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Sarah Huckabee Sanders : Trumps vehementeste Verteidigerin geht

  • -Aktualisiert am

Donald Trump und seine Pressesprecherin Sarah Huckabee Sanders am Donnerstag im Weißen Haus nach der Ankündigung ihres Rückzugs Bild: Reuters

Sarah Huckabee Sanders verbrachte zwei Jahre damit, die Politik von Donald Trump zu verteidigen. Ihr Abschied als Pressesprecherin des Weißen Hauses könnte der Auftakt für eine eigene politische Karriere sein.

          Für manch einen hatte Sarah Huckabee Sanders schon längst ihr Amt als Pressesprecherin verlassen, als sie über Monate hinweg keine regelmäßigen Medien-Briefings im Weißen Haus mehr veranstaltete. Am Donnerstag, als Donald Trump Sanders‘ Rückzug für Ende Juni auf Twitter ankündigte, war die letzte reguläre Pressekonferenz 94 Tage her. In den vergangenen 300 Tagen gab es laut dem Sender CNN nur fünfzehn solcher Briefings. Jetzt hat das Weiße Haus, dessen Hausherr große Teile der Presse offen verachtet, weder einen Kommunikationschef noch eine oberste Pressesprecherin. Sanders soll Mitarbeitern gesagt haben, dass sie aus freien Stücken gehe.

          Auf Twitter schrieb Sanders, sie werde dem Präsidenten immer dankbar sein und sei stolz auf alles, was Trump erreicht habe. „Den wichtigsten Job, den ich jemals haben werde, ist, Mutter meiner Kinder zu sein, und es ist Zeit für uns, nach Hause zu gehen“, fügte Sanders hinzu. Der Präsident lobte sie als „großartig“ und „tough“. Auf Twitter regte er auch zu Spekulationen an, indem er schrieb: „Ich hoffe, sie entscheidet sich dafür, als Gouverneurin von Arkansas zu kandidieren – sie wäre fantastisch.“

          Die 36 Jahre alte Sanders war eine der Mitarbeiterinnen, die sich am längsten im Weißen Haus halten konnte. Sie war dafür bekannt, dass sie Trumps Agenda besonders loyal vertrat und dass er oft auf sie hörte, wenn es etwa um die Korrektur geplanter Tweets ging. „Ich werde auch weiterhin eine der lautesten und loyalsten Unterstützerinnen des Präsidenten sein“, sagte sie am Donnerstag.

          Im Januar hatte Sanders dem religiösen Sender CBN gesagt: „Gott wollte, dass Donald Trump Präsident wird”. Dabei unterstützte sie den Präsidenten auch bei seinen Attacken gegen Journalisten, denen sie gern mit Sarkasmus antwortete. Statt Pressekonferenzen abzuhalten, sprach Sanders in letzter Zeit lieber spontan vor dem Weißen Haus mit Reportern. Die Glaubwürdigkeit der Präsidenten-Sprecherin wurde des öfteren in Zweifel gezogen. So behauptete sie etwa, „zahllose“ einfache FBI-Beamte hätten die Entlassung des damaligen Bundespolizei-Chefs James Comey durch Trump 2017 unterstützt. Später nahm sie diese Darstellung gegenüber den Ermittlern von Sonderstaatsanwalt Robert Mueller zurück und bezeichnete sie als „verbalen Ausrutscher“, der in der „Hitze des Moments“ entstanden sei.

          Sanders machte auch dadurch von sich reden, dass sie Trumps Äußerungen zu verharmlosen versuchte und es dabei gelegentlich mit der Wahrheit nicht so genau nahm. So sagte sie im Oktober vergangenen Jahres, die „überwältigende Mehrheit der Wähler“ habe 2016 für Trump gestimmt, obwohl 2,9 Millionen mehr Stimmen an Hillary Clinton gegangen waren und Trump mehr Wahlmännerstimmen erringen konnte. Und im Juni 2017 sagte Sanders beispielsweise, Trump habe „niemals, in keinster Art und Weise, jemals Gewalt ermutigt oder gefördert“. Dabei hatte der Präsident auf mehreren Veranstaltungen genau das getan, als er zum Beispiel über die rechtsradikalen Schläger in Charlottesville sagte, manche seien „sehr feine Menschen“ oder indem er auf einer Wahlkampfveranstaltung im vergangenen Oktober den Abgeordneten Greg Gianforte lobte, der den Reporter Ben Jacobs tätlich angegriffen hatte. Bei anderen Gelegenheiten schien es, als sei Sanders nicht in alle wichtigen Vorgänge eingeweiht, über die sie sprechen sollte. So sagte sie im Sommer 2017, Trump habe keine Erklärung seines Sohnes Donald Trump jr. diktiert, in der es um ein Treffen zwischen Trump jr. sowie weiteren Mitarbeitern der Kampagne und Russen im Trump Tower 2016 ging. Das stellte sich als falsch heraus, als Trumps Juristen von Sonderermittler Mueller befragt wurden.

          Während ihrer Tätigkeit für Trump wurde Sanders immer wieder für ihren Umgang mit Journalisten kritisiert. Oft antwortete sie ausweichend auf Fragen und wurde von manchen Reportern als herablassend charakterisiert. Die Konflikte mit den Medien gingen so weit, dass das Weiße Haus zwei CNN-Reporter, Jim Acosta und Kaitlan Collins, vorübergehend die Akkreditierung entzog. Im Fall von Acosta entschied ein Bundesrichter, dass der Schritt dessen Rechte verletzt hatte. Während die Trump-nahen Medien wie Fox News Sanders zum Abschied noch einmal für ihre Loyalität dem Präsidenten gegenüber feierten, machten andere sie dafür verantwortlich, dass die Trump-Präsidentschaft das Vertrauen vieler Bürgerinnen in die Institutionen erschüttert habe. „Wenn Trump mit gut meint, dass sie stets so log wie er es haben wollte, dann wird sie wohl als gut in Erinnerung bleiben“, schrieb etwa die „Los Angeles Times“ und CNN kommentierte: „Sie versagte in fast jedem Bereich ihres Jobs.“ Sanders habe in ihren 23 Monaten im Weißen Haus die Ansicht Trumps salonfähig gemacht und normalisiert, dass die Presse der „Feind des Volkes“ sei.

          Das Weiße Haus, Amtssitz des amerikanischen Präsidenten in Washington, in der Morgendämmerung. Öffnen

          Trumps Abschieds-Tweet schien unterdessen anzudeuten, dass Sanders als Gouverneurin von Arkansas antreten will. Ihr Vater ist der ehemalige Amtsinhaber Mike Huckabee, dessen Präsidentschafts-Wahlkampf 2008 sie ebenso managte wie seine Bewerbung um die republikanische Präsidentschafts-Nominierung 2016. Nachdem Huckabee Anfang 2016 seine Kandidatur aufgab, stieß Sanders zum Team von Donald Trump. Einige Beobachter glauben, dass sie die kommenden Jahre nicht nur nutzen will, um mehr Zeit mit ihren Kindern zu verbringen, sondern dass sie auch eine eigene Kandidatur für das Amt der Gouverneurin plane. Laut dem Magazin „Politico“ sprechen Mitarbeiter und Unterstützerinnen von Sanders schon seit längerer Zeit darüber. Die Amtszeit des Republikaners Asa Hutchinson in Arkansas endet 2022. Trumps scheidende Sprecherin sagte zu den Gerüchten: „Ich habe schon vor langer Zeit gelernt, niemals etwas kategorisch auszuschließen.“

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