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Trump in Davos : Der Verkäufer

„I want you“: Donald Trump macht in Davos Werbung für Amerika. Bild: Reuters

Bei seinem Auftritt in Davos gibt Donald Trump nicht den zornigen Handels- oder Währungskrieger. Ist der Populist in den Schweizer Bergen also zum Internationalisten mutiert? Wohl kaum. Ein Kommentar.

          Der Auftritt des amerikanischen Präsidenten war mit Spannung erwartet worden, schließlich sollte er zu einem Publikum reden, dessen wirtschaftliche Interessen von der Globalisierung bedient werden und dessen politische Präferenz die internationale Zusammenarbeit ist – und das als kosmopolitische Auswahl von „world leaders“ das Gegenteil eines engstirnigen Nationalismus ist. Diesen Leuten also hat Donald Trump sein „Amerika zuerst“-Programm versucht näherzubringen und, im Wortsinne, zu verkaufen. Denn was er vor allem tat, war, Werbung zu machen: für den Wirtschaftsstandort Amerika; dafür, dort zu investieren, Arbeitsplätze zu schaffen, Geld zu verdienen. Das mag sogar Erfolg haben; schon zuvor waren führende Leute aus der Wirtschaft, gerade auch der deutschen, ganz angetan von diesem Präsidenten gewesen.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

          Dass Trump die gute bis sehr gute wirtschaftliche Lage in den Vereinigten Staaten sich in erster Linie selbst zuschreiben würde, damit war zu rechnen. Dass er seine Steuerreform über den grünen Klee loben und den Wiederaufstieg eines starken Amerikas preisen würde, auch. Natürlich ist die Regierung Trump nicht der alleinige Grund, warum schon von einem neuen Wirtschaftswunder gesprochen wird, aber unbeteiligt ist sie eben auch nicht, zum Beispiel was den Abbau von Vorschriften anbelangt. Die Schmähung „ungewählter Bürokraten“ erinnerte an Wahlkampfzeiten.

          Trump mutiert nicht zum Internationalisten

          Trump hat nicht den zornigen Handels- und auch nicht den Währungskrieger gegeben. Er hat sogar angedeutet, dass er mit den asiatisch-pazifischen Ländern bilateral oder als Gruppe über neue Freihandelsabkommen verhandeln könne – nachdem eine seiner ersten Handlungen im Präsidentenamt der Rückzug Amerikas von dem TPP-Abkommen war. Trump behauptete wieder, für Freihandel zu sein, aber fair müsse es zugehen und gleichmäßig müssten sich die Vorteile verteilen, was immer das in der Praxis heißen mag. Man konnte darin auch Kritik am außenwirtschaftlichen Gebaren Chinas erkennen.

          Trump, obschon im Ton mit ein, zwei Ausnahmen moderat wie selten zuvor, hat kein Davos-Erlebnis gehabt. Es wäre falsch zu glauben, der Populist sei in den Schweizer Bergen zum Internationalisten mutiert. Amerika, dessen Unternehmen und Arbeiter kommen zuerst, jetzt und in der Zukunft. Die Frage ist vielmehr, wie viel Offenheit und Bereitschaft zur internationalen Zusammenarbeit das dennoch einschließen kann.

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