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Trumps Abzugspläne : Ein weiterer Tiefschlag

  • -Aktualisiert am

Gut gelaunt mit amerikanischen Soldaten am Truppenstützpunkt Ramstein: Amerikas Präsident Donald Trump im Jahr 2018. Bild: dpa

Sollten Tausende amerikanische Soldaten Deutschland verlassen, würde das vor allem dem Pentagon selbst zu schaffen machen. Für das transatlantische Verhältnis aber verheißt es nichts Gutes.

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          Während des Kalten Krieges waren in (West-)Deutschland zeitweise fast 300.000 amerikanische Soldaten stationiert. Heute sind es noch knapp 35.000. Dieser Abbau hat lange vor Trump begonnen, er spiegelt die großen historischen Umbrüche wider, die Europa nach 1989 erlebt hat: den Zusammenbruch der Sowjetunion, die deutsche Wiedervereinigung, das Zusammenwachsen des Kontinents in EU und Nato. Es gab einfach keine militärische Bedrohung mehr, die eine gewaltige amerikanische Truppenpräsenz in Deutschland gerechtfertigt hätte. Die verbliebenen Stützpunkte wurden zu Operations- und Logistikzentren, die das amerikanische Militär für seine Einsätze in anderen Weltgegenden nutzte, vor allem in Afghanistan und im Irak.

          Man sollte das im Hinterkopf behalten, wenn jetzt gemeldet wird, dass Trump die amerikanische Truppenpräsenz in Deutschland um fast ein Drittel reduzieren will. Auf die Sicherheit Deutschlands hätte ein solcher Schritt unmittelbar keine nennenswerten Auswirkungen, er würde eher dem amerikanischen Militär selbst zu schaffen machen. Es verfügt in Deutschland über gut ausgebaute und funktionierende Einrichtungen, auf die es dann verzichten oder sie anderswo (Polen?) wieder aufbauen müsste. Und da die Amerikaner ihr Engagement an der Ostflanke der Nato in den vergangenen Jahren sogar erhöht haben, würde sich an der strategischen Lage in Europa im Grundsatz erst einmal nichts ändern.

          Politisch wäre Trumps Vorhaben allerdings ein weiterer Tiefschlag für die Beziehungen zu Deutschland, auch zu den Verbündeten insgesamt. Und genau das beabsichtigt der Präsident mit solchen Manövern ja oft. Er operiert immer nach dem gleichen Muster: Wenn etwas schiefläuft, startet er Entlastungsangriffe, besonders gern gegen Leute, die er schon lange aufs Korn genommen hat. In dieser Woche lief vieles schief für Trump, vor allem in seiner Reaktion auf die Proteste gegen Rassismus im eigenen Land. Wahrscheinlich hat er sich auch grün und blau geärgert, weil Angela Merkel nicht zu seinem G-7-Treffen in Washington kommen wollte. Da mag es verlockend erscheinen, den alten Wahlkampfschlager über die Europäer hervorzukramen, die zu wenig für ihre eigene Verteidigung tun, und Deutschland zu „bestrafen“. In der Sache war das noch nie recht überzeugend, weil Trump gleichzeitig die eigenen Militärausgaben erhöht; der amerikanische Steuerzahler hat also nichts davon. Aber bei seinen Wählern und seinen publizistischen Groupies kommen solche Gesten gut an.

          Ob in Deutschland ein paar tausend GIs mehr oder weniger stationiert sind, ist nicht das wahre Problem, das Trumps Präsidentschaft für unsere Verteidigungspolitik aufwirft. Bevor er ins Weiße Haus einzog, galt ein Angriff auf die Nato als glatter Selbstmord. Heute weiß man nicht mehr so genau, ob Trump den Alliierten im Ernstfall beistehen würde, wie es in Artikel 5 eigentlich vorgesehen ist. Seine Rhetorik und sein Verhalten in konkreten Konflikten (Nordkorea, Golf) haben Zweifel daran geweckt, dass Amerikas Beistandsversprechen noch gilt. Deutschland wird also nicht darum herumkommen, mehr für die eigene Sicherheit zu tun als bisher. Denn selbst wenn Trump im November abgewählt werden sollte, dürfte sich am langfristigen historischen Trend nichts ändern: Amerika blickt auf China, sein Interesse an Europa wird weiter sinken.

          Nikolas Busse

          Verantwortlicher Redakteur für Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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