https://www.faz.net/-gpf-9f0cp

Kommentar zur Nafta-Reform : Trumps Muster

  • -Aktualisiert am

Donald Trump am Montag im Rosengarten des Weißen Hauses Bild: dpa

Die Einigung mit Kanada und Mexiko über eine Nafta-Reform solle ein Muster für künftige Handelsverträge sein, sagt ein Trump-Berater. Gilt dieser Vorbildcharakter auch für die Verhandlungsführung des Präsidenten, dürfte es für die Europäer interessant werden.

          1 Min.

          Als „Muster“ der Trump-Regierung für künftige Handelsverträge hat ein Berater des amerikanischen Präsidenten die Einigung mit Kanada und Mexiko über eine Nafta-Reform bezeichnet. Gemünzt war das auf die Balance zwischen Arbeiter- und Unternehmensinteressen: Washington habe es im Ringen mit den beiden Nachbarn einerseits geschafft, den Industriestandort Vereinigte Staaten zu stärken, also Arbeitsplätze zu sichern. Andererseits erfüllten die Vereinbarungen viele Forderungen der Wirtschaft.

          Tatsächlich erhält das Weiße Haus Beifall sowohl von Gewerkschaften als auch von der Wall Street. Es gibt zwar auch noch Vorbehalte, und die Zustimmung des Kongresses wird kein Selbstläufer. Doch die Unterstützung wirkt deutlich breiter als etwa zur „Transpazifischen Partnerschaft“, die Barack Obama mit elf Regierungen ausgehandelt und Donald Trump dann weggeworfen hatte.

          Maximale Verunsicherung durch Pauschalkritik

          Als „Muster“ dürfte Trump aber auch die Verhandlungsführung betrachten, die zu dem vorläufigen Erfolg geführt hat – und an dieser Stelle wird es für die Europäer besonders interessant, die ja noch am Anfang ihrer Gespräche stehen. Zunächst hatte Trump mit seiner Pauschalkritik am Nafta-System maximale Verunsicherung, wenn nicht Panik geschaffen.

          Die Mexikaner hatten schon im Wahlkampf fast täglich ihr Fett abbekommen. Dem kanadischen Verbündeten rückte Trump erst dieses Jahr mit lauter Provokationen auf die Pelle, von Tweets bis zu Zöllen. Vorige Woche noch bekundete Trump, keiner möge die kanadische Unterhändlerin Chrystia Freeland. Da hatte er es bereits geschafft, seine Verhandlungspartner zu spalten, mit den Mexikanern eine Übereinkunft zu finden und Ottawa damit ein Ultimatum zu stellen: Hätte Trudeau Sonntag Nacht nicht ja gesagt, hätte sich Trump mit einem amerikanisch-mexikanischen Pakt begnügt – wenn er nicht bloß bluffte.

          Auf diese, auf seine Weise hat Trump den Partnern vielleicht etwas mehr abgetrotzt, als es ein anderer Präsident mit den herkömmlichen Mitteln der Nachbarschaftspolitik geschafft hätte. Gemessen an seinen vollmundigen Parolen freilich, wirken die Veränderungen eher mickrig. Denn wehrlos waren auch Mexiko und Kanada nicht, dafür sind die drei Volkswirtschaften inzwischen zu verschränkt. Hat es sich für diesen Kompromiss gelohnt, so viel böses Blut in der nächsten Nachbarschaft zu verursachen?

          Andreas Ross

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online und stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Nachrichten.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.