https://www.faz.net/-gpf-8ltln

TV-Debatte : Zwischen Wahrheit und Lüge

  • -Aktualisiert am

Unterstützer von Hillary Clinton verfolgen in West Hollywood, Kalifornien, das erste TV-Duell zwischen der Demokratin und ihrem republikanischen Kontrahenten Donald Trump Bild: AFP

„Falsch, falsch, falsch“: Immer wieder unterbricht Donald Trump beim ersten TV-Duell Hillary Clinton, doch die Faktenchecks der Medien belasten vor allem ihn. Er kann es verschmerzen, denn sein Lager hat den Kampf um Deutungshoheit noch lange nicht aufgegeben.

          Es ist ja nicht so, dass es auf dem gesamten Campus der Hofstra-Universität an diesem Abend immer nur um Politik geht. In etwa zweihundert Meter Entfernung zur Hochsicherheitszone, in der die TV-Debatte der beiden Präsidentschaftskandidaten ausgetragen wird, hat eine Lobbyorganisation eine Hüpfburg aufgebaut, ein paar Meter weiter spielt die Uni-Blaskapelle, eine Studentin im Clownskostüm tanzt dazu. Und doch: Auch hier draußen, wo sich vor den Großleinwänden fast nur Jungwähler, also die gerade von Clinton zuletzt so verstärkt umworbenen „Millennials“, versammelt haben, wird aggressiv diskutiert. „Trump lügt“, schreit eine aufgebrachte Frau mit Hillary-T-Shirt einen Mann mit roter Make-America-Great-Again-Schirmmütze an. Und da hat die Debatte nebenan noch nicht einmal begonnen.   

          Es war eine der großen Fragen des Abends: Würde Clinton ihren Rivalen einen Lügner nennen? Die Antwort vorab: Jein. Zwar fällt das Wort „Lügner“ nicht, sehr wohl aber das Wort „Lüge“ – und das gleich mehrmals. So sei das von Trump in den letzten Jahren immer wieder gestreute Gerücht, dass Präsident Obama nicht in den Vereinigten Staaten geboren worden sei, eine „rassistische Lüge“, so Clinton im letzten Drittel des Duells. Dass ihr Kontrahent auch in vielen anderen Bereichen falsch liege und, ob nun bewusst oder unbewusst, Fakten ignoriere, hat sie ihm zu diesem Zeitpunkt schon mehrmals vorgehalten. „Ich weiß, dass Du in deiner eigenen Realität lebst“, sagt sie gleich zu Beginn der Debatte lächelnd, nur um Trump kurz darauf vorzuhalten, immer neue „verrückte Dinge“ von sich zu geben. Der seinerseits will viele Anschuldigungen nicht auf sich sitzen lassen. „Falsch“ ruft er immer wieder in die Redebeiträge seiner Kontrahentin hinein, etwa, als diese ihm vorhält, dass er sehr wohl 2003 für den Einmarsch in den Irak gewesen sei, auch wenn er das inzwischen bestreite.

          Trump lässt sich von Fakten nicht abschrecken

          Wer hat Recht, wer Unrecht? Die Diskussion darüber, wie es beide Kandidaten mit der Wahrheit halten, war zuvor von verschiedenen führenden amerikanischen Medien ganz oben auf die inoffizielle Debattenagenda gesetzt worden. Die Washington Post, die New York Times, die Los Angeles Times, aber auch das Politmagazin Politico hatten in den letzten Tagen jeweils eigene Analysen veröffentlicht, aus denen hervorgeht, wie oft Trump zuletzt in seinen Reden und Interviews die Unwahrheit sagte. Allein die New York Times zählte in nur sieben Tagen 31 „Klopper“ und „Dutzende“ weitere Fälle. Auch Clinton mache „fragwürdige Aussagen“, schrieb zwar die Washington Post, aber Trump lasse sich „zuweilen auf eine Art und Weise nicht von Fakten abschrecken“, die „einzigartig“ sei. „Niemals zuvor“ in einem Präsidentschaftswahlkampf habe ein bedeutender Kandidat „derart routiniert falsche Behauptungen getroffen wie Trump“, bilanzierte die „Los Angeles Times“.

          Weitere Themen

          Scholz lässt seine Pläne offen Video-Seite öffnen

          Bewerbung auf SPD-Vorsitz : Scholz lässt seine Pläne offen

          „Ganz klar ist, wir müssen in Deutschland vorankommen mit unserem Land. Wir müssen dafür sorgen, dass der Zusammenhalt besser wird“, sagte Bundesfinanzminister Olaf Scholz nach Bekanntwerden seiner Kandidatur für die SPD-Spitze.

          Man nennt es Meinungsfreiheit

          Trump gegen Google : Man nennt es Meinungsfreiheit

          Ohne das Internet wäre Donald Trump wohl nicht amerikanischer Präsident geworden. Jetzt beschwert er sich über politische Ideologisierung bei Google. Aus dem Silicon Valley schallt es zurück.

          Topmeldungen

          Gletscher Okjökull : Das Eis verlässt Island

          Die Gletscherschmelze ist ein eindrückliches Merkmal der Klimaerwärmung: Der einstige Gletscher Okjökull auf Island ist heute keiner mehr. Die isländische Ministerpräsidentin appelliert an die Weltgemeinschaft.
          Angestellte von Google und Youtube beim Gay Pride Festival in San Francisco, Juni 2014

          Trump gegen Google : Man nennt es Meinungsfreiheit

          Ohne das Internet wäre Donald Trump wohl nicht amerikanischer Präsident geworden. Jetzt beschwert er sich über politische Ideologisierung bei Google. Aus dem Silicon Valley schallt es zurück.
          Im Jahr 2016 ist es in Kalkutta zwar noch wuseliger, aber die Anzahl der Läden und Fahrzeuge deuten auf einen Entwicklungsfortschritt hin.

          Wohlstand, Gesundheit, Bildung : Der Welt geht es immer besser

          Kurz bevor er starb, hat der schwedische Arzt Hans Rosling noch ein Buch geschrieben. Es hat eine zutiefst erschütternde These: Der Zustand der Welt verbessert sich, doch keiner bekommt es mit. Woran liegt das?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.