https://www.faz.net/-gpf-9hv7a

Kommentar zum Syrien-Abzug : Trumps Welt

Der amerikanische Präsident Donald Trump Mitte Dezember im Weißen Haus Bild: AP

Mit seiner Entscheidung, die amerikanischen Soldaten aus Syrien abzuziehen, verändert Trump die Kräfteverhältnisse in der Region. Doch den Vorteil haben dabei weder Amerika noch seine Verbündeten.

          1 Min.

          Donald Trumps Welt ist einfach – viel einfacher als die Wirklichkeit. Das schlägt sich in allen seinen Entscheidungen nieder, auch in dem Entschluss, nun die amerikanischen Truppen aus Syrien zurückzuziehen.

          In Trumps Welt sieht die Lage so aus: Die amerikanischen Soldaten seien nur in Syrien gewesen, um den „Islamischen Staat“ zu besiegen (was freilich von Mitgliedern seiner Regierung auch schon anders dargestellt wurde), der IS sei besiegt, also gebe es keinen Grund mehr, sich dort zu engagieren.

          Doch Trump verändert damit die Kräfteverhältnisse in der Region – zugunsten Russlands, des Assad-Regimes, Irans und der Türkei und zulasten jener Kurden, die wesentlich zur Zurückdrängung des IS am Boden beigetragen haben. Ihnen stehen schwere Zeiten bevor: Der türkische Präsident Erdogan wird nun bald freie Hand haben, gegen sie vorzugehen.

          Russland wird dabei einfach zuschauen, so seine Beziehungen zu Ankaras stärken und zugleich seine Position in Syrien festigen. Von Trumps Entscheidungen haben hier wieder einmal andere als Amerika und seine Verbündeten einen Vorteil.

          Reinhard Veser

          Redakteur in der Politik.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Europäischer Plan für den Klimaschutz Video-Seite öffnen

          Von der Leyens „Green Deal“ : Europäischer Plan für den Klimaschutz

          EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat ihr „Green Deal“-Projekt für ein klimafreundliches Europa vorgestellt. Die EU will dafür bis 2030 insgesamt eine Billion Euro mobilisieren. Ziel ist es, dass die Europäische Union bis 2050 „klimaneutral“ agiert.

          Topmeldungen

          Ökonom Gabriel Felbermayr : „Trump hat dem Welthandel bisher nicht geschadet“

          Der Ökonom Gabriel Felbermayr hat seine Meinung geändert: Zölle findet er nicht mehr so schlimm wie früher. Im Interview erklärt er, wie Deutschland mit Amerika und China umgehen sollte und warum es eine Digitalsteuer braucht.
          Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung.

          Arbeitsrecht : Keine Lohnfortzahlung bei neuer Erkrankung

          Kranke Arbeitnehmer haben einen Anspruch auf sechs Wochen Entgeltfortzahlung. Kommt der Mitarbeiter dann direkt mit einem weiteren Krankenschein, kann der Chef die Zahlung verweigern. Das hat das Bundesarbeitsgericht in Erfurt bestätigt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.