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Trump besucht Mexiko : Warum „The Donald“ sein Herz für Latinos entdeckt

  • -Aktualisiert am

Donald Trump, republikanischer Präsidentschaftsberber Bild: dpa

Zuletzt sind Trumps Aussagen zu illegalen Migranten etwas moderater geworden. Aber was aussieht wie ein Richtungswandel, ist in Wirklichkeit eine clevere Wahlkampf-Strategie.

          Erst verglich er ihn mit Hitler und Mussolini, jetzt hat er sich mit ihm getroffen. Donald Trump ist zu Besuch bei Mexikos Präsidenten Enrique Peña Nieto und sendet damit weiterhin dezent versöhnliche Signale an die 34,6 Millionen Menschen mit mexikanischen Wurzeln, die in den Vereinigten Staaten leben.

          Obwohl sich Trump besonders mit seinen einwanderungskritischen Positionen gegenüber Latinos in den amerikanischen Präsidentschafts-Vorwahlen durchgesetzt hat, schien er in den vergangen Tagen beim Thema illegale Einwanderung etwas moderater geworden zu sein. Das bot Raum für Spekulationen über einen möglichen Kurswechsel. Am Montag hat Trump nun angekündigt, sich am Mittwochabend (Ortszeit) in einer „großen Rede“ zur Einwanderungspolitik zu äußern.

          Die Irritationen über Trumps Kurs wurden unter anderem durch ein Interview mit dem Sender Fox News befeuert. Auf die Frage hin, ob er als Präsident die Gesetze zugunsten illegaler Immigranten aufweichen würde, sagte er, dass es definitiv eine Lockerung geben werde, weil er den Menschen kein Leid zufügen wolle. Es sollten zwar alle schätzungsweise elf Millionen illegal Eingewanderten das Land verlassen, aber den besten davon solle ermöglicht werden, schneller wieder einzureisen.

          Nach geltendem Recht müssen illegale Einwanderer vor einer Wiedereinreise in die Vereinigten Staaten fünf, zehn oder 20 Jahre warten. Dass Trump ankündigte, diese Frist bei bestimmten Einwanderern nach unten zu korrigieren, wurde von vielen Beobachtern als Richtungsänderung gesehen. Aber schon im Mai dieses Jahres, kurz nach seiner Nominierung zum republikanischen Präsidentschafts-Kandidaten, hatte Trump gesagt, die leistungsfähigsten Einwanderer nach einer Ausreise wieder ins Land zurückholen zu wollen. Ebenfalls neu ist, dass Trump nun zwischen illegalen Einwanderern unterscheidet, die Verbrechen begehen und sofort ausgewiesen werden müssen, und solchen, die nützliche Arbeit leisten.

          Trump setzt voll auf die abgehängten Weißen

          Zur Verwirrung um einen möglichen Richtungswechsel trug auch Mike Pence bei, Trumps Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten. Dem Fernsehsender CNN sagte er am Sonntag, dass die Frage, ob die Staatsbürgerschaft ein Recht für alle in den Vereinigten Staaten Geborenen sei, „ein Thema für die Zukunft“ sei. In seinem Programm-Papier aus dem Sommer des vergangenen Jahres hatte Trump diese Regelung hingegen noch als den größten Magneten für illegale Einwanderung bezeichnet und seine Abschaffung gefordert.

          Die gemäßigteren Töne aus Trumps Lager zur Einwanderungspolitik sind jedoch kein Kurswechsel und kein Versuch, die ethnischen Minderheiten zu Umgarnen. Menschen mit latein-amerikanischem Hintergrund machen in den Vereinigten Staaten etwa 18 Prozent der Bevölkerung aus und werden als Wählergruppe immer wichtiger. Doch für Trump ist bei den Latinos die Erde verbrannt.

          Er setzt voll und ganz auf die abgehängten weißen Wähler, denen er die Migranten und den Freihandel als Sündenböcke ihrer eigenen Misere präsentiert. Neu ist diese Strategie so wenig wie sie in der Vergangenheit erfolgreich war. John McCain und Mitt Romney sind vor Trump mit ihr gescheitert. In den Vorwahlen positionierten sie sich politisch soweit rechts, dass sie später nicht mehr glaubhaft in die Mitte zurückkamen.

          Für die Präsidentschaftswahl 2016 hatte sich bei den Republikanern darum die Erkenntnis durchgesetzt, dass man rechtsaußen zwar leichter die innerparteilichen Vorwahlen gewinnt, am Ende aber gegen moderate Demokraten verliert. Trump hat das ignoriert und liegt in den meisten Umfragen derzeit deutlich hinter der demokratischen Kandidatin Hillary Clinton.

          Demobilisierung der Wähler Clintons

          Donald Trump wird gar nicht erst versuchen, in die Mitte zu rücken und auf die Latinos zuzugehen. Der Besuch beim mexikanischen Präsidenten ist zuallererst eine Gelegenheit, zu zeigen, dass er schon auf der großen internationalen Bühne unterwegs ist und mit dem Präsidenten auf Augenhöhe spricht. Seine Strategie hinter den milderen Aussagen zur Einwanderung ist vermutlich eine andere: Er versucht damit potentielle Wähler seiner Konkurrentin zu demobilisieren. Wenn er die Latinos nicht gewinnen kann, muss er verhindern, dass sie am 8. November überhaupt zur Wahl gehen. Und dafür darf er sie nicht zu sehr gegen sich aufstacheln, sofern das überhaupt noch geht.

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