso kaum.

          Es geht eigentlich nur am Anfang kurz um die eigentlich Kongresswahlen. War das jetzt ein Sieg für die Demokraten oder nicht? Brinkbäumer sieht die Demokraten im Vorteil. Reichelt relativiert: Jeder Präsident erlebe bei den Zwischenwahlen eine Gegenbewegung. Jetzt sei die nur viel geringer ausgefallen. Damit sei eine Wiederwahl von Trump in zwei Jahren sogar wahrscheinlich.

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