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Trumps Syrien-Entscheidung : Amerikanisches Chaos

Die gegen vielfachen Rat getroffene Entscheidung Trumps, die amerikanischen Truppen aus dem Nordosten Syriens abzuziehen, hat Erdogan zu der Militäraktion faktisch eingeladen. Bild: EPA

Das Chaos im syrisch-türkischen Grenzgebiet und darüber hinaus spiegelt das Chaos der amerikanischen Politik. Die versucht jetzt, den Schaden zu begrenzen. Gewinner sind Amerikas Widersacher.

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          Man muss annehmen, dass die empörten Reaktionen vieler Republikaner im Kongress Hauptgrund dafür waren, dass Donald Trump eine neue Volte vollführt. Oder wie will man es sonst erklären, dass er nun, da das Desaster wie erwartet eingetreten ist, Sanktionen gegen die Türkei verhängt, einen Waffenstillstand sowie ein Ende der Invasion in Syrien verlangt?

          Die gegen vielfachen Rat getroffene Entscheidung des Präsidenten, die amerikanischen Truppen aus dem Nordosten des Landes abzuziehen, hat den türkischen Präsidenten zu der Militäraktion faktisch eingeladen; die syrischen Kurden, die sich verraten fühlen, haben sich an den Diktator Assad gewandt, der unter Aufsicht Russlands seine territoriale Kontrolle wieder ausweiten kann. Hunderttausende sind auf der Flucht.

          Russland ist die Macht, die künftig in der Region noch mehr zählt. Putin wird sein Glück kaum fassen können. Die fatale Abzugsanordnung (und Selbstmarginalisierung) Trumps hat ihm einen schönen Sieg beschert.

          Für andere ist diese Entscheidung, aus der nicht „Instinkt“, sondern Ahnungslosigkeit spricht, fatal. Man muss sich das mal vorstellen: Die syrischen Kurden, deren jahrelanger Kampf an der Seite Amerikas gegen den „Islamischen Staat“ wesentlich zu dessen Niederlage beigetragen hat, wenden sich an den ruchlosen Machthaber von Damaskus mit der Bitte um Schutz – Schutz vor dem Nato-Land Türkei. Und aus Washington kommen erst Spott, dann markige Worte, dann Sanktionen und die Aufforderung, die Gewalt zu beenden.

          Die Sanktionen sind nicht von der Sorte, welche die türkische Wirtschaft in die Knie gehen und Erdogan erzittern ließe. Er verfolgt in Syrien nicht zum geringsten Teil innenpolitische Motive. Der nationalistische Taumel, den die Invasion im Lande entfacht, soll die Zustimmung zu seiner autoritären Herrschaft wieder steigen lassen. Fürs Erste dürfte Erdogan damit Erfolg haben. Irgendwann wird er die Ziele für erreicht erklären und den Vormarsch beenden.

          Dann aber könnten viele islamistische Terroristen aus kurdischem Gewahrsam entkommen sein; die islamistische Gefahr könnte neu entstehen. Das Chaos im syrisch-türkischen Grenzgebiet und darüber hinaus spiegelt das Chaos der amerikanischen Politik. Die versucht jetzt, den angerichteten Schaden zu begrenzen. Gewinner sind Amerikas Widersacher. Es bestätigt sich die Binse: Entscheidungen haben Konsequenzen; so wie Wahlen.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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