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Sean Spicer : Wie Trumps Sprecher die Presse verstört

Trumps Mann für die Presse: Sean Spicer Bild: EPA

Sean Spicer heißt Donald Trumps erster Soldat an der Front seines „Krieges mit den Medien“. Doch der Marineinfanterist verstrickt sich in Widersprüche und Unwahrheiten. Jetzt muss er sich korrigieren.

          Wenn Sean Spicer in den „Briefing Room“ des Weißen Hauses kommt und das Podium betritt, kann er seine Aggression kaum verbergen. Trumps Pressesprecher bellt mehr als dass er redet. Mit der gepressten Stimme eines Agitators und dem Habitus eines Anklägers drischt er auf die Journalisten ein, die sich sehr bemühen müssen, ihm zu folgen. Er redet so schnell, dass sich seine Stimme bisweilen überschlägt. Sean Spicer ist wütend, wütend auf die Medien, die sich vermeintlich gegen seinen Chef Donald Trump verschworen haben. Diese Wut durchzieht seine Arbeit im Weißen Haus vom ersten Tag an.

          Stefan Tomik

          Redakteur in der Politik.

          Schon seinen ersten Presseauftritt nach Trumps Amtseinführung verwandelte Spicer in eine Standpauke. Er eröffnete sie mit der Klage über zwei falsche Tweets von Journalisten, die als Beleg für eine generelle absichtliche Falschberichterstattung herhalten mussten. Dann ging er auf Berichte über die vergleichsweise geringe Teilnehmerzahl bei Trumps Amtseinführung ein und diktierte: „Dies war das größte Publikum, das jemals eine Amtseinführung gesehen hat. Punkt.” Er warf den Journalisten vor, „Zwietracht zu säen“ und drohte ihnen mit Konsequenzen. Fragen ließ er nicht zu.

          Ende Januar hatte Spicer das Einreiseverbot gegen Bürger aus sieben muslimischen Staaten zu verteidigen – und einen besonders pikanten Vorfall. Offenbar hatten Sicherheitskräfte am Washingtoner Flughafen Dulles einen Fünfjährigen in Handschellen abgeführt, von seiner iranischstämmigen Mutter getrennt und stundenlang festgehalten. Ein Fünfjähriger als Sicherheitsrisiko? Spicer überraschte mit einer überaus kühlen Erklärung: „Anzunehmen, dass jemand nur wegen seines Alters oder Geschlechts oder was auch immer keine Bedrohung darstelle, wäre töricht und falsch.“

          Vor wenigen Tagen kam es dann zur bizarren Bademantel-Diskussion. An Bord der Air Force One ging Spicer die „New York Times“ an. Die Zeitung hatte in ihrem Artikel „Trump und seine Mannschaft überdenken nach Fehlern ihre Strategie“ geschrieben, der Präsident ziehe sich meist gegen halb sieben am Abend in seine Privatgemächer zurück – fast immer allein, da seine Frau Melania und ihr gemeinsamer Sohn Barron nach wie vor in New York wohnen. „Wenn er nicht im Bademantel fernsieht oder mit alten Wahlkampfhelfern telefoniert, bricht er manchmal auf, um unbekannte Orte seines neuen Zuhauses zu erkunden“, heißt es in dem Artikel, der Spicer auf die Palme brachte: „Diese Geschichte war so voller Ungenauigkeiten und Lügen, dass sie sich beim Präsidenten für sie entschuldigen müssten.“ Spicers Beweis dafür: „Ich glaube nicht, dass der Präsident einen Bademantel besitzt. Ganz bestimmt trägt er keinen.“

          Das war eine Steilvorlage für die Twitter-Community. Nutzer posteten umgehend Bilder, die (den jungen) Trump im Bademantel zeigen – auch wenn das strenggenommen nicht beweist, dass er noch immer einen solchen besitzt oder abends regelmäßig einen trägt. Eine Twitter-Nutzerin schrieb in Anspielung auf den von Trumps Mannschaft geprägten Begriff „Aternative Fakten“: „Das ist kein Bademantel, es ist ein alternativer Anzug.“

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